SWISS positioniert sich neu

24. Juni 2003

Auf dem Weg zum Turnaround senkt SWISS ihre Kosten mit einschneidenden Massnahmen: 34 Flugzeuge werden stillgelegt, rund 3000 Stellen abgebaut. Die neue, massiv verkleinerte SWISS reagiert auf die tiefgreifenden Veränderungen des Airline-Marktes: Interkontinental bietet SWISS bewährte Premium Qualität in drei Klassen an, in Europa kann der Kunde künftig zwischen verschiedenen Preis- und Komfort-Optionen wählen. Der Verwaltungsrat von Swiss International Air Lines hat an seiner Sitzung vom 23. Juni die Eckwerte des neuen Businessplans gutgeheissen. In seinen Grundzügen sieht dieser eine Reduktion der Langstreckenflotte auf 18 Flugzeuge vor, in der Mittelstrecke auf 21 und auf der Regionalstrecke auf 35. Insgesamt werden die angebotenen Sitzkilometer um 35 Prozent gekürzt. Die Änderungen werden auf den Winterflugplan 2003 wirksam.

Die nachhaltige Krise der Airline-Industrie wird zu einer Konsolidierung in der gesamten Branche führen. Nur die gesunden und richtig positionierten Unternehmen werden überleben. Die Geschäftsleitung der SWISS reagiert auf diese Entwicklung mit harten Massnahmen. SWISS muss Netzwerk und Flotte verkleinern, die Kosten weiter reduzieren und einen umfangreichen Personalabbau vornehmen. Der SWISS-Verwaltungsrat ist überzeugt, dass die geplante Restrukturierung eine wesentliche Bedingung für das Überleben der SWISS ist.

Premium auf der Langstrecke – günstig und effizient in Europa
Die SWISS führt diesen Herbst ein richtungsweisendes Europa-Konzept ein, um den Kundenbedürfnissen auf einer konkurrenzfähigen Kostenbasis gerecht zu werden. Als erste Linienfluggesellschaft bietet SWISS auf innereuropäischen Strecken sowohl eine Premium Business Class wie auch eine äusserst preisgünstige Economy Class an. SWISS will damit ihren Kunden ein optimales und individuelles Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Der Kunde hat die Wahl und bezahlt nur noch für die Leistung, die er beziehen will. Bucht er einen Flug in der Economy Class, wird er in Zukunft für Essen und Trinken bezahlen. In der Business Class hingegen kann er sich auf den gewohnten SWISS-Service verlassen.

Dieses neue Europa-Konzept löst sowohl die bisherige Preisstruktur wie auch zeitlich begrenzte Preisaktionen (Swiss Europe Savers) innerhalb Europas ab. Alle Flüge innerhalb Europas werden zu übersichtlichen Preisen mit klaren Leistungen zu buchen sein. Hin- und Rückflüge können beliebig kombiniert werden (z.B. Economy Class hin, Business Class zurück), abhängig von Abflugszeiten, Buchungszeitpunkt und Verfügbarkeit oder den persönlichen Präferenzen des Kunden. Alle Europa-Flüge werden entweder von SWISS oder von Swiss Express durchgeführt.

Tiefgreifende Massnahmen vorgesehen
Die im Businessplan ausgearbeiteten Eckwerte sehen eine Reduzierung der Kosten von total 1,6 Milliarden Franken vor.

Netzwerk und Flotte
Der erste Schritt Richtung Profitabilität führt über eine Anpassung des Netzwerkes. Eine Fokussierung auf gewinnbringende und zukunftsträchtige Strecken und Destinationen bildet die Grundlage für alle weiteren Massnahmen. Das Netzwerk muss daher um bis zu 35 Prozent verkleinert werden. Die Zahl der bedienten Destinationen wird sich deshalb an allen Schweizer Standorten von SWISS markant verringern. Über die genaue Zahl und die entsprechenden Destinationen werden zuerst unsere Partner informiert. Die Schlüsselmärkte bleiben weiterhin ans Netzwerk angeschlossen.
Diese Reduktion der angeflogenen Destinationen und Frequenzen hat einen Abbau bei der Flotte auf 74 Flugzeuge (excl. Charter) zur Folge. Im Langstreckenbereich (MD-11, A340, A330) ist eine Reduktion auf 18 Flugzeuge geplant, im Mittelstreckenbereich (A320-Familie) auf 21 und im Regionalbereich (Saab, Embraer, Avro) auf 35 Flugzeuge.

Stellenabbau
Die Reduktion von Netzwerk und Flotte machen einen Stellenabbau von rund 3‘000 Stellen unumgänglich. Dies ist ein schmerzlicher Schritt und SWISS versucht mit den Gewerkschaften möglichst sozial-partnerschaftliche Lösungen zu erarbeiten. Im Cockpit sind rund 700, in der Kabine rund 850 und beim Bodenpersonal bis zu 1500 Stellen betroffen.

Nächste Schritte
Die Eckwerte des neuen Businessplans und damit das langfristige Überleben der SWISS können nur umgesetzt werden, wenn Mitarbeiter, Gewerkschaften, Lieferanten, Kreditgeber und Behörden an einem Strick ziehen. Nur mit einem klaren Bekenntnis zur Zukunft der SWISS kann der notwendige Turnaround geschafft werden. In den nächsten Wochen müssen deshalb mit allen Beteiligten gangbare Lösungen erarbeitet werden, die für den Erfolg nötig sind.

Schiedsgerichtsurteil
Das Schiedsgericht schreibt für den Abbau von Piloten ein proportionales Reissverschlusssystem zwischen den beiden Pilotenkorps der SWISS vor. Dies bedeutet für SWISS unerschwingliche Kosten und Aufwendungen sowie unhaltbare operationelle Einschränkungen bis zum Ablauf des Vertrages mit SWISS PILOTS im Jahre 2005.

Die Umsetzung des neuen Businessplanes und damit das Überleben des Unternehmens sind durch diese Situation gefährdet.

Der Verwaltungsrat von SWISS hat deshalb entschieden, umgehend mit allen Gewerkschaften Verhandlungen über die Gesamtarbeitsverträge aufzunehmen. Soll das ehrgeizige Ziel des neuen Businessplanes erreicht werden, benötigt es Zugeständnisse aller Beteiligten.

Angesichts der schwierigen Situation erwartet die SWISS von den betroffenen Partnern den klaren Willen, diese Gespräche bis zum 15. Juli zu Ende zu führen, damit über das weitere Vorgehen Klarheit geschaffen werden kann.

Ausblick
Das Ziel der SWISS ist unverändert: sie bleibt eine führende Fluggesellschaft mit einem internationalen Netzwerk, das die Bedürfnisse der Kunden in den Mittelpunkt stellt. Exzellenz im Interkontinentalverkehr und Effizienz im Europaverkehr sind die Zukunft der SWISS. Die Restrukturierung wird zudem eine Stärkung der Position in der Allianzfrage bringen.

Zur Sicherung der Zukunft konzentriert sich die SWISS prioritär auf die gradlinige Umsetzung der Restrukturierung, die Sicherstellung der Kreditlinien und die Schaffung der Bedingungen um ein finanziell gesunder Partner für Kooperationen zu sein. Die SWISS ist dabei auf das Bekenntnis aller Partner angewiesen.