SWISS setzt ein neues Fundament für die Zukunft

24. Juni 2003

Swiss International Air Lines hat am 31. März 2002 abgehoben. Damals mit einem Businessplan für eine Fluggesellschaft, welche das schweizerische Luftverkehrssystem und die wichtigsten Verbindungen von allen Landesflughäfen der Schweiz ins Ausland aufrecht erhalten würde. Seither hat sich das operationelle Umfeld ständig verändert: das Passagieraufkommen ging substantiell zurück, die Erträge sind ständig gesunken, die Kosten gestiegen und die Produktivität auf gleichem Niveau geblieben. Wie für viele andere Airlines war es auch für die SWISS unter diesen Umständen nicht möglich, das Unternehmen profitabel zu führen.

Die wirtschaftlichen Wachstumsprognosen, die dem ersten Businessplan zugrunde gelegt wurden, haben sich in keiner Weise bestätigt und mussten seit dem Herbst 2001 laufend nach unten korrigiert werden. Mit dieser wirtschaftlichen Entwicklung rechnete damals niemand, ebenso wenig mit dem Irakkrieg und der Lungenkrankheit SARS. Weltweit lagen die Erträge pro Passagierkilometer im April 2003 18% unter dem Wert des Vorjahres; in Asien verringerten sich die Einkünfte gar um 44%. Diese Veränderungen zwingen zur Erarbeitung eines neuen Businessplans.

Neue Positionierung im Markt
SWISS will sich neu im Markt positionieren: als internationaler Netzwerk Carrier mit interkontinentalen und europäischen Verbindungen, einem Angebot im Charterbereich und mit eigenem Cargo-Geschäft.

Die Hauptziele sind: Ebit margin 5-7% und ein positiver operativer cash flow. Der gesteckte Zeitrahmen erlaubt eine detailliertere Analyse bis Mitte August. Danach sollen diese Massnahmen in den folgenden zwölf Monaten umgesetzt werden und ab 2005 die gewünschten Resultate zeigen. Heute präsentiert SWISS, welche Massnahmen für das Überleben getroffen werden müssen und mit welchen neuen Angeboten sie sich neu positionieren will. Über das definitive Streckennetz, die genaue Preisstruktur und den aktuellen Stand der Allianzfrage kann man heute noch nicht informieren, da wir dies zuerst mit unseren Partnern und Zulieferbetrieben besprechen möchten.

Exzellenz und Effizienz
Das Ziel der SWISS ist unverändert: Sie ist eine führende Fluggesellschaft mit einem internationalen Netzwerk, das die Bedürfnisse der Kunden in den Mittelpunkt stellt. SWISS strebt nach höchster Qualität auf der Basis echt schweizerischer Werte. Und SWISS strebt eine Rentabilität an, die sich an den Besten der Branche misst. Im Angebot wird dabei unterschieden zwischen:

Exzellenz im Interkontinentalverkehr: Da wird weiterhin Premiumqualität verlangt und von der SWISS auch geboten. Ein neues Premiumprodukt von Kontinent zu Kontinent bietet der neue Airbus A340.
Effizienz im Europaverkehr: Als Reaktion auf die sich ändernden Kundenbedürfnisse wird hier das Produkt den Bedürfnissen des Marktes angepasst, die sich heute mehr auf den Preis in Verbindung mit Pünktlichkeit, Flugplan, Anschluss- und Umbuchungsmöglichkeiten konzentrieren.

Neues Businesskonzept für Europa
Die SWISS führt diesen Herbst ein richtungsweisendes Europa-Konzept ein, um den Kundenbedürfnissen auf einer konkurrenzfähigen Kostenbasis gerecht zu werden. Als erste Linienfluggesellschaft bietet SWISS auf innereuropäischen Strecken sowohl eine Premium Business Class wie auch eine äusserst preisgünstige Economy Class an. SWISS will damit ihren Kunden ein optimales und individuelles Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Der Kunde hat die Wahl und bezahlt nur noch für die Leistung, die er beziehen will. Bucht er einen Flug in der Economy Class, wird er in Zukunft für Essen und Trinken bezahlen. In der Business Class hingegen kann er sich auf den gewohnten SWISS-Service verlassen. Dieses neue Europa-Konzept löst sowohl die bisherige Preisstruktur wie auch zeitlich begrenzte Preisaktionen (Swiss Europe Savers) innerhalb Europas ab. Alle angebotenen Sitze innerhalb Europas werden zu übersichtlichen Preisen mit klaren Leistungen zu buchen sein. Hin- und Rückflüge können beliebig kombiniert werden (z.B. Economy Class hin, Business Class zurück), abhängig von Abflugszeiten, Buchungszeitpunkt und Verfügbarkeit oder den persönlichen Präferenzen des Kunden. Im Gegensatz zu den Billigfliegern hat der Passagier aber ein grosses Netzwerk mit höheren Frequenzen zur Verfügung und kann gleichzeitig Meilen sammeln.

Eckwerte des neuen Businessplans stehen
Der in seinen Eckwerten vorliegende neue Businessplan zeigt den Weg auf: Das Angebot wird auf die Kundenbedürfnisse angepasst, Netzwerk und Flotte werden verkleinert, die Kosten weiter reduziert und der Personalbestand entsprechend nach unten angepasst. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung von SWISS sind überzeugt, dass die verabschiedeten Eckwerten des neuen Businessplans „Foundation for Winning“ absolut notwendig für das Überleben der SWISS sind.

Die bisher ausgearbeiteten Eckwerte sehen eine Reduzierung der jährlichen Kosten von total 1,6 Milliarden Franken vor. CHF 600 Millionen sind auf die eigentlichen Kosteneinsparungen zurückzuführen, rund CHF 1 Milliarde auf den Volumeneffekt. Verschiedene Bereiche werden dazu beitragen: Cockpit, Kabine, Inflight Service, Groundservices, Maintenance, Sales & Distribution, Overhead, Key suppliers, Netzwerk, Flottenoptimierung und das European Business Concept.

Massnahmen bei Netzwerk und Flotte
Der erste Schritt Richtung Profitabilität führt über eine Anpassung des Netzwerkes. Eine Fokussierung auf gewinnbringende und zukunftsträchtige Strecken und Destinationen bildet die Grundlage für alle weiteren Massnahmen. Das Netzwerk muss daher um bis zu 35 Prozent verkleinert werden. Die Zahl der bedienten Destinationen wird sich deshalb an allen Schweizer Standorten von SWISS markant verringern. Über die genaue Zahl und die entsprechenden Destinationen werden zuerst unsere Partner informiert. Die Schlüsselmärkte bleiben weiterhin ans Netzwerk angeschlossen.

Die angebotenen Sitzkilometer im Interkontinentalbereich reduzieren sich um 31 Prozent. Die Anzahl der Flugzeuge wird von 25 auf 18 reduziert. SWISS wird sich auf die verkehrsreichen Strecken konzentrieren und sich von nicht gewinnbringenden Destinationen trennen. Die Langstreckenflotte wird harmonisiert, das Familienkonzept mit A330 und A340 bringt viele Synergien.

Im Europaverkehr reduzieren sich die angebotenen Sitzkilometer um 38 Prozent. Im Mittelstreckenbereich (A320-Familie) wird von 24 auf 21 Flugzeuge reduziert, im Regionalbereich (Saab, Embraer, Avro) von 59 auf 35. Es ist geplant die regionale Flotte weiter zu harmonisieren (ERJ 145 od. Saab 2000). Die verlustbringenden Inland-Verbindungen werden aufgegeben. Mit einer Konzentration auf die verkehrsreichen europäischen Destinationen soll das Europanetzwerk der SWISS profitabel werden.

Massnahmen beim Personalbestand
Die Opfer, die SWISS nun erbringen muss, sind substantiell. Die Reduktion von Netzwerk und Flotte haben eine Reduktion von rund 3000 Stellen zur Folge. Dies ist ein schmerzlicher Schritt und SWISS versucht, mit den Gewerkschaften möglichst sozial-partnerschaftliche Lösungen zu erarbeiten. Im Cockpit sind rund 700, in der Kabine rund 830, beim Overhead (inkl. Aussenstationen) rund 850, in der Maintenance rund 350, beim Groundservice rund 140 und bei Cargo rund 130 Stellen betroffen. Dieser Abbau kommt zu den angekündigten Stellen im November 2002 (300 Positionen) und Februar 2003 (700 Positionen) hinzu.

Kompromissloses Bekenntnis aller Partner ist nötig
Zusammen mit den Gewerkschaften will SWISS nicht nur den Abbau der Stellen gestalten, sondern auch die weitere Kostensenkungsrunde. Beim Sparprogramm ist SWISS auf die Partner und Zulieferbetriebe angewiesen: Die Eckwerte des neuen Businessplans und damit das langfristige Überleben der SWISS können nur umgesetzt werden, wenn Mitarbeiter, Lieferanten, Kreditgeber, Verbände und die Behörden an einem Strick ziehen. Nur mit einem klaren Bekenntnis zu einer Zukunft der SWISS kann der notwendige Turnaround geschafft werden. In den nächsten Wochen müssen deshalb mit allen Beteiligten gangbare Lösungen erarbeitet werden, die dann in den detaillierten und definitiven Businessplan einfliessen. Bis dahin werden keine konkreten Aussagen zum definitiven Streckennetz gemacht

Finanzielle Eckwerte
Grundlage für eine erfolgreiche Geschäftspolitik der SWISS wird ein sachgerechter, glaubwürdiger Businessplan sein. Der Ebit-margin soll 5 bis 7 Prozent ab 2004 betragen, der operative cash flow ebenfalls ab 2004 positiv sein. Im Jahr 2004 wird ein Umsatz von CHF 3,2 Milliarden, 2005 von CHF 3,3 Milliarden angestrebt. Die gesamten Restrukturierungskosten belaufen sich in den Jahren 2003 und 2004 auf CHF 150 bis 200 Millionen.

Eine zusätzliche Finanzierung über CHF 500 Millionen ist nötig, um die für die Restrukturierung nötige finanzielle Stabilität zu erreichen. Die Liquidität wird sich mit der Umsetzung der getroffenen Massnahmen stabilisieren, wenn sich keine unvorhergesehenen Ereignisse mit grossem negativen Einfluss mehr ereignen.

Die Folgen des Schiedsgerichtsurteils
Das Schiedsgericht schreibt für den Abbau von Piloten ein proportionales Reissverschlusssystem zwischen den beiden Pilotenkorps der SWISS vor. Dies bedeutet für SWISS unerschwingliche Kosten und Aufwendungen sowie unhaltbare operationelle Einschränkungen bis zum Ablauf des Vertrages mit SWISS PILOTS im Jahre 2005.

Die Umsetzung des neuen Businessplanes und damit das Überleben des Unternehmens sind durch diese Situation gefährdet.

Der Verwaltungsrat von SWISS hat deshalb entschieden, umgehend mit allen Gewerkschaften Verhandlungen über die Gesamtarbeitsverträge aufzunehmen. Soll das ehrgeizige Ziel des neuen Businessplanes erreicht werden, benötigt es Zugeständnisse aller Beteiligten.

Angesichts der schwierigen Situation erwartet die SWISS von den betroffenen Partnern den klaren Willen, diese Gespräche bis zum 15. Juli zu Ende zu führen, damit über das weiter Vorgehen Klarheit geschaffen werden kann.

Ausblick
Die Prioritäten zur Sicherung der Zukunft von SWISS sind:

1. Bekenntnis aller Partner: Wir befinden uns alle im gleichen Boot. Ein Scheitern der SWISS steht in keinem Interesse.
2. Umsetzung der Restrukturierung: SWISS muss die geplanten Massnahmen unverzüglich umsetzen, um weitere Verluste zu minimieren.
3. Sicherstellung der Kreditlinien: Dazu gehören Betriebskredite und Working Capital Facilites, über welche sich SWISS mit den Banken möglichst rasch einigen will.
4. Lösung der Allianzfrage: SWISS muss für das längerfristige Überleben Partnerschaften mit anderen Airlines eingehen. Die Restrukturierung muss für die SWISS in jedem Szenario zu einer nachhaltigen, wettbewerbsfähigen Position führen.