Sich mit mit Marijana und Miki zu verabreden, ist ungefähr so schwierig, wie den Papst zu treffen. Die beiden sind Architekten in Belgrad - und haben ständig zu tun. Im SWISS Travel Guide erzählen sie, warum sie die Stadt lieben und was ihre Arbeit so spannend macht.

Belgrad ist ein Spielplatz für kreative Köpfe

Marijana und Miki haben Stress: Gerade arbeiten sie an einer Wohnung mit Blick auf die
St. Sava Kathedrale. Das Apartment soll luxuriös ausgestattet werden und Platz für eine grössere Familie bieten. Und es ist noch einiges zu erledigen. Marijana spricht wild gestikulierend in ihr Mobiltelefon, Miki, eigentlich Miroslav, instruiert einen Handwerker. Die beiden sind das, was man „verrückte Kreative“ nennt. Und sie haben sichtbar Spass an ihrem Job.

  • „Als Kinder haben wir es geliebt, mit Lego-Steinen zu spielen und wir haben uns gegenseitig herausgefordert, komplizierte Dinge zu bauen, wie Flughäfen, Krankenhäuser oder Feuerwachen“, erzählt Marjina später im Restaurant Kovač. Ein Muss, für jeden, der wirklich serbische Küche probieren will, meinen die beiden und bestellen deshalb die halbe Speisekarte. Gebratene Hähnchenleber mit karamellisierten Zwiebeln und saurer Sahne, Teigröllchen, gefüllt mit Spinat und Käse und eine Platte mit verschiedenen Schinkensorten. Ausserdem Steak, gefüllt mit Räucher-Käse, dazu geschmorte Pepperoni und Pilze.

    Miki komplettiert die Aussage seiner Schwester: „Später war es nicht mehr Lego, aber immer noch die Lust, etwas Neues zu erschaffen, neue Orte, an denen Menschen leben können.“

Ideen mit ganz viel Liebe zum Detail

Das Geschwisterpaar arbeitet unter anderem für Beomarket, einen Belgrader Investor, der auf den Bau von Wohnhäusern spezialisiert ist und den jungen Architekten viel Freiraum für ihre Fantasie lässt: An den Fassaden wachsen Bäume aus Metall in die Höhe, manche Hausflure sehen aus wie das Entrée zu einem stylischen Club. Ihre bunten Entwürfe sind ein frischer Kontrast zu den alten, oft grauen Mietshäusern im Stadtkern.

Und die beiden haben jede Menge Ideen. So viele, dass sie auch für die Innenausstattung von Cafés, Hotels, Geschäften und Bürogebäuden in der Belgrader Innenstadt reichen. Auftraggeber treffen, Konzepte ausarbeiten, Aufgaben an Spezialisten delegieren und Deadlines einhalten - für die freien Architekten gibt es keinen Acht-Stunden-Tag. Trotzdem würden sie nichts anderes machen wollen im Moment, da sind sich Marijana und Miki einig.

Jedes Projekt ist ihr "Baby“

Fragt man sie, auf welches Projekt sie am meisten stolz sind, müssen sie eine Weile überlegen. „Jedes Gebäude, an dem wir gearbeitet haben, ist anders, hat eine einzigartige Geschichte“, sagt Marijana. „Und wir sind gefühlsmässig mit jedem Projekt eng verbunden - es sind alles unsere Babys.“

Das ist natürlich sehr diplomatisch, aber die beiden sind ja auch Profis. „Ok“, räumt Miki schliesslich ein. „Vielleicht können wir das Sushi Dream-Projekt ein wenig hervorheben.“ Für die Gestaltung des Sushi-Restaurants gab es einen Preis auf dem jüngsten „Salon of Architecture“ in Belgrad. Von der Raumplanung über die Innenausstattung bis hin zum Design der Mitarbeiter-Uniformen haben Marijana und Miki das Konzept betreut. Heraus gekommen ist ein stylishes Restaurant, das mit traditionellen japanischen Elementen spielt, ohne kitschig zu wirken.

Neues gestalten - Altes erhalten

Und es gibt noch so viel zu tun. Überall verändert sich Belgrad, bekommt ein neues, modernes Gesicht. Zwischen den wuchtigen, klassizistischen Gebäudekomplexen in der Innenstadt wachsen schlanke Glas- und Stahlkonstruktionen empor. Neben kastenartigen Plattenbauten aus sozialistischen Tagen stehen elegante Bürohäuser. „Belgrad nimmt neue Formen an“, beschreibt Miki die Entwicklung. „In den Glas-Fassaden neuer Gebäude spiegeln sich die der alten. Moderne Landschaftsgestaltung trifft auf Parks mit wundervollen alten Bäumen. An fast vergessenen Plätzen entstehen plötzlich Cafés, Restaurants und Bars.“

Den Plänen der serbischen Regierung stehen die beiden eher skeptisch gegenüber. Danach soll ein riesiges, hochmodernes Stadtviertel an der Save entstehen- mit Luxuswohnungen, Bürokomplexen und Shopping-Malls. Dafür müssten der alte Bahnhof verlegt, der Busbahnhof abgerissen und ganze Strassenzüge planiert werden. Dagegen regt sich nicht nur bei den Belgradern Widerstand. Ob das Projekt mit dem Investor aus Abu Dhabi letztendlich umgesetzt wird, ist noch fraglich.

Der Traum vom Hotelkomplex am Meer

Völlig überdimensioniert finden Marijana und Miki die Idee. „Diese alten Gebäude, diese architektonischen Meisterwerke, sind ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte“, erklärt Marijana und unterstreicht jede Geste mit ihrem Dessert-Löffel. „Sie sind es, die der Stadt die Atmosphäre von Jahrhunderten geben.“ Das zu bewahren und gleichzeitig mit dem neuen, digitalen Zeitalter zu verbinden, das sei die Herausforderung. In das Glace, das inzwischen auf dem Tisch steht, schafft es ihr Löffel nie. Auch nicht in die mit Walnüssen gefüllten Äpfel und die Kirschpfannkuchen mit Schlagrahm. Man sollte viel Hunger mitbringen ins Kovač.

Fragt man die beiden nach ihrer persönlichen Zukunftsvision, dann sagen sie:.„Wir träumen von einem multifunktionellen Projekt irgendwo an der Küste“, sagt Miki und bekommt dabei glänzende Augen. Seine Schwester springt ihm bei: „Ein Komplex mit Apartments, Spa, einem Theater, natürlich einer coolen Rooftop-Bar und einem wundervollen Blick aufs Meer.“

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