Text: Anja Beeler / Photos: Ydwer Photography & TOAST Productions
Wer das GIN Kiteboarding House in La Neuveville betritt, fühlt sich gleich willkommen. Der Surfshop, der vor einem Jahr eröffnet hat, ist gleichzeitig auch Headquarter, Lager, Showroom und Eventlocation des Unternehmens. Der Holzboden aus recycelten Europaletten weist auf die Naturnähe und die Nachhaltigkeit der Marke hin. Neben Kites und Boards, gibt es auch verschiedene Accessoires wie Taschen, Kissen oder Portemonnaies – alle aus alten Kites gefertigt. Und wer nach dem Shoppen sein neues Equipment gleich ausprobieren möchte, kann dies an einem der besten Kitesurfspots des Landes tun. Denn dieser einmalige Treffpunkt für alte Kitehasen und Neulinge liegt nur wenige Meter von der Nordküste des Bielersees entfernt. «Der perfekte Sport, um den Kopf freizubekommen. Die Geschwindigkeit, die Vielseitigkeit und ein Gefühl von Gemütlichkeit.» Jonas Hiller, Schweizer Torwart beim EHC Biel, schwärmt hier nicht etwa vom Eishockey.
Der ehemalige Stammtorhüter der Schweizer Eishockeynationalmannschaft findet seinen Ausgleich beim Kitesurfen. Und mittlerweile hat er dieses Hobby auch zu seinem Beruf gemacht. Als Inhaber der Schweizer Kitesurf- und Snowkitemarke GIN Kiteboarding will er den Sport auf Wasser und Schnee weiter voranbringen. GIN Kiteboarding steht für Authentizität, Qualität, Zuverlässigkeit und Innovation. Werte, die der Shop, das Team und die Produktpalette bis ins Detail widerspiegeln. Bis heute hat GIN Kiteboarding über 20 verschiedene Tube- und Foilkites herausgebracht. Eine Besonderheit ist das Eco Board, das zu 100 Prozent in der Schweiz hergestellt wird und auf Nachhaltigkeit setzt. Es besteht aus Berner Pappel- und Walnussholz und wird in sorgfältiger Handarbeit aus natürlichen Fasern hergestellt.
Insgesamt wurden nur 100 Boards von dieser Edition produziert. Jedes einzelne ist ein echtes Unikat. Und Schweizer Qualität spricht sich rum. Mittlerweile werden die Kites und Boards in die ganze Welt verkauft, zum Beispiel auch nach Madagaskar. Fabienne Kaufmann, CEO von GIN Kiteboarding, war begeisterte Gleitschirmfliegerin, als sie das Kitesurfen im Jahr 2000 am Neuenburgersee für sich entdeckte. Nachdem sie einmal auf dem Board gestanden hatte, nutzte sie fortan jede Gelegenheit, um mit ihrem Kite über das Wasser oder den Schnee zu gleiten. Nur drei Jahre später wurde sie Weltmeisterin im Snowkiten. 2007 gründete sie GIN Kiteboarding und ist seither die gute Seele des Unternehmens.
Kiteboarding Spirit
«Hinter unserer Marke steht ein Team von elf Personen», erklärt sie. «Wir alle teilen die gleiche Leidenschaft. Und das spüren auch unsere Kunden. Sie erhalten bei uns mehr als nur Kites und Boards. Wir beraten jeden Kunden individuell, geben unsere Erfahrungen und unsere Begeisterung für den Sport weiter.» An diesem Punkt stimmt Jonas Hiller ein: «Gerade in der Schweiz sind Westwind und Bise ideal zum Kitesurfen und es gibt traumhafte Orte, Schweizer Seen und Berge, die für einmalige Erlebnisse sorgen. Die Natur, das Wasser, die Geschwindigkeit – der Sport bietet viel und begeistert Anfänger und Fortgeschrittene gleichermassen.» So ging es auch dem Eishockeyprofi selbst. «Als Torhüter reagiere ich. Als Ausgleich dazu war ich auf der Suche nach einer Sportart, bei der ich selbst agieren und kreativ sein kann. Ich hatte schon immer grosses Interesse an Wassersport. Beim Segeln oder Windsurfen hat mir aber die Verspieltheit gefehlt. Beim Kitesurfen habe ich die perfekte Kombination aus Action und Entspannung.»
2012 kaufte der Eishockeyprofi seine erste Ausrüstung bei GIN Kiteboarding. Er fühlte sich den Markenwerten sofort verbunden, lernte Fabienne kennen und verfolgte die Entwicklung des Schweizer Labels fortan. 2015 beschloss er, in die Firma zu investieren. Spürt man die Begeisterung, mit der der Sportler über das Kitesurfen spricht, liegt die Frage nahe, ob er die Schlittschuhe vielleicht sogar gegen das Board eintauschen würde. «Nein, ich liebe das Eishockey. Aber zum Glück muss ich mich ja nicht für eins von beiden entscheiden.» Denn das würde schwerfallen. Da sind sich Fabienne und Jonas einig: «Wer einmal mit dem Kite über Schnee oder Wasser gejagt ist, kann nicht mehr aufhören und will das immer wieder tun.» ·
Innovation
Erst kürzlich lancierte GIN Kiteboarding eine Produktinnovation: den Marabou. Es ist der erste Single-Surface Kite auf dem Markt, der gezielt für die Verwendung auf dem Wasser entwickelt wurde. Ein Kite, leicht und klein wie kein anderer, der trotzdem eine aussergewöhnliche Kraft und Stabilität generiert. Mit dieser hybriden Konstruktion aus Single-Surface und geschlossener Zelle löst GIN Kiteboarding ein Problem: Mattenkites füllen sich schnell mit Wasser. Nicht so der Marabou. Mit ihm können Kitesurfer mit Leichtigkeit nach dem Treiben im Wasser wieder neu starten. Er wird in einem handlichen Beutel transportiert und wiegt bei einer Fläche von 12 Quadratmetern lediglich 1,7 Kilogramm. ginkites.com