Coolcation in den Bergen oder im Norden: Neue Hotels zum Aufatmen

Die Sommerfrische feiert ihr Comeback – in luftiger Höhe, an glasklaren Seen und in den kühlen Weiten des Nordens. Neue und stilvoll modernisierte Hotels bieten Erholung und Weitblick – für alle, die der Hitze entkommen und den Sommer von seiner stillen Seite erleben möchten.

Revitalisiertes Jugendstil-Juwel:

#1  Grand Hotel Belvedere, Wengen (Berner Oberland)

Die französische Hotelgruppe Beaumier, bekannt für ihre designorientierten Boutiquehotels in den französischen Alpen und in der Provence, hat im vergangenen Winter ihr erstes Haus in der Schweiz eröffnet. Das Grand Hotel Belvedere, ein Jugendstilgebäude aus dem Jahr 1904, wurde umfassend renoviert und um einen modernen Spa-Bereich mit Aussen-Infinity-Pool ergänzt. Mit Sichtbeton und markanten Linien setzt dieser einen avantgardistischen Kontrast zum traditionellen, autofreien Bergdorf. Zwei Restaurants sorgen für kulinarische Abwechslung. Die 90 Zimmer, verteilt auf das «Belvedere» und den benachbarten, nicht direkt verbundenen «Waldrand»-Trakt (vormals das Hotel Wengener Hof) präsentieren sich eher puristisch, aber mit atemberaubenden Ausblicken auf das Jungfrau-Massiv und das Lauterbrunnental. Noch ist nicht alles fertig, und einige Serviceabläufe müssen sich erst einspielen. Doch man wünscht dem Haus Glück – denn hierher möchte man zurückkehren.

 

Das neue Gesicht von Mürren:

#2  Mürren Palace, Mürren (Berner Oberland)

Die Kombination aus Abgeschiedenheit, spektakulärer Natur und nostalgischem Charme macht Mürren zu einem unvergleichlichen Reiseziel. Hier scheint die Zeit langsamer zu vergehen, was mit der exponierten, für Autos nicht zugänglichen Lage auf einer Sonnenterrasse in 1650 Metern Höhe über dem Lauterbrunnental zu tun hat. Die kürzlich erneuerte Schilthornbahn ab Stechelberg, die als direkter Zubringer nach Mürren dient, wirkt zwar futuristisch, doch schon nach wenigen Schritten durch das traditionsreiche Dorf fühlt man sich in eine andere Epoche zurückversetzt. Lange mangelte es Mürren an einem Hotel, das zeitgemässen Ansprüchen entsprach. Dies änderte sich Anfang 2025 mit der umfassenden Modernisierung und Erweiterung des Mürren Palace. Das Viersternehaus vereint heute elegantes Retro-Design mit heutigem Komfort in den 49 Zimmern und bietet eine entspannte Atmosphäre. Besonders der denkmalgeschützte Jugendstilsaal, der sowohl als Restaurant wie auch als «Wohnzimmer» dient, hat sich rasch zum neuen Hotspot des Orts entwickelt.

 

Luxuriöses Understatement und viel Privatsphäre:

#3  BelArosa Chalet, Arosa (Graubünden)

Das im Dezember 2024 eröffnete BelArosa Chalet ist weder ein Hotel im herkömmlichen Sinn noch ein typisches Chalet – sondern vielmehr ein exklusiver Rückzugsort für Individualisten. Es gibt nur zehn Suiten, doch diese haben es in sich: Sie sind zwischen 95 und 210 Quadratmeter gross und vermitteln ein Chalet-artiges Wohn- und Wohlgefühl mit viel Holz und liebevollen Details. Jede Suite verfügt über einen Kamin und eine Sauna; fünf Suiten bieten zusätzlich einen privaten Infinity-Pool. Das Frühstück – ein individuell abgestimmtes «Tischlein-deck-dich»-Erlebnis – wird zur gewünschten Zeit direkt in die Suite serviert. Für Mittag- oder Abendessen stehen auf Wunsch sogenannte «Food Hamper» bereit – Körbe mit sorgfältig vorbereiteten Zutaten und lokalen Delikatessen, die man in der eigenen Hightech-Küche nur noch erwärmen oder finalisieren braucht. Man fühlt sich wie in einem perfekt ausgestatteten zweiten Zuhause – ohne sich um Einkaufen oder Haushalt kümmern zu müssen. Geleitet wird dieses alpine Hideaway im Ortszentrum von Arosa von Meike-Cathérine Bambach. Angesprochen werden Reisende, die das «Sehen und Gesehenwerden» in klassischen Luxushotels lieber meiden, aber gerne persönlich umsorgt und verwöhnt werden.

 

Design trifft Schwarzwald:

#4  Luisenhöhe, Horben bei Freiburg (Schwarzwald)

Hoch über Freiburg im Breisgau, zu Füssen des Ausflugsbergs Schauinsland, wurde die vor hundert Jahren gegründete und später in Vergessenheit geratene Luisenhöhe zu neuem Leben erweckt – respektive von Grund auf neu erbaut. Die Wahl der Architekten, Designer und Landschaftsgestalter zeugt von Fingerspitzengefühl. Das U-förmig geschwunge Gebäude wurde um bestehende Bäume herum geplant und fügt sich mit seiner vierstöckigen Glas- und Schindelfassade sowie dem gestuften Innenhofgarten samt Aussenpool nahtlos in die Natur ein. Es scheint fast aus ihr herauszuwachsen – und erfüllt hohe Standards nachhaltiger Bewirtschaftung. Klare Linien, natürliche Materialien und viel Tageslicht prägen das Interieur. Die 83 Zimmer sind trendbewusst heimelig und bieten weite Ausblicke auf den Schwarzwald oder die Rheinebene bis zu den Vogesen. Wer sich vom Alltag erschöpft fühlt, findet hier einen Ort der Ruhe und Regeneration. Wellness mit gesundheitlichem Nutzen steht im Mittelpunkt des Spa-Angebots, doch auch kulinarisch überzeugt das Haus – immerhin ist die Region ein Schlaraffenland für Genussmenschen, einschliesslich der badischen Weine.

 

Weniger ist mehr:

#5  Chiemgauhof Lakeside Retreat, Chiemsee (Oberbayern)

Der Chiemgauhof ist der angesagte Neuzugang am nördlichen Rand der Bayerischen Alpen. Das holzgeprägte, an eine moderne Scheune erinnernde Design-Domizil trägt die Handschrift des Mailänder Architekten Matteo Thun – unprätentiös elegant und gestalterisch so konsequent wie selten in Süddeutschland. Die 28 Suiten sind frei von lauten Signalen und bieten alles, was man braucht, aber nichts Unsinniges darüber hinaus. Das Hotel liegt in einem Garten direkt am Ufer des idyllischen Chiemsees. An warmen Sommertagen herrscht rund ums Haus reger Ausflugs- und Badetrubel, doch bis zum späten Vormittag gehört der Ort allein den Übernachtungsgästen. Nachmittags öffnet sich das Anwesen: Restaurant und Lakeside-Bar empfangen auch externe Besucher. Kritiker bemängeln das stete Kommen und Gehen – doch statt abgehobener Exklusivität wollte Eigentümer Dieter Müller, Gründer der Hotelkette Motel One und Inhaber des nahegelegenen Golfresorts Das Achental, bewusst eine gewisse Lebendigkeit ins Haus bringen. «Wir wollten keinen goldenen Käfig kreieren», sagt er. Wer Ruhe sucht, zieht sich in den kleinen Wellnessbereich mit Aussenpool oder auf seine private Terrasse zurück.

 

Filmreife Location:

#6  Rosewood Schloss Fuschl, Fuschlsee (Salzkammergut)

Seit fast 600 Jahren prägt Schloss Fuschl das Bild der Region Salzkammergut am Rand der österreichischen Alpen. Die imposante Anlage, die auf einer malerischen Halbinsel am Ufer des Fuschlsees thront, war in den 1950er-Jahren Schauplatz der berühmten «Sissi»-Filmtrilogie mit Romy Scheider. Ein kleines Museum erinnert an diese Zeit. Nun wurde die ehemalige Sommerresidenz der Erzbischöfe von Salzburg samt freistehenden Chalets aufwendig renoviert und unter die Leitung der in Hongkong ansässigen Luxushotelgruppe Rosewood gestellt. Dies verleiht dem Ort eine internationale Atmosphäre – viele verschiedene Sprachen hallen durch die Luft, und auch mit den meisten Mitarbeitenden spricht man am besten gleich Englisch. Im Sommer lockt das langgestreckte Sonnendeck direkt am Wasser, während an weniger sonnigen Tagen das wunderschöne Spa mit Innen- und Aussenpool zum Entspannen einlädt. Die Küche in den beiden Restaurants setzt vorwiegend auf heimische Zutaten, und die 92 Zimmer sind so gemütlich, dass man sie am liebsten gar nicht mehr verlassen mag. Wer doch etwas unternehmen will, wandert in etwa drei Stunden rund um den See oder macht einen Ausflug ins 25 Kilometer entfernte Salzburg.

 

Wellbeing mit Aussicht:

#7  Lefay Resort Lago di Garda, Gargnano (Gardasee)

Manchmal muss man hoch hinaus, um wirklich tief zu entspannen. Wer sich in spektakulärer Natur verlieren will, um zu sich selbst zurückzufinden, ist im Lefay Resort Lago di Garda genau richtig. Auf 400 Höhenmetern über dem See – fernab vom Trubel der quirligen «Riviera dei Limoni» – erlebt man hier genussvolle Entschleunigung. Hotel, Garten, Spa und Ausblick verschmelzen zu einem stimmigen Ganzen. Schon nach zwanzig Minuten in einem der riesigen Infinity-Pools schmilzt selbst der hartnäckigste Alltagsstress dahin. Auch das Interieur überzeugt: Die kürzlich aufgefrischten Juniorsuiten und Suiten strahlen in hellen Farben und laden zum Verweilen ein. Kulinarisch erwarten die Gäste zwei Restaurants mit leichten, mediterran inspirierten Menüs. Das Wellness- und Therapieangebot reicht von vierhändigen Massagen über Kryotherapie bis hin zu sanfter, nichtinvasiver Schönheitsmedizin. Besonders hervorzuheben: die Akupunktur-Behandlungen: Selbst skeptische Nadel-Phobiker fühlen sich bei den einfühlsamen Therapeuten in besten Händen. Und nicht zuletzt: die Landschaft. Die nordwestliche Gardasee-Küste, die zum südlichen Alpenraum zählt, ist ein Wanderparadies – und allein schon pure Wellness.

 

Frische Brise statt Hitzewelle in Skåne:

#8  Maryhill Estate, Glumslöv (Schweden)

Während in weiten Teilen Europas die Temperaturen dramatisch steigen, bietet die südschwedische Region Skåne eine wohltuende Alternative: Mit angenehmen Höchstwerten zwischen 20 und 24 °C sowie Wassertemperaturen im Öresund – der Meerenge zwischen Schweden und Dänemark – von 17 bis 20 °C herrscht hier ein erfrischendes Klima für Erholungssuchende. Seit Herbst 2024 bereichert das Maryhill Estate die skandinavische Hotellerie. Eingebettet in eine sanfte Hügel- und Agrarlandschaft mit Blick aufs Meer lädt das zuvor privat genutzte Anwesen zum Loslassen und Krafttanken ein – 30 Autominuten von Malmö und rund eine Stunde von Kopenhagen entfernt. Die Anlage umfasst zwei Gebäude: das historische, schlossartige «Hill House» mit Restaurant und einzigartigem Nachtclub sowie der moderne Hoteltrakt mit 163 Zimmern und grosszügigem Spa-Bereich. Gästen stehen zudem vier Pools, Tennis- und Padelplätze sowie die kulinarische Aussenstation «Ålabodarnas Hamnkrog» direkt am Ufer zur Verfügung.

 

Inselidyll vor den Toren Stockholms:

#9  Season Hotel, Ekerö (Schweden)

Lange hat Jan Björklund auf seinen Traum hingearbeitet – nun ist er Wirklichkeit. Gemeinsam mit seiner Tochter und zwei befreundeten Familien hat er einer stillgelegten Werft im Hafen von Jungfrusund auf der Insel Ekerö neues Leben eingehaucht. Entstanden ist das Season Hotel – eine Oase der Gelassenheit, inspiriert vom zeitlosen Charme Cape Cods und geprägt von der schlichten Eleganz skandinavischen Designs. Das Boutiquehotel beherbergt 37 Zimmer, ein Spa mit Pool und verschiedenen Saunen sowie eine Rooftop-Bar mit weitem Blick über den Mälaren-See. In der hauseigenen Brasserie kommen regionale Produkte in kreativ-bodenständigen Kompositionen auf den Teller – sehr zur Freude auch der Einheimischen. Bald wird Kunst das Angebot erweitern, und die benachbarte Mikrobrauerei lädt schon jetzt zu geführten Verkostungen frisch gebrauter Bierspezialitäten ein. Kaum angekommen, spürt man: Hier wird jeder Gast als Teil der erweiterten Familie willkommen geheissen – zu überschaubaren Preisen. Und das Beste: In nur fünfzehn Minuten ist man mit dem Wassertaxi im Zentrum Stockholms.

 

Rückzug auf Skandinavisch:

#10  Landet Stay, Södermanland (Schweden)

Cabins – in Schweden oft «Stugas» genannt – sind ein fester Bestandteil des skandinavischen Lebensstils: Rückzugsorte inmitten der Natur, meist schlicht, mit smart genutztem Raum und einem ausgeprägten Sinn für Gemütlichkeit. Ein besonders schönes Beispiel sind die sieben Cabins von Landet Stay, unweit des Küstenstädtchens Trosa in Södermanland, südwestlich von Stockholm. Jede misst 40 Quadratmeter und bietet Platz für zwei bis vier Gäste. Durch bodentiefe Fenster blickt man auf das umliegende Naturschutzgebiet. Die fliessenden Übergänge zwischen Innen und Aussen, der Mix aus Geborgenheit und minimalistischer Architektur – das gibt es auch anderswo, aber selten so stimmig wie hier. Zur Ausstattung gehören moderne Technik, ein Kamin sowie eine voll ausgestattete Küche, die auf Wunsch mit regionalen Lebensmitteln bestückt wird – es sei denn, man nutzt das kulinarische Angebot von Trosa. Fahrräder, zwei Saunas, Kajaks und Paddle-Boards stehen bereit, und regelmässig finden Yoga- und Meditationskurse, Angel- und Bootsausflüge statt. Die Gastgeber Umberto Garabello und Ted Wachtmeister haben einen Sehnsuchtsort für Menschen erschaffen, die für ein paar Tage stilvoll Reissaus nehmen möchten.

 

Outdoor-Aktivitäten und Mitternachtssonne am Tor der Lofoten:

#11  Wood Hotel Bodø, Nordland (Norwegen)

Die Erderwärmung spielt dem hohen Norden Europas in die Karten: Sommerreisen nach Norwegen verzeichnen wachsenden Zuspruch – besonders bei Natur-Enthusiasten, die in ihren Ferien nicht nur am Strand liegen, sondern aktiv unterwegs sein möchten: beim Wandern, Biken oder beim Erleben der Mitternachtssonne. Dieses Naturphänomen ist in den Sommermonaten oberhalb des Polarkreises, also ab Bodø nordwärts, zu bestaunen. Doch auch südlich davon bleibt es in den sogenannten «weissen Nächten» nahezu durchgehend hell – es wird nie ganz dunkel. Ein neues Highlight in der Region Nordland ist das Wood Hotel Bodø, das im Mai 2024 eröffnet wurde. Hoch über dem Küstenstädtchen Bodø thront es auf dem Aussichtshügel Rønvikfjellet und fügt sich mit markanter Holzarchitektur harmonisch in die Landschaft ein. Die 175 funktional gestalteten Zimmer aus natürlichen Materialien Zimmer messen zwischen 17 und 79 Quadratmeter. Ein Blickfang ist das Rooftop-Spa mit Aussenpool. Im siebten Stock serviert das Restaurant ATTME unter Leitung des aus Bodø stammenden Spitzenkochs Christian André Pettersen eine Küche, die traditionelle regionale Aromen mit modernen Techniken und kreativer Präsentation vereint – begleitet von einem grandiosen Panorama auf Lofotenwand, Meer und die Insel Landegode.

 

Das Einfache auf höchstem Niveau:

#12 Eriro Alpine Hide, Ehrwald (Tirol)

Wer der sommerlichen Hitze entfliehen möchte, sucht Zuflucht in den Bergen – je höher, desto besser. Seit dem vergangenen Sommer bereichert das Eriro die Tiroler Hotellandschaft: Hoch über dem Ferienort Ehrwald, auf 1550 Metern über dem Meeresspiegel, am Fusse der Zugspitze. Es stillt die Sehnsucht nach dem Einfachen und Echten – auf höchstem Niveau. Die Innenarchitektur mit viel unbehandeltem Altholz und modernen Designelementen verzichtet auf Tirol-Klischees und spiegelt die raue Eleganz der umliegenden Alpen. Die neun Suiten – ausschliesslich für Erwachsene – sind frei von jeglichem Hoteldurcheinander. Statt Fernsehern bieten bodentiefe Fenster weite Ausblicke in unberührte Natur. Das Tempo ist langsamer, die Sterne am Nachthimmel scheinen hier heller als anderswo. Ist die letzte Gondel ins Tal gefahren, bleibt man hier oben ganz unter sich. Im All-Inclusive-Angebot enthalten: Workshops in traditionellem Handwerk, Naturexkursionen, Yoga und Meditation sowie alle Speisen und Getränke. Die regionale Küche aus 100% lokalen Zutaten ist so raffiniert, dass niemand Avocados oder Meeresfisch vermisst. Nur der Wein stammt aus einem grösseren europäischen Umkreis.

Selektion & Text: Claus Schweitzer

Publiziert am 1. Juli 2025