Von Osterbilbiess und begrabenen Heringen: Osterbräuche rund um die Welt

In Australien hat der Osterhase einen Konkurrenten, in Irland begräbt man zum Fest Fische. Weltweit existieren die unterschiedlichsten Osterbräuche – manche kurios, manche jahrhundertealt. Wir stellen dir sechs besonders spannende Traditionen vor.

Weltweit existieren die unterschiedlichsten Osterbräuche. Manche sind kurios, andere jahrhundertealt. In der Schweiz kennen wir das Tütschen von Eiern oder das Verstecken von Osternestern. Aber wusstest du, dass es in anderen Ländern Bräuche gibt, die noch verrückter oder spektakulärer sind? Wir stellen dir sechs besonders spannende Traditionen vor, die beweisen: Ostern kann richtig abenteuerlich sein.

 

#1 Bulgarien: Mehr als Eiertütschen

Etwas ähnliches wie das Schweizer Eiertütschen wird auch in Bulgarien gemacht. Auch hier werden die Eier gekocht und gefärbt – meist mit Randen, Blaubeeren oder Kornblumen. Die fertigen Eier nehmen die Bulgar:innen mit zur Messe am Ostersonntag. Sobald diese beendet ist, beginnt die Schlacht. Die Eier werden gegen die Kirchenmauern oder auch auf Familienmitglieder geworfen. Das Ganze geschieht nicht ohne Grund: Glücklich schätzen darf sich nicht diejenige Person, die kein Ei abbekommt, sondern vielmehr derjenige, dessen Ei beim Aufprall nicht zu Bruch geht. Der Preis für ein unversehrtes Ei? Ein Jahr voller Erfolg. So sagt es zumindest der Brauch. 

 

#2 Irland: Hier liegt der Fisch begraben 

Ein Begräbnis für einen Fisch klingt erstmal kurios. In Irland ist dies jedoch zur Osterzeit gang und gäbe. Eine mögliche Erklärung für das Heringsbegräbnis ist jedoch schnell gefunden. Zu Ostern endet die Fastenzeit der Christen. Währenddessen gibt es kein Fleisch, höchstens Fisch. Es ist eine Zeit, die vor allem früher, für Metzger nicht einfach gewesen sein dürfte, schliesslich brachen ihre Umsätze ein. Ist Ostern da, kommt wieder Fleisch auf den Tisch. Darüber ist die Freude bei manchen Irinnen und Iren so gross, dass der Hering zu Grabe getragen wird. Organisiert wird dies meist von lokalen Metzgern, die auf das Ende der Fastenzeit hin gefiebert haben dürften. 

 

#3 Dänemark: Rätselbriefe und Schokolade 

Die dänischen Ostertraditionen sind nicht weit von den unseren entfernt. Schokoladeneier und Ostereier sind ein Muss. Doch im Gegensatz zur Schweiz können sich die jungen Däninnen und Dänen auch Schokolade «dazuverdienen». Das funktioniert wie folgt: Vor Ostern basteln sie hübsche Karten und Scherenschnitte, in die sie Gedichte schreiben. Statt mit ihrem Namen unterschreiben die Kinder nur mit Punkten. Den Namen des Absenders muss später vom Empfänger erraten werden. Weiss der Erwachsene nicht, von wem er den Brief erhalten hat, «muss» er mit Schokoladeneiern bezahlen. Errät der Briefschreiber, von wem er die Nachricht erhalten hat, erhält er ein Osterei.

 

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#4 Polen: der nasse Montag

In Polen wird es am Ostermontag nass.  Śmigus-dyngus wird die beliebte Ostertradition genannt. Dabei feiern die Polinnen und Polen mit jeder Menge Wasser. Egal, ob mit einer Spritzpistole oder direkt mit dem Wassereimer: Am Ostermontag wird jeder nass. Theorien über den Ursprung des Brauchtums gibt es einige. So etwa, dass junge Männer ihre Zuneigung für ihre Angebeteten ausdrücken oder dass das Wasser Menschen von Schmutz, Krankheiten und Sünden freiwaschen soll. Eine weitere Theorie spricht von mehr Fruchtbarkeit für die Durchnässten. So oder so ist es von Vorteil, am Ostermontag in Polen mit wasserfester Kleidung unterwegs zu sein. 

 

#5 Schweden: Die Osterhexen kommen vorbei 

In Schweden sorgt ein Brauchtum vor allem bei Kindern für Freude. Am Gründonnerstag und Ostersamstag sind die Osterhexen oder Ostermännlein unterwegs. Die Mädchen ziehen dabei bunte und gemusterte Kopftücher und lange Röcke an. Die Jungen tragen Schlapphut und einen aufgemalten Bart. In der Nachbarschaft geht es dann von Tür zu Tür. Die Osterhexen und Ostermännlein wünschen den Erwachsenen frohe Ostern und übergeben selbstgemalte Bilder. Im Gegenzug erhalten sie Süssigkeiten und teilweise auch ein wenig Geld. Gemäss einem vorchristlichen Volksglauben treffen sich in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag die Osterhexen. Um sie wieder auf den Blåkulla zurückzutreiben, wird mit Feuerwerk ordentlich Lärm gemacht. 

 

#6 Australien: Keine Fans des Osterhasen

Hierzulande sind die Geschäfte zu Ostern voll mit Hasen. Ob aus Schokolade, Plüsch oder als herziges Bild; das fellige Tier mit den langen Ohren erfreut sich grosser Beliebtheit. Etwas, das man in Australien nur wenig verstehen kann. Dort gelten die Verwandten des Hasen, die Kaninchen, nämlich als Plage. Vor rund 150 Jahren setzten europäische Siedler:innen einige Tiere aus. Da sie aber kaum auf natürliche Fressfeinde trafen, vermehrten sich die Kaninchen wie verrückt: Heute gibt es in Australien mehr als 300 Millionen Tiere. Zum Vergleich: In Australien leben heute etwas mehr als 27 Millionen Menschen. Das sind rund elf Kaninchen pro Person. 

Die Folge dieser Plage: Die Langohren fressen alles kahl, sodass für viele einheimische Tierarten nichts mehr bleibt. Diese werden verdrängt und sind vom Aussterben bedroht. 

Davon betroffen ist auch der Bilby, ein kleines nachtaktives Beuteltier. Das Tier mit weichem Fell und der spitzen Nase hat sich bei den Australier:innen zu einem Ersatzosterhasen gemausert. Seit einigen Jahren findet sich in den Geschäften mehr Schokobilbys als -Hasen. Und das Beste ist: Ein Teil des Geldes, das mit den Osterbilbys verdient wird, geht in Projekte zum Schutz einheimischer Tierarten.