In der zweiten Ausgabe unserer Porträt-Serie sprechen wir mit Torhüterin Elvira Herzog und Torhütertrainerin Patricia Gsell. Ihren Weg ins Tor begann Elvira im Alter von zwölf Jahren, als ihre damalige Trainerin sie für diese Position empfahl. Diese Entscheidung hat sich für sie bewährt. Heute steht sie 25-Jährige sowohl für RB Leipzig in der deutschen Bundesliga als auch für die Schweizer Nati im Tor.
Patricia Gsell, 35 Jahre jung, ist seit April 2022 die erste professionelle Torhütertrainerin des SFV. Ihre Leidenschaft für den Fussball begann ebenfalls bereits in der Kindheit, als sie spontan auf dem Platz neben dem Haus ihrer Grosseltern ins Tor ging. Dieser Begeisterung ist sie bis heute treu geblieben.
«Elvira, welche Ausrüstungsgegenstände und persönlichen Dinge nimmst du auf Reisen mit der Nati mit?»
«Auf jeden Fall meine Torwarthandschuhe», sagt Elvira. Neben Handschuhen gehören für sie auch Schuhe und Schienbeinschoner zur festen Ausrüstung, die stets im Gepäck sind. Für den Rest nutzt sie eine genaue Packliste, mit der sie sicherstellt, nichts zu vergessen. Neben der Ausrüstung gehören auch persönliche Gegenstände wie ihr Nackenkissen, Kopfhörer und ein Buch dazu.
«Patricia, dein Gepäck als Torwarttrainerin unterscheidet sich sicher deutlich von dem der Spielerinnen. Welche besonderen Ausrüstungsgegenstände oder Geräte nimmst du mit?»
Neben Schuhen und Handschuhen gehört vor allem viel Technik dazu, erklärt Patricia. «Kameras, GoPro, iPad, Kabel und Ladegeräte – ich bin viel unterwegs und brauche das ständig.» Dazu packt sie spezielles Trainingszubehör ein: verschiedenfarbige Tennisbälle, um die Koordination und Reaktionsfähigkeit der Torhüterinnen zu trainieren, sowie einen «Goalireaktionstern» mit bunten Zacken für kognitive Übungen.
«Elvira, gibt es ein Ritual oder einen Gegenstand, der dir auf Reisen hilft, dich zu entspannen? »
«Ja, mein Kopfkissen», antwortet sie, ohne zu zögern. «Es lässt sich kompakt einrollen und riecht nach zuhause. Es hilft mir, überall gut zu schlafen. Für mich ist das essenziell.» Schmunzelnd fügt sie hinzu, dass so ein Kissen unter Goalies als kleiner Insider-Hack gelte.
Kleiner Streich gefällig? Was würden sich die beiden gegenseitig ins Gepäck legen, wenn sie sich einen Spass erlauben dürften?
Elvira hat sofort eine Idee: «Seit letzter Woche weiss ich, dass du Angst vor Schlangen hast, Patricia, also würde ich dir eine Gummischlange in den Koffer legen.»
Patricia kontert mit einem eigenen kleinen Streich. Sie würde Elvira einfach ein bisschen Zusatzgewicht ganz unten im Koffer verstecken, wo man es nicht erwartet, damit sie erst mal alles ausräumen muss. Kommt uns irgendwie bekannt vor, siehe Teil 1 unserer Serie mit Noemi Ivelj.
Im Spiel «Wer ist eher…?» lesen Elvira und Patricia Aussagen vor, auf die sie jeweils mit einem Schild reagieren, das den Namen der Person zeigt, auf die die Aussage am besten zutrifft.
Wer von ihnen packt strukturierter und hat die bessere Ordnung im Koffer? Elvira und Patricia sind sich uneinig. Elvira erklärt, wie wichtig es ihr ist, alles sorgfältig auszulegen, was viel Zeit braucht: «Ich packe alles in kleine Packbeutel und achte darauf, grössere Dinge wie Schuhe getrennt und übersichtlich zu verstauen.» Patricia stimmt zu: «Das mache ich auch so.» Am Ende steht ein Unentschieden. Beide packen sehr strukturiert – privat wie auch für ein Match. Elvira gibt aber zu, dass bei der Heimreise die Ordnung manchmal durcheinandergerät, wenn es schnell gehen muss.
Wer hat mehr Gewicht im Gepäck?
Patricia trägt mit Technik und Ausrüstung das schwere Gepäck, das oft über 20 Kilo wiegt. Fünf Necessaire erhöhren das Gewicht zusätzlich.
«Mein Gepäck wiegt schnell über 20 Kilos, wenn ich die ganze Ausrüstung und die Technik mitnehmen muss.»
Torhütertrainerin des SFV
Und wer vergisst eher mal etwas – und was wurde schon vergessen?
Beide lachen über ihre kleinen Pannen. Patricia habe einmal ihre GoPro vergessen, die sie für die Analyse der Torhüterin im Training brauche. Elvira erzählt, dass sie ihre Torwarthandschuhe einmal nicht eingepackt habe, da sie ihr erst noch hätten zugeschickt werden müssen. Diese seien jedoch erst auf den letzten Drücker angekommen.
«Welche emotionalen Höhepunkte haben euch in euerer Karriere besonders geprägt? »
Elvira erinnert sich besonders an ein Spiel im vergangenen Jahr im Letzigrund in Zürich. «Es war eines der ersten Spiele, bei dem mir klar wurde, dass ich die Nummer 1 der Nati sein werde», erzählt sie. Der Moment war sehr emotional. Nicht nur ihre Familie, sondern auch alle Freunde und Bekannten waren im Stadion.
Auch Patricia hat bereits prägende Erlebnisse in der Nati gesammelt. Besonders eindrücklich war für sie ein Auswärtsspiel gegen England. «Das Stadion war voll, obwohl es nur ein Testspiel war. Überall waren Fans mit Fähnchen und Porträts. Das war richtig gross aufgezogen», sagt sie. Elvira ergänzt: «Und als wir auf dem Platz standen und zur Hymne das Feuerwerk losging, wurde es richtig warm im Stadion. Auch für mich war das sehr emotional.»
«Elvira, welche mentalen Techniken helfen dir, auf Reisen und beim Spielen unter Druck fokussiert zu bleiben? »
Elvira erklärt, dass ihr vor allem bewusste Achtsamkeit dabei hilft, unter Druck fokussiert zu bleiben. In stressigen Momenten halte sie kurz inne und nehme bewusst ihre Umgebung wahr. Auf dem Platz sei es ihr wichtig, die Atmosphäre und die Energie zu geniessen, auch wenn der Druck hoch sei. Kleine Sinneseindrücke wie Wind oder Gerüche helfen ihr, präsent zu bleiben und sich daran zu erinnern, dass sie eigentlich den schönsten Job der Welt habe.
«Elvira und Patricia, freut ihr euch, dass ihr zur Heim-EM euer Equipment nicht ins Ausland transportieren müsst? »
Patricia erklärt, dass das Packen an sich zwar gleichbleibe, die vertraute Umgebung aber einen grossen Unterschied mache. «Man kennt die Stadien und die Umgebung, das ist ein tolles Gefühl. Es ist schön, wenn man auf der Fahrt zum Stadion alles wiedererkennt.» Elvira stimmt dem zu und fügt lachend hinzu: «Packstress werde ich trotzdem haben und meine Liste brauchen. Es ist zwar schade, dass wir dieses Jahr nicht mit SWISS durch Europa reisen, aber es ist einfach schön, in der Schweiz zu spielen. Die Euphorie im ganzen Land spürt man deutlich.» Patricia ergänzt: «Allein die Vorstellung, das Eröffnungsspiel in einem Schweizer Stadion zu bestreiten, verschafft mir Gänsehaut.»
Fernweh oder Heimatliebe? Welche Reiseziele träumen Elvira und Patricia an und welche Flugverbindungen vermissen sie?
Für Patricia steht fest: In den Ferien zieht es sie in die Ferne. «Ich liebe es, neue Orte zu entdecken, und ich hatte bereits das Glück, alle Kontinente bereisen zu können. Momentan fasziniert mich besonders Asien. Tokio steht ganz oben auf meiner Wunschliste», erzählt sie begeistert.
Anders sieht es bei Elvira aus. Seit ihrem Umzug nach Deutschland hat sie eine neue Wertschätzung für ihre Heimat gewonnen. Beim Wandern mit ihren Mitspielerinnen werde ihr immer wieder bewusst, wie einzigartig die Schweiz sei. Deshalb sei es für sie etwas ganz Besonderes, Ferien in der Schweiz zu verbringen. Das Fernweh bleibt dennoch: Kenia und Tansania möchte sie gerne erneut bereisen, und auch Indien stehe ganz oben auf ihrer Liste. Für die Zeit nach der Karriere träumt sie sogar von einer Weltreise.
Ihr Wunsch für eine neue Flugverbindung? Kein Langstreckenflug, sondern ein Direktflug von Leipzig nach Zürich. «Das wäre mein Traum. So könnte ich auch für kurze Besuche öfter in die schöne Schweiz zurückkehren.»
Zum Schluss spielen wir eine kurze Runde «Dies oder Das: Reise-Edition».
• Handgepäck oder Aufgabegepäck? Patricia: Kommt ganz drauf an. Für Kurzstrecken versuche ich alles ins Handgepäck zu packen. Bei längeren Reisen kommt aber definitiv der grosse Koffer mit.
• Fensterplatz oder Gangplatz? Elvira: Bei langen Flügen lieber am Gang, das ist bequemer für die Beine. Den Blick aus dem Fenster beim Start oder bei der Landung liebe ich aber auch.
• Süss oder salzig? Beide im Chor: Salzig! – und Elvira fügt an: Aber die SWISS Schokolade ist natürlich trotzdem Pflicht.
• Tee oder Kaffee? Patricia entscheidet sich für Tee, Elvira ebenso. Ausserhalb des Fliegers trinken sie aber auch gerne mal einen Kaffee.
• Tomatensaft oder Champagner? Patricia: Ich habe beim letzten Flug zum ersten Mal Tomatensaft probiert – überraschend gut! Den nehme ich wieder.
Zum Abschluss erhalten Patricia und Elvira jeweils ein kleines Geschenk für die EM. Patricia freut sich über eine exklusive Tee-Auswahl, Elvira über die klassische SWISS-Schokolade und einen Kaffeebecher mit Flugzeugmotiv. Die Vorfreude auf die EM wächst. Wir wünschen den beiden viel Erfolg und drücken fest die Daumen. Hopp Schwiz!
Wenn dir der Artikel gefallen hat, bleib dran. In der nächsten und letzten Ausgabe unserer Serie stellen wir dir die Angreiferin Alayah Pilgrim vor.