Die Kunst hinter unserem Signature Cocktail SWISS Alpine Essence: Im Gespräch mit Bartenderin Sarah Madritsch

An einem geschäftigen Freitagnachmittag in der Zürcher Altstadt öffnen wir die Türen des mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants IGNIV by Andreas Caminada. Das ruhige, zurückhaltende Interieur bildet einen wohltuenden Kontrast zum lebhaften Treiben vor der Tür. Im Mittelpunkt des Raums steht die Bar und dahinter empfängt uns mit einem herzlichen Lächeln Sarah Madritsch, Gastrounternehmerin und mehrfach ausgezeichnete Bartenderin. Sie hat unseren Signature Cocktail SWISS Alpine Essence kreiert, der seit mehr als einem Jahr an Bord unserer Flüge serviert wird.

Für Sarah ging es bei der Entwicklung des Cocktails um weit mehr als die Kombination verschiedener Aromen. Die Herausforderung bestand darin, einen Drink zu schaffen, der Schweizer Identität verkörpert, gleichzeitig ein internationales Publikum anspricht und zudem den besonderen Anforderungen des Airline-Umfelds gerecht wird

Wir haben mit ihr über ihren Weg hinter die Bar gesprochen, über die Rolle von Frauen in der Branche, ihren kreativen Ansatz und den Entwicklungsprozess von SWISS Alpine Essence.

SWISS: Wie bist du ursprünglich in die Welt der Cocktails gekommen?
Sarah:
 Meine Karriere in der Gastronomie begann 2016 in meiner Heimatstadt Bangkok, wo ich im Service eines Rooftop-Restaurants gearbeitet habe. Allerdings hatte ich nie das Gefühl, dass diese Rolle wirklich zu mir passt. Das Restaurant verfügte jedoch über eine grossartige Bar, und ich wollte unbedingt dort arbeiten. Als ich den Manager darauf ansprach, wurde mir gesagt, dass Bartending kein geeigneter Beruf für Frauen sei. Daraufhin habe ich gekündigt, da mich diese Aussage sehr enttäuscht hat - gleichzeitig hat sie mich aber auch motiviert und mein Ehrgeiz war geweckt.

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Sarah Madritsch, preisgekrönte Bartenderin und Schöpferin des SWISS Signature Cocktails «SWISS Alpine Essence» vor dem mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Fine-Dining-Restaurant IGNIV Zürich von Andreas Caminada.

Da ich mich allein durchs Zuschauen in die Kunst des Mixens verliebt hatte, wollte ich mehr über die Welt der Cocktails lernen. Noch im selben Jahr wurde ich Teil des Eröffnungsteams einer aufstrebenden Rum-Bar in Bangkok, die sich auf lokale thailändische Zutaten und hochwertige Rums spezialisiert hatte. Dort lernte ich die Grundlagen des Bartendings. Später wurde die Bar sogar in die Liste der «Asia’s 50 Best Bars» aufgenommen..

2019 zog ich mit meiner Familie von Thailand in die Schweiz. Da mein Vater in Zürich aufgewachsen ist, wollte ich meine Schweizer Wurzeln besser kennenlernen. Hier begann ich in der Raygrodski Bar zu arbeiten, einer Institution der Zürcher Barszene. Dort eignete ich mir experimentellere, von der Küchenwelt inspirierte Techniken an. Ein Jahr später wechselte ich in die bekannte Widder Bar im Widder Hotel. Dort lernte ich die klassischen Grundlagen des Handwerks: Spirituosenkunde, klassische Cocktails und professionellen Barservice. Wieder ein Jahr später wurde ich 2021 vom Schweizer Fachmagazin Bar News für den «Besten Cocktail der Schweiz» ausgezeichnet.

2022 wechselte ich ins IGNIV, zunächst als Assistant Bar Manager, später als Chef de Bar. In dieser Zeit erhielt ich mehrere Auszeichnungen, darunter «Bartender of the Year» von Bar News sowie «Most Innovative Bartender» von Falstaff. Ausserdem entwickelte ich gemeinsam mit dem Team die preisgekrönte Barkarte des Hauses. Kurz gesagt: So fand ich meinen Weg in die Schweizer Barszene (lacht). 

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Mitten in der Zürcher Altstadt gelegen, serviert das Restaurant IGNIV kreative, moderne Haute Cuisine, die bewusst zum Teilen am Tisch konzipiert ist.

Du hast gerade die Rolle der Frauen hinter der Bar angesprochen. Hat sich seit deinem Einstieg etwas verändert?
Die Erfahrung, von der ich vorhin erzählt habe, dass Bartending kein Beruf für Frauen sei, war damals leider nichts Ungewöhnliches. 2022 wurde ich dann eine der ersten Frauen hinter der Widder Bar. Für mich fühlte sich das wie ein wichtiger Schritt an. Ich konnte genauso hart und schnell arbeiten wie meine männlichen Kollegen, stellte jedoch fest, dass manche Gäste noch immer erwarteten, dass ein Mann ihren Drink zubereitet. Ich bin aber überzeugt, dass Veränderungen auch die Wahrnehmung verändern. Je mehr Frauen als Bartenderinnen arbeiten, desto selbstverständlicher wird ihre Präsenz in diesem Berufsfeld. Und je selbstverständlicher sie wird, desto grösser wird auch das Vertrauen in ihre Kompetenz.

«Wenn mein eigener Weg dazu beigetragen hat, anderen Türen zu öffnen, bedeutet mir das sehr viel.»

Ich habe die Frauen, mit denen ich gearbeitet habe, einschliesslich meiner Lernenden, immer dazu ermutigt, an Wettbewerben teilzunehmen und ihre Chancen zu nutzen. Heute gewinnen mehr Frauen Wettbewerbe und erhalten mehr Aufmerksamkeit in den Medien. Wenn mein eigener Weg und der anderer Bartenderinnen dazu beigetragen haben, neue Möglichkeiten für weitere Frauen zu schaffen, bedeutet mir das sehr viel.

2022 wurdest du als «Bartender of the Year» gekürt. Was bedeutete diese Auszeichnung für dich?
Die Nominierung folgte auf meinen Sieg beim Wettbewerb «Best Cocktail of the Year». Diese Anerkennung bedeutet mir persönlich sehr viel, denn zu Beginn meiner Karriere hatte ich nicht immer das Gefühl, ernst genommen zu werden. Der Titel «Bartender of the Year» war deshalb eine besondere Bestätigung, vor allem weil ich viel Zeit, Energie und Leidenschaft investiert hatte. Gleichzeitig war es mir wichtig, Frauen innerhalb der Branche sichtbar zu machen und zu zeigen, dass Erfolg in diesem Berufsfeld selbstverständlich auch für Frauen möglich ist.

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Bei den Swiss Bar Awards 2021 und 2022 gewann Sarah nicht nur die Auszeichnung für den «Best Cocktail of the Year», sondern wurde auch zur «Bartender of the Year» gekürt. Sie war die erste Frau seit vielen Jahren, die diesen Titel erhielt.

Darüber hinaus hat mir die Auszeichnung viele neue berufliche Möglichkeiten eröffnet. Sie hat mehr Aufmerksamkeit auf meine Arbeit und auf das IGNIV gelenkt, für Medieninteresse gesorgt und mir dabei geholfen, ein deutlich grösseres Netzwerk aufzubauen. Gäste kamen plötzlich gezielt ins IGNIV, um die Bar zu erleben, und nicht mehr nur wegen des Restaurants. Natürlich brachte das auch eine grössere Verantwortung mit sich. Wer eine solche Auszeichnung erhält, muss bestimmten Erwartungen und Qualitätsstandards gerecht werden. Aber rückblickend hat es sich absolut gelohnt.

Wie gehst du vor, wenn du einen neuen Cocktail kreierst? Hast du eine persönliche Philosophie?
Ich arbeite hauptsächlich mit natürlichen Zutaten, doch meine Inspiration stammt meist nicht allein aus der Welt der Spirituosen. Vieles entspringt der Kulinarik, dem Wein oder bestimmten Geschmackserlebnissen. Manchmal ist es eine Erinnerung an eine andere Bar oder ein besonderer Geschmack, den ich neu interpretieren möchte. Ausserdem arbeite ich gerne mit lokalen Zutaten und verbinde die intensivere, würzigere Aromatik, die ich in Thailand kennengelernt habe, mit dem, was in der Schweiz verfügbar ist. Allerdings in einer etwas feineren und zurückhaltenderen Form, als man sie aus der thailändischen Küche kennt.

«Ich lasse mich auch von den Techniken inspirieren, die ich bei den Köchen im IGNIV beobachtet habe.»

Mein Ziel sind Drinks mit einer klaren Struktur, bei denen jede einzelne Zutat erkennbar bleibt. Die Aromen sollen sich entweder harmonisch ergänzen oder bewusst kontrastieren, wie beispielsweise Wassermelone und Estragon. Dabei greife ich auch auf Techniken zurück, die ich von den Köchen im IGNIV gelernt habe: wie sie Zutaten behandeln und transformieren oder gezielt mit Texturen und Temperaturen arbeiten. Das Ziel ist meist, etwas Eigenständiges zu schaffen und nicht einfach einen Klassiker neu zu interpretieren. Deshalb ist Experimentieren ein zentraler Bestandteil meines kreativen Prozesses. 

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Von kulinarischer Inspiration zur flüssigen Kreation: Sarah entwickelt Cocktails, indem sie Aromen, Texturen und Düfte zu einem ganzheitlichen Erlebnis verbindet.

Wie läuft der Prozess ab, wenn du einen neuen Drink entwickelst?
Meistens habe ich zunächst eine Vorstellung davon, welche Art von Drink entstehen soll: long- oder shortdrink, süss oder sauer, trocken oder prickelnd. Ich habe bereits ein bestimmtes Aromaprofil und eine geschmackliche Balance im Kopf. Anschliessend wähle ich die Spirituose aus, je nachdem, welche Aromen und welchen Körper sie mitbringt und wie gut sie mit den anderen Zutaten harmoniert. Besonders gerne übersetze ich feste Gerichte ins Flüssige. So habe ich beispielsweise einmal einen Drink kreiert, der von Ceviche inspiriert war, mit Rhabarber, Aquavit und Tomate.

Danach beginnt die eigentliche Entwicklungsarbeit: Zutaten zusammentragen, Kombinationen ausprobieren, die Balance verfeinern und die passende Textur finden. Soll der Drink seidig sein, prickelnd oder von einer markanten Säure geprägt? Auch die Optik spielt eine wichtige Rolle. Das Glas, das Eis und die Garnitur tragen alle zum Gesamteindruck und zur Aromawahrnehmung bei. Es ist ein ganzheitlicher Prozess, der Zeit braucht. Oft arbeite ich gleichzeitig an mehreren Cocktails..

Wie kam die Zusammenarbeit mit SWISS zustande?
SWISSS trat 2023 erstmals an mich heran. Ende Juli 2025 wurde der Drink dann an Bord eingeführt. Mehrere Bartenderinnen, Bartender und Bars nahmen am Auswahlverfahren teil, und ich hatte sechs Wochen Zeit, mich auf die erste Degustation mit dem SWISS Team vorzubereiten. Ich war nervös, weil ich sehr ehrgeizig bin und natürlich gewinnen wollte (lacht). Gleichzeitig war der gesamte Prozess sehr angenehm und wertschätzend. Deshalb fühlte ich mich schnell wohl dabei, mein Konzept und den Drink zu präsentieren.

Nach einer ersten Feedbackrunde überarbeitete ich die Rezeptur für die zweite Auswahlphase. Angesichts der Vielfalt der Gäste an Bord musste der Cocktail zugänglicher werden, mit geringerem Alkoholgehalt und weniger Intensität als meine ursprüngliche Version.

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«Im Gegensatz zur Entwicklung eines Drinks für eine Bar gab es bei einem Cocktail für eine Airline gewisse Einschränkungen. Genau diese haben mich aber dazu gebracht, anders zu denken.» – Sarah Madritsch.

Was unterschied die Entwicklung eines Cocktails für eine Airline von der Kreation eines Drinks für eine Bar?
Viele Zutaten, die sich in einer Bar problemlos einsetzen lassen, kamen für einen Cocktail an Bord nicht infrage. Frische Frucht- und Gemüsesäfte beispielsweise verlieren schnell an Qualität oder oxidieren. Zudem mussten sämtliche Zutaten in grossen Mengen und unabhängig von saisonalen Schwankungen verfügbar sein.

SWISS hatte ausserdem klare Vorgaben definiert: Der Cocktail sollte raffiniert, aber leicht sein, Kräuternoten enthalten, unverkennbar schweizerisch wirken, die Marke widerspiegeln und das Potenzial haben, sich langfristig als Signature Drink zu etablieren.

Anfangs empfand ich diese Vorgaben durchaus als Einschränkung. Gleichzeitig haben sie mich aber dazu gebracht, neue Wege zu gehen und innerhalb eines Rahmens zu arbeiten, der sich deutlich von dem einer klassischen Bar unterscheidet. Letztlich kann man SWISS Alpine Essence als meine Interpretation eines weissen Negronis verstehen. Dafür verwende ich unter anderem trockenen weissen Wermut, Holunderblütensirup, Crème de Cacao, Zitrusnoten und Crème de Menthe.

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Sarah zusammen mit Alain Dudzik von SWISS Hospitality & Catering Management, der sie dabei unterstützte, den Cocktail an Bord von SWISS einzuführen.

Was bedeutet es für dich persönlich, dass deine Kreation an Bord von SWISS serviert wird?
Es ist eine grosse Ehre. So eine Gelegenheit bekommt man nicht alle Tage. Freundinnen, Freunde und Familienmitglieder schicken mir Fotos des Cocktails von ihren Flügen, und sogar Menschen, mit denen ich seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, haben sich bei mir gemeldet.

Es macht mich sehr glücklich zu sehen, dass meine Kreativität ein so breites Publikum erreicht. Zu wissen, dass mein Rezept von so vielen Gästen auf der ganzen Welt genossen wird, hat für mich eine besondere Bedeutung. Ausserdem schätze ich das SWISS Team sehr, das mich während des gesamten Projekts begleitet und unterstützt hat.

Information:
SWISS Alpine Essence an Bord
Der SWISS Signature Cocktail ist auf Langstreckenflügen in SWISS First, SWISS Business und mittlerweile auch in SWISS Premium Economy erhältlich.

Auf Europaflügen gehört der Cocktail in der SWISS Economy zur Getränkeauswahl von SWISS Saveurs und ist zudem Bestandteil der Getränkekarte in SWISS Business.