Paris für kleine und grosse Flaneure

Ob auf der Suche nach den besten Macarons, dem schönsten Strassencafé oder beim Entdecken von Streetart: Wer mit Kindern losspaziert, nimmt das Pariser Leben ganz automatisch mit und entdeckt mit unseren Tipps die Stadt hautnah.

Paris ist eine Weltstadt, die sich in ihren Vierteln den gemütlichen Charme kleiner Dörfer bewahrt hat. Zwischen Boulangerien, Vintage-Läden, Museen, Flohmärkten und der Seine pulsiert das Leben wo sich Einheimische, Studierende und Reisende ganz ungezwungen mischen. Zum typischen Pariser Stadtbild gehören neben gut gekleideten Menschen auch urbane Graffiti, feiner Parfumduft und erstaunlich viele grüne Oasen. Nicht nur der Eiffelturm, der Louvre oder der Arc de Triomphe prägen diese Kulisse, sondern auch die vielen historischen Brücken über die Seine und die lebendigen Strassencafés. Paris ist inspirierend, aber im Alltag nicht unbedingt auf Kinder eingestellt. Ob mit Kinderwagen oder bereits gut zu Fuss: Wer sich auf Paris einlässt, darf sich von ihrer Vielfalt überraschen lassen.

Canal St Martin und die umliegende Gegend von oben.
Am Canal St Martin finden Familien abseits der Touristenströme Spielplätze oder auch etwas Ruhe. © Paris je t'aime

Viertel zum Flanieren
Das Marais gehört zu den ältesten und schönsten Vierteln von Paris. Wer zum ersten Mal in der Stadt ist und durch dieses Quartier streift, bekommt schnell ein Gefühl dafür, was Paris so besonders macht. Viele Strassen sind mit Kopfstein gepflastert, und Cafés sowie inhabergeführte Läden liegen in versteckten Innenhöfen oder in historischen Stadthäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Dazu kommen Kunstgalerien, Modeboutiquen und jüdische Bäckereien. Das kulinarische Angebot reicht von alteingesessenen Lokalen bis zu bekannten Pâtisserien wie Pierre Hermé. Dort bietet sich eine gute Gelegenheit, Macarons zu probieren.

Mit Kindern lohnt sich ein Besuch im «Le Loir dans La Théière» in einer ehemaligen Druckerei. Der Name («Die Haselmaus in der Teekanne») spielt auf Alice im Wunderland an. Kein Wunder, dass die hausgemachten Kuchenstücke hier besonders gross sind. Ausserdem wird bodenständige Küche mit saisonalen Zutaten serviert. Wer aktuelle Wohnideen und besondere Mitbringsel sucht, wird im Merci Store am Boulevard Beaumarchais fündig. Tipp: Die hauseigenen Merci-Shirts gibt es für die ganze Familie. Der rote Fiat 500 in der Hofeinfahrt vor dem Laden ist so herzig, dass ein Erinnerungsfoto hier einfach Pflicht ist.

Schuhe, Bücher und Spielsachen im minimalistisch eingerichteten Pariser Kinderladen Centre Commenrcial Kids.
Der beliebte Pariser Kinderladen Centre Commercial Kids ist bekannt für nachhaltige Mode.

Spaziert man von dort aus weiter Richtung Canal St Martin und Place de la République, finden sich weitere Läden, die man nicht verpassen sollte. Der Centre Commercial Store ist kein klassisches Einkaufszentrum, sondern ein Concept Store mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Stil. Neben Mode, Schuhen und Magazinen für Erwachsene gibt es direkt um die Ecke den gleichnamigen Kids Store. Auch hier ist die Mischung aus Kindermode, Spielzeug, Büchern und Pflegeprodukten sorgfältig kuratiert und für Kinder bis etwa 10 Jahre geeignet. Gleich nebenan kombiniert Bonjour Jacob Laden, Galerie und Café, wo man Independent-Magazine, Vinyl und Kunst sowie Kaffee und Matcha findet.

Wann der Eiffelturm am schönsten glitzert

Natürlich gehört der Eiffelturm zu einem Parisbesuch dazu. Gerade mit Kindern muss man ihn aber nicht zwingend von oben gesehen haben. Ein Abendspaziergang zum Turm ist mindestens so eindrücklich, besonders wenn er zu funkeln beginnt. Nach Einbruch der Dunkelheit glitzert der Eiffelturm jeweils fünf Minuten lang zu Beginn jeder vollen Stunde; zuletzt kurz nach Mitternacht. Das Schauspiel mit 20'000 kleinen Lichtern ist kostenlos und dauert lange genug, um genügend Bilder davon zu machen. Einen anderen Blick auf den Turm und auf die Opéra Garnier bekommt man von der Dachterrasse der Galeries Lafayette. Bei Regen lässt sich das gut mit einem Bummel durch das historische Kaufhaus mit seiner prachtvollen, rund 43 Meter hohen Jugendstil-Glaskuppel verbinden.

Der Eiffelturm im sanften Abendlicht.
Mit seinen stolzen 330 Metern überragt der Eiffelturm die Dächer der Stadt. © Fabien Maurin

Kunst, die nicht nach Museum aussieht

Hinter fast jeder Strassenecke in Paris versteckt sich Kunst. Die bunten Pixel-Aliens aus Mosaiksteinen stammen vom Künstler Invader und kleben mal direkt neben Eingangstüren auf Augenhöhe, mal hoch oben an der Hausfassade. Nicht nur Kinder lieben es, nach den Figuren des Street-Art-Künstlers Ausschau zu halten. Wer die kostenlose App «Flash Invaders» nutzt, kann die entdeckten Figuren einfach mit dem Handy einscannen und sammelt damit Punkte. Nicht nur die Kunstwerke im Zentrum, auch die Fondation Louis Vuitton im Pariser Stadtwald Bois de Boulogne lohnt einen Ausflug.

Das von Frank Gehry entworfene Gebäude im Pariser Stadtwald sieht selbst wie eine riesige gläserne Skulptur aus. Für den Rundgang lädt man auch hier am besten die Museums-App für eine kostenlose Audiotour herunter. Vom 9. Oktober 2026 bis März 2027 ist hier die besondere Ausstellung «Gustave Fayet, collectionneur – créateur» zu sehen. Der Geheimtipp für Familien: Im Erdgeschoss des Museums gibt es einen Drehkreuz-Ausgang. Dieser führt direkt in den nostalgischen Vergnügungspark Jardin d'Acclimatation, Frankreichs ältesten Freizeitpark. Mit seinen 45 Attraktionen und Fahrgeschäften sorgt er für viel Action nach dem (stillen) Museumsbesuch.

Die zwölf gläsernen Segel der Fondation Louis Vuitton glitzern in der Sonne.
Architekt Frank Gehry entwarf für die Fondation Louis Vuitton zwölf gläserne Segel. © Iwan Baan Fondation Louis Vuitton 2014

Unterwegs satt werden

Paris bietet eine riesige Auswahl an Essen aus aller Welt. Mit Kindern wird der Stadtbummel so ganz automatisch zur köstlichen Entdeckungstour, denn der nächste leckere Zwischenstopp ist nie weit entfernt. Ein absoluter Hingucker im geschichtsträchtigen Viertel Saint-Germain-des-Prés ist das Maison Sauvage mit seiner (je nach Jahreszeit) üppig blühenden Pflanzen- und Blumenpracht am Haus. Es gibt Frühstück, Lunch und am Wochenende einen ausgiebigen Brunch. Wer klassische französische Küche ohne viel Schnickschnack mag, ist im Bouillon République, wo es traditionelle Gerichte zu vergleichsweise vernünftigen Preisen gibt, gut aufgehoben. Matcha-Fans sollten unbedingt im Umami Matcha Café vorbeischauen. Dort ist nicht nur der Tee grün, sondern vieles, was auf der Karte steht.

Für einen süssen Luxusmoment sorgt ein Besuch im traditionsreichen Angelina Paris im 1. Arrondissement. Wer die Warteschlange überstanden hat, fühlt sich bei einer heissen Schokolade und einem Stück Kuchen ein bisschen wie eine Prinzessin oder ein Prinz im eigenen Schloss. Sonntags zieht es Familien ins Casa Luca, ein italienisches Restaurant mit Blick auf den Arc de Triomphe. Während die Eltern in Ruhe den ausgiebigen Brunch geniessen, sind die Kinder bestens beschäftigt. Sie bereiten im «Atelier Petit Chef» Pizza, Pasta oder Süsses zu.

Die blumenverwachsene Aussenfassade des charmanten Maison Sauvage.
Mittlerweile gibt es das charmante Maison Sauvage an drei Standorten in der Stadt.

Familienfreundlich schlafen

Lebendig geht es im The People Paris im Marais zu: Das moderne Hostel verbindet geselligen Charme mit Hotelkomfort und bietet Familien private 4er- oder 8er-Zimmer mit eigenem Bad. Weitere Standorte gibt es in Nation, Bercy und Belleville. Dass sich stilvolles Pariser Flair und Familienfreundlichkeit nicht ausschliessen, beweist das Hotel Panache im trendigen 9. Arrondissement mit grosszügigen Zimmern für bis zu vier Personen. Den puren Luxus erleben Familien dagegen im Relais & Châteaux Saint James Paris im 16. Arrondissement: Das schlossartige Hotel punktet mit Familiensuiten, Villen, einem Babysitting-Service sowie einem beheizten Hallenbad als Krönung nach einem langen Tag in der Stadt.

Die schlichte, elegante Fassade des Relais & Châteaux Saint James.
Im Relais & Châteaux Saint James wohnt man in einem echten Schloss mitten in Paris.

Gut zu wissen: Trinkflaschen kann man an den rund 1200 öffentlichen Trinkwasserstellen immer wieder auffüllen. Mittlerweile gibt es sogar 17 dieser sogenannten «Fontaines pétillantes» (Sprudelwasserbrunnen), an denen gekühltes Wasser mit Kohlensäure kostenlos gezapft werden kann. Tickets für Museen und Ausstellungen reserviert man am besten online. Und wie überall, wo viele Menschen unterwegs sind, sollte man in der Metro und rund um die grossen Sehenswürdigkeiten gut auf Taschen und Wertsachen achten.

Öffentliche Verkehrsmittel: Metro, Busse, Tram und Züge: Für das Pariser Verkehrsnetz gibt es verschiedene Tages- und Mehrtagespässe. Wer nur gelegentlich fährt, nutzt digitale Einzeltickets, die einfach auf eine aufladbare Navigo Easy Card oder das Smartphone geladen werden. Kinder unter 4 Jahren fahren kostenlos, und von 4 bis unter 10 Jahren gibt es eine Ermässigung von 50 Prozent. Wichtig für Familien: Die meisten Metrostationen sind alt und nicht barrierefrei. Das Kinderwagentragen gehört oft dazu.

Text: Claudia Jucker

 

Titelbild: Alexander Kagan

 

Veröffentlicht am 12. Oktober 2026