Wo Achtsamkeit auf Lebensfreude trifft:
Einchecken im The Drake Hotel
Die Leuchtschrift in der Lobby des Drake Hotel macht gleich einmal das Mindset des Hauses klar: Respekt. Gegenüber Menschen. Gegenüber dem Land, auf dem wir nur Gast sind, gegenüber den First Nations, die hier waren, bevor alles andere kam. Mit anderen Worten: Es ist ein Ort, an dem sich open-minded people wohlfühlen und wo Achtsamkeit auf Lebensfreude trifft. Genauso wie die Lobby sind auch die Zimmer jeweils von Künster:innen inspiriert und gestaltet. Kunst und das Bewusstsein fürs Indigene begleiten einen durchs Haus. Ein weiteres Zeugnis davon ist auch der kleine Garten mit indigenenen Heilkräutern. Der Aufenthalt im The Drake Hotel bringt die vorherrschende Atmosphäre Torontos auf den Punkt. Hier lebt man mit-, nicht nebeneinander.
The Drake Hotel, 1150 Queen St W, Toronto, ON M6J 1J3
Preise ab ca. 250 CHF
553 m über allen Dingen
Der CN Tower
Wer in Toronto der vielen Wolkenkratzer wegen nicht immer nur nach oben schauen will, sondern auch mal runter, findet auf dem CN Tower, dem Wahrzeichen Torontos, die perfekte Gelegenheit dazu. Okay, hier handelt es sich natürlich um eine Touristenattraktion, und wie es solche halt einmal mit sich bringen, ziehen sie Touristen an. Du wirst auf dem CN Tower also nicht ganz alleine sein, auch nicht beim Anstehen fürs Ticket (übers Internet kannst du das aber bequem und ohne Warteschlangen in Kauf nehmen zu müssen online lösen). Festgehalten sei an dieser Stelle: Auch wenn der CN Tower wie gesagt ein Touristenmagnet ist, oben angekommen ist das WOW garantiert.
290 Bremner Blvd, Toronto, ON M5V 3L9
Wer nicht ganz so hoch hinaus aber trotzem die luftigen Höhen Torontos erleben will, dem seien die zahlreichen Rooftop-Restaurants und Bars empfohlen. Hier lassen sich atemberaubende Perspektiven mit Cheers- und Yummie-Momenten vereinen. Ein paar Empfehlungen folgen.
Genuss ganz oben
Aera Rooftop Drinking and Dining
Gerade an so heissen Tagen schätzt man, zumindest wer wie der Schreibende Klimaanlagen nicht besonders mag, ein frisches Lüftchen beim Essen und Trinken. Im Rooftop-Patio des Area kannst du das haben. Ein wenig Wind im Haar, den Blick Richtung Sonnenuntergang gerichtet, der Duft nach Gegrilltem in der Nase und fancy Cocktails auf dem Tisch. Im 38. Stock von The Well, einem neuen Einkaufszentrum, kommt fast ein wenig Café del Mar-Stimmung auf. Entspannter Sound und aufgestelltes Personal serviert coole Drinks und leckeres Essen. Alles ein wenig unprätentiöser als im angesagten und eleganten Aera-Restaurant eine Etage weiter unten, das nicht minder empfehlenswert ist.
8 Spadina Ave. #3800, Toronto, ON M5V 2H6
Es ist Sommer in Toronto – und wie! So beginnen wir den zweiten Tag dem Wetter entsprechend an einem Ort, wo die wenigsten Toronto-Besuchenden hinkommen. Das ist schade. Die meisten würden an solch einem heissen Tag, das Thermometer zeigt auf 36° Celcius, wahrscheinlich die Toronto Islands besuchen. Wir aber tun etwas anderes.
So geht Meer am Lake Ontario
The Beaches
Wer den etwas weiten Weg nach «The Beaches» auf sich nimmt, wird überrascht. Belohnt. Begeistert. Auch wenn es am Lake Ontario nicht nach Salzwasser riecht, hier draussen weiss man definitiv, wie oceanliving geht. Bestes Beispiel dafür sind Paul und Linda Livingstone, die wir bei unserem Spazierganz von der Mainstreet hinunter zu den Stränden auf ihrer bezaubernden Terrasse sitzend einfach mal so angesprochen haben, weil wir ihr schmuckes Haus fotografieren wollten. Seit 50 Jahren sind sie hier zuhause, haben vier Kinder grossgezogen und sind noch immer jeden Tag happy, hier, vor den Toren der Grossstadt in ihrem ganz eigenen Paradies zu leben. Kein Wunder, irgendwie habe ich fast die Vermutung, ich wüsste nun, wo das Glück zuhause ist.
Baywatch? Nein, Leuty Lifegard Station
Unten an den weiten Sandstränden der Kew-Balmy Beach, wähnt man sich dann tatsächlich nicht mehr in Toronto. Sandstrände, soweit das Auge reicht. Frauen, Männer, Pärchen, Familien mit Kindern und zahlreiche Schulklassen verteilen sich hier weit über die endlosen Strände. Und damit auch alle sicher sind, hat das «Baywatch»-Team der Leuty Lifeguard Station immer Augen und Ohren offen. Vom Deck des historischen Gebäudes am Kew-Balmy Beach beobachten sie das Treiben an den Stränden.
Anreise: Wer mit dem Auto hinfährt, findet am Kew Balmy Beach Parking Lot Parkplätze, aber sie sind begrenzt. Die bequemste Art, den Strand zu erreichen, ist die Strassenbahnlinie 501, die entlang der Queen Street fährt.
Vom Strand geht’s dann wieder zurück, mitten ins Shoppingherz Torontos. Oder besser gesagt, in eines von mehreren.
Wo Glamour auf Understatement trifft
Shopping in Yorkville
Einst ein Bohemian-Viertel mit rebellischem Geist, ist Yorkville heute eines der elegantesten Pflaster der Stadt. Zwischen Designerboutiquen, Galerien und Fünf-Sterne-Hotels flaniert man durch gepflegte Gassen, wo sich Luxus ganz lässig gibt. Wer in einem der Cafés Platz nimmt, sieht Menschen, die aussehen, als wären sie gerade einem Modemagazin entsprungen oder einem Business-Meeting entwischt. Doch Yorkville ist mehr als nur Glanz und Gloria: Im historischen Village of Yorkville trifft Upper Class auf Understatement, und in den kleinen Nebenstrassen verstecken sich unabhängige Labelswie das Veronica Beard. Kurz: Yorkville ist ein Ort, an dem Toronto zeigt, wie kosmopolitisch, kultiviert und überraschend es sein kann.
111 Yorkville Avenue, Suite 101
Von High-End-Fashion und Glamourbrands ist meine nächste Station dann fast so etwas wie ein Kulturschock. Oder ein Traum, je persönlicher Vorliebe halt.
Kurios, literarisch, einalig
The Monkey’s Paw
Wer Toronto besucht und Bücher liebt, sollte sich diesen fast etwas aus der Zeit gefallenen Ort nicht entgehen lassen: The Monkey’s Paw ist nicht einfach ein Antiquariat, sondern ein Kuriositätenkabinett für Printenthusiasten. Eine Schatztruhe für das Abseitige, das Skurrile und das Schöngeistige. Der kleine Laden im Westen der Stadt hat sich auf alte und ungewöhnliche Druckerzeugnisse spezialisiert, mit einem besonderen Augenmerk auf Bücher als Artefakt. Zwischen viktorianischen Schulbüchern, obskuren Atlanten und vergessenen Ratgebern findet man auch den legendären Biblio-Mat: ein umgebauter Automat, der auf Knopfdruck ein zufällig ausgewähltes altes Buch ausspuckt. Was man bekommt, bleibt dem Zufall überlassen und ist doch immer ein kleiner Schatz.
Der Besitzer, Stephen Fowler, hat mit The Monkey’s Paw einen Ort geschaffen, der sich jeder Systematik entzieht und gerade deshalb so inspirierend ist. Wer hier eintaucht, kann stundenlang stöbern und verlässt den Laden garantiert mit einem Buch, das man nie gesucht, aber plötzlich dringend gebraucht hat.
1067 Bloor St W, Toronto, ON M6H 1M5
Und dann: Ossington, ein absolutes Must in Toronto. Wenn es so etwas wie eine Strasse der entspannten Coolness gäbe, das wäre sie. Was du hier zu sehen bekommst, trifft nicht nur den Nerv der Zeit, sondern bestimmt auch deinen.
Für Männer mit Style
Lost & Found Menswear
Die Ossington Avenue bleibt eine der spannendsten Strassen Torontos. Hier hat sich der stylische Männermode-Laden Lost & Found etabliert, ein Ort für all jene, die sich jenseits von Mainstream und Massenware einkleiden wollen. Japanische Denimklassiker hängen neben minimalistischen Hemden aus Portland, handgefertigte Sneakers stehen neben Birkenstock-Sandalen und Vintage-Rucksäcken. Dazu: ehrliche Beratung und hipper Sound aus dem Lautsprecher.
12 Ossington Ave, Toronto, ON M6J 2Y7
Für Menschen mit Durst
Bellwoods Brewery
Nur ein paar Schritte von Lost & Found lädt die Bellwoods Brewery, ein Klassiker der lokalen Bierszene, zum Verweilen. Auf der lebendigen Terrasse treffen sich Tourist:innen und Locals auf ein saisonales IPA oder ein fruchtiges Sour. Die Atmosphäre ist entspannt, das Publikum durchmischt, die Tische oft geteilt. Wer Glück hat, erwischt einen Platz im Patio und beobachtet das Geschehen rundherum ganz entspannt.
124 Ossington Ave, Toronto, ON M6J 2Z5
Ein kulinarisches Schlussbouquet
The Radici Project
Mit ihrer Fusion aus italienischer und japanischer Küche mischen Emiliano Del Frate und Kayo Ito derzeit die Gastroszene Torontos auf. Er, ein römischer Chef mit Wurzeln in der traditionellen italienischen Küche. Sie, eine ausgebildete Sake-Sommelière mit feinem Gespür für Aromen und Ästhetik. Gemeinsam verbinden sie zwei Kulturen, die auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten haben und schaffen daraus Gerichte, die berühren. Ihre Philosophie: Geschmack ist Erinnerung, Kochen ein Akt des Erzählens.
Zentral dabei: Das Farm-to-Table-Prinzip. Fast alle Zutaten stammen aus nachhaltiger, lokaler Landwirtschaft rund um Toronto. Vom saisonalen Gemüse über sorgfältig hergestellten Tofu und Molkereiprodukte bis hin zu Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchten. Was auf den Teller kommt, ist frisch, ehrlich und bewusst gewählt.
Das kleine Lokal lebt von der Wärme des Gastgeberpaars, der aufmerksamen und sorgfältigen Bedienung, der Authentizität der Gerichte und der tiefen Verbundenheit mit den eigenen Wurzeln (radici).
Und dann ein letzter Drink
Suite 115
Den letzten Abend in Toronto lasse ich mit einem Drink in der Suite 115 ausklingen, eine Art Speakeasy-Bar. Das Interieur reduziert minimalistisch, die Atmosphäre cool, die Menschen fröhlich. So beschliesse ich meinen Aufenthalt in Toronto mit einem Summer Solstice, denn obwohl es schon 22.45 Uhr ist, sind es draussen noch immer 27° Celcius. Also dann, cheers. Und hoffentlich auf Wiedersehen, Toronto.
Zum letzten Mal lege ich mich ins frischgemachte Bett im The Drake Hotel. Morgen starte ich meinen Roadtrip durch Ontario und Quebec.
Weitere Einblicke über Toronto bieten zwei frühere Reportagen über die Stadt:
Toronto – eine Liebeserklärung an Trends, Traditionen und Toleranz
Zwischen Vintage und Avant-Garde: Einmal quer durch Toronto mit Creative Director Dom
Text & Selektion: Dany Bucher
Titelbild: Dany Bucher
Veröffentlicht am 7. August 2026