Ein neues Kapitel in Burgunds Weinwelt
#1 Château La Commaraine, Pommard/Burgund (Frankreich)
Das Weinschlösschen mit seinen ummauerten Rebparzellen, den sogenannten Clos, diente einst den Herzögen von Burgund als Herrensitz und blieb später über Generationen in privatem Besitz verschwiegener Weinproduzenten. 2017 erwarb ein amerikanisches Paar das Anwesen. Zunächst stellten die neuen Eigentümer die Bewirtschaftung der Premier-Cru-Lagen auf biodynamischen Weinbau um und verwandelten das Château schliesslich in ein diskretes Hoteljuwel mit 37 Zimmern (ab ca. CHF 580), zwei Restaurants und einem unterirdischen Spa. Für Direktor Jean-Luc Vitoux sind diese Annehmlichkeiten jedoch nur die Grundlage, nicht der eigentliche Kern des Projekts: «Wir bieten keinen Luxus um seiner selbst willen, sondern richten uns in erster Linie an Weininteressierte, mit denen wir unsere Leidenschaft teilen können», sagt er. Wo immer möglich und gewünscht, sollen Gäste in landwirtschaftliche und weinbauliche Arbeiten eingebunden werden, um das Terroir der Domäne und die Vinifikation in der ultramodernen Cuverie unmittelbar zu erleben. Ein Aufenthalt soll etwas hinterlassen, das über die Schwelgerei in märchenhafter Szenerie hinausgeht und eine tiefere Verbindung zum Ort schafft. «Sinn und Genuss schliessen sich nicht aus. Im Gegenteil, sie gehören zusammen», so Vitoux. «Ich glaube, dass sich viele Menschen heute genau danach sehnen.» Für alle, die das Burgund lieben, seine Weine, seine Landschaften und sein entschleunigtes Lebenstempo, ist das im Frühjahr 2026 eröffnete Château La Commaraine weit mehr als ein Hotel: Es ist die vielleicht schönste Art, in diese einzigartige Kultur einzutauchen.
Nächster Flughafen: Genf (rund 2 ¼ Autostunden)
Wo die Provence zur Kunstgalerie wird
#2 Auberge La Coste, Le Puy-Sainte-Réparade/Luberon (Frankreich)
Inmitten des hauseigenen Bio-Weinguts Château La Coste, umgeben von Pinien und Olivenhainen, hat der kunstaffine irische Immobilienunternehmer Patrick McKillen seine Vision eines modernen Landsitzes verwirklicht. Dieser ist als «work in progress» konzipiert, der sich organisch weiterentwickeln und mit der Zeit immer facettenreicher werden soll. Zwei Dutzend weltbekannte Architekten, darunter Jean Nouvel, Tadao Ando und Frank Gehry, haben hier ihre Spuren hinterlassen. Der zwischen Rebbergen und Wäldern eingebettete Skulpturenpark könnte es mühelos mit jedem Museum of Modern Art aufnehmen. McKillen spricht dennoch nicht von einer «Sammlung». Vielmehr habe er «seine Freunde aus der Kunstwelt gebeten, Objekte oder Orte zu schaffen, die zum Staunen anregen». Das gesamte Projekt La Coste sei auch kein wirtschaftlich motiviertes Unterfangen, sondern eine einzige grosse Verrücktheit. Das Luxushotel Villa La Coste, das förmlich aus der Natur zu wachsen scheint und die weitläufigen Ländereien überblickt, ist schon seit 2017 eine Zuflucht für anspruchsvolle Reisende. Wer Wein und Kunst ebenso schätzt, aber eine einfachere und deutlich günstigere Unterkunft sucht (Doppelzimmer ab ca. CHF 220), findet in der neuen Hotel-Dépendance Auberge La Coste im unteren Teil des Anwesens eine stimmige Alternative.
Nächste Flughäfen: Marseille (rund 45 Autominuten) und Nizza (rund 2 Autostunden)
Toskanische Landpartie im Herzen des Chianti
#3 La Darbia in Chianti, Greve in Chianti/Toskana (Italien)
Das La Darbia liegt so, wie man sich einen Landsitz in der Toskana erträumt: Rund 30 Kilometer südlich von Florenz und 40 Kilometer nördlich von Siena, eingebettet in sanft geschwungene Hügel, umgeben von Olivenhainen, Lavendelfeldern, Weinbergen und mediterraner Vegetation. Eine Pinienallee führt zu dem Ensemble aus historischen Steinhäusern, aus denen dieses intime Hideaway entstanden ist. Bis heute dient «La Darbia» auch als landwirtschaftlicher Betrieb und produziert hochwertiges Olivenöl und Honig. Die 17 Suiten (ab ca. CHF 550), darunter vier speziell für Familien, verteilen sich auf drei liebevoll restaurierte Gebäude. Bei der umfassenden Erneuerung mit traditionellen Bau- und Handwerkstechniken wurde der ursprüngliche Charakter des Anwesens bewahrt, während das Architekturbüro Studio Primatesta den Interieurs eine elegant-schlichte Leichtigkeit verliehen hat. Aus jedem Fenster öffnet sich der Blick auf die Bilderbuchlandschaft des Chianti. Ein Panorama, das den Alltag augenblicklich vergessen lässt. Trotz der überschaubaren Grösse bietet das Hotel viel Raum für Privatsphäre und Ruhe, ohne dass es an Aufmerksamkeit oder Herzlichkeit fehlt. Ein Restaurant mit authentisch-toskanischer Küche, gemütliche Gemeinschaftsräume, eine sorgfältig kuratierte Bibliothek und zwei Aussenpools runden das Erlebnis ab. Das Ergebnis ist ein Ort, an dem man mit jedem Ferientag weniger Lust verspürt, das sorgfältig geplante Ausflugsprogramm tatsächlich umzusetzen.
Nächster Flughafen: Florenz (rund 45 Autominuten)
Die Essenz der Langhe-Region
#4 Dai Grésy in Langa, Treiso/Piemont (Italien)
Im Wahnsinn unserer hektischen Welt fällt es vielen von uns selbst auf Reisen schwer, den Alltag hinter sich zu lassen. Wir eilen von einem Ort zum nächsten, sammeln Eindrücke, während unsere Gedanken weiterhin an den Lärm gekettet bleiben, dem wir eigentlich entfliehen wollten. Doch hin und wieder entdeckt man einen Ort, an dem die Welt leiser wird. Einen Ort, an dem die Luft klarer erscheint, die Natur den Takt vorgibt und schon ein paar tiefe Atemzüge neue Kraft schenken. Es sind Orte, die die Kunst des stillen Luxus verkörpern, geschaffen von gastfreundlichen Menschen, die ihren Gästen mehr als nur eine Unterkunft bieten: ein Zuhause auf Zeit. Mit dem Dai Grésy haben die Weinproduzentin Ludovica di Grésy und ihr Bruder Alessandro genau einen solchen Rückzugsort geschaffen. Als der historische Stammsitz inmitten des familieneigenen Weinguts Marchesi di Grésy zunehmend verfiel, entschied sich die Winzerfamilie gegen eine rein private Restaurierung. Stattdessen öffnete sie das Anwesen, zu dem seit 1797 auch die renommierte Einzellage «Martinenga» gehört, für Gäste und schuf ein stilvolles Agriturismo. Von aussen präsentiert sich das Haus als klassisches piemontesisches Landgut, im Inneren überzeugen neun Gästezimmer (ab ca. CHF 360) mit minimalistischer Eleganz. Am Abend wird ein authentisches Menü serviert, zubereitet ausschliesslich aus lokalen Zutaten. Vom kleinen Wellnessbereich mit Aussenpool schweift der Blick über das Rebenmeer des Monte Aribaldo, der die Weingemeinden Barbaresco und Treiso verbindet. Hier wächst ausschliesslich Nebbiolo. Jene Rebsorte, aus der einige der grossen Rotweine Italiens entstehen.
Nächster Flughafen: Mailand-Malpensa (rund 2 Autostunden)
Zu Gast auf einem Spitzenweingut im Bordelais
#5 Les Clefs de Troplong Mondot, Saint-Émilion/Bordeaux (Frankreich)
Ein gelungener Aufenthalt im Bordelais, der Weinbauregion rund um Bordeaux, beginnt mit der Wahl der individuell passenden Unterkunft. Wer sich für die Rive Droite, das Gebiet östlich der Flüsse Dordogne und Gironde, entscheidet, findet im pittoresken Hügeldorf Saint-Émilion einen stimmigen Ausgangspunkt. Oberhalb des historischen Ortskerns thront das renommierte Weingut Château Troplong Mondot. Es zieht nicht nur Weinliebhaber an, sondern auch Genussmenschen, die einen ruhigen Rückzugsort mit weitem Blick über die Reblandschaft suchen. Genau dieses Versprechen erfüllt das exklusive Gästehaus Les Clefs de Troplong Mondot. Es verfügt über zwei grosszügige Doppelzimmer (ab ca. CHF 240) sowie zwei Suiten mit jeweils zwei Schlafzimmern. Maximal zwölf Gäste wohnen hier gleichzeitig in einer Atmosphäre, die eher an einen Aufenthalt im stilvollen Landhaus von Freunden erinnert als an ein klassisches Hotel. Für Ausflüge durch die Weinberge stehen E-Bikes bereit. Die umliegenden Lagen sind berühmt für ihre Merlot-dominierten Cuvées, ergänzt durch kleinere Anteile von Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon. Auf Wunsch werden Picknickkörbe für genussvolle Stunden zwischen den hauseigenen Rebstöcken zusammengestellt. Hausherr Aymeric de Gironde nimmt sich gerne persönlich Zeit für einen Rundgang und vermittelt dabei seine Begeisterung für den biologischen Weinbau. Wer das Terroir noch intensiver erleben möchte, kann selbst in den Rebhängen mitarbeiten. Abends geniesst man ein Gourmetmenü im Restaurant «Les Belles Perdrix», begleitet von einem Premier Grand Cru des Hauses. Kritiker mögen von inszenierter Authentizität sprechen. Tatsächlich gelingt es Château Troplong Mondot auf eindrucksvolle Weise, den Charakter von Saint-Émilion einzufangen und erlebbar zu machen.
Nächster Flughafen: Bordeaux (rund 45 Autominuten)
Renaissance trifft Rotwein: ein Palast erwacht im Ribera del Duero
#6 Castilla Termal Palacio de Avellaneda, Peñaranda de Duero (Spanien)
Die Umwandlung charaktervoller Bauwerke in Hotels hat sich längst von einer architektonischen Mode zu einem tragfähigen Geschäftsmodell entwickelt. Der Grund liegt auf der Hand: Orte mit Geschichte und einzigartiger Architektur liefern sofort ein Narrativ und besitzen eine Aura, die sich mit einem Neubau kaum erzeugen lässt. Nicht selten verleihen solche Transformationen von historischen Gemäuern einer ganzen Destination neuen Schwung. Ein aktuelles Beispiel ist der «Palacio de los Condes de Miranda» in der Weinregion Ribera del Duero nördlich von Madrid. Seit Sommer 2026 präsentiert sich der ikonische Renaissance-Palast im 470-Seelen-Dorf Peñaranda de Duero als stilvolles Wellnesshotel mit Thermalbad und Vinotherapie-Behandlungen. Der Frühstücksraum ist in der ehemaligen Kapelle untergebracht, das Restaurant im glasüberdachten Kreuzgang. Die 80 modern gestalteten Zimmer (ab ca CHF 210) verteilen sich auf mehrere Gebäudeflügel. Das mittelalterliche Dorf ist stark vom Weinbau geprägt und zählt zu den wichtigsten Stationen entlang der offiziellen Ribera-del-Duero-Weinstrasse. Unter den engen Gassen verbirgt sich ein weit verzweigtes Netz jahrhundertealter unterirdischer Weinkeller, der sogenannten «Bodegas subterráneas». Die Weinberge liegen auf einem kargen Hochplateau in über 800 Metern Höhe. Angebaut wird vor allem die Tempranillo-Traube, aus der kräftige, lagerfähige Rotweine entstehen.
Nächster Flughafen: Madrid (rund 1 ¾ Autostunden)
Wein, Weite und portugiesische Gastfreundschaft im Alentejo
#7 Herdade da Malhadinha Nova, Beja/Baixa Alentejo (Portugal)
Portugal steht bei vielen Reisenden hoch im Kurs. Das ländliche Alentejo, eine weitgehend savannenähnliche Landschaft zwischen dem Fluss Tejo und der Algarve, geprägt von Olivenhainen, Korkeichen und Weinbergen ist für die meisten Besucher jedoch noch immer ein Geheimtipp. Die meisten zieht es nach Lissabon, Porto oder an die Algarve, während sich der Weintourismus traditionell auf das Dourotal konzentriert. Doch das Interesse am Alentejo wächst. Dazu trägt eine neue Generation ambitionierter Winzer, Gastronomen und Hoteliers massgeblich bei. Zu ihren Vorreitern gehört Paulo Soares, Geschäftsführer und Mitgründer der Herdade da Malhadinha Nova, eines weitläufigen landwirtschaftlichen Familienguts mit rund zwei Dutzend Gästezimmern (ab ca. CHF 340). Diese verteilen sich auf mehrere Villen, die grosszügig über das Anwesen verstreut liegen. «Portugal ist wahrscheinlich das einzige Land, das zwar zur Alten Welt des Weinbaus gehört, aber dennoch von vielen Menschen so entdeckt wird, als wäre es etwas völlig Neues», sagt Soares. Die Amphoren, die man hier findet, sind 2000 Jahre alt und die neueste Unterkunft auf dem Gut ist die «Casa das Pedras». Es ist ein markantes, modernes Gebäude mit vier Suiten. Jede verfügt über bodentiefe Fensterfronten, einen eigenen Mini-Pool und ist mit skandinavischen Designklassikern ausgestattet. Gäste können das Grundstück bei geführten Ausritten erkunden, doch das eigentliche Herzstück des «Malhadinha Nova» ist die Kellerei. Hotelgäste können sie jederzeit wie eine offene Küche betreten und den Winzern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Die biologisch zertifizierten Weine geniesst man anschliessend am besten im hauseigenen Restaurant, das sich einem konsequent nachhaltigen «Farm to Table»-Konzept verschrieben hat.
Nächste Flughäfen: Lissabon (rund 2 Autostunden) und Faro (rund eine Autostunde)
Text & Selektion: Claus Schweitzer
Titelbild: Tobias Kaser
Veröffentlicht am 15. September 2026