Die kompakte Stadt eignet sich ideal für einen genussvollen Kurztrip. Und auch wenn ein italienisches Menü normalerweise mit Antipasto, Primo und Secondo serviert wird, nehme ich mir für diesen Streifzug durch Bologna die Freiheit, die Menüfolge neu zu interpretieren. In fünf Gängen nehme ich dich mit durch die Hauptstadt der Emilia Romagna. Vom ersten Espresso über handgemachte Pasta und versteckte Kanäle bis zu einem besonders guten Gelato zeige ich dir meine liebsten Seiten der Stadt. Die Altstadt lässt sich ideal zu Fuss erkunden. Arkadengänge führen durch mittelalterliche Gassen, vorbei an historischen Palazzi, kleinen Cafés und Plätzen, auf denen sich das Leben der Stadt abspielt. Der Weg von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten ist selten weit. Die nächste kulinarische Pause ist meist noch näher.
Erster Gang: Espresso und Gebäck zum Frühstück
Ein guter Tag in Bologna beginnt mit einem guten Espresso. Eine passende Adresse dafür ist Forno Brisa, eine moderne Bäckerei mit eigenem Kaffee, frischem Brot und feinem Gebäck. Besonders empfehle ich die Focaccia. Die Atmosphäre ist lebhaft und unkompliziert, ideal für einen ersten Stopp nach der Ankunft. Danach geht es zu Fuss weiter durch die Arkaden. Sie prägen das Stadtbild und machen einen Spaziergang durch Bologna auch bei Regen oder starker Sonne angenehm. Unterwegs lohnt es sich, immer wieder einen Blick in kleine Läden, Innenhöfe und Cafés zu werfen.
Zweiter Gang: Die Stadt als Antipasto
Ein Antipasto ist in Italien weit mehr nur eine Vorspeise. Es ist die Einstimmung auf das, was noch kommt. Bevor es ans Schlemmen geht, lohnt sich ein Abstecher ins historische Herz Bolognas rund um die Piazza Maggiore. Hier liegen einige der wichtigsten Bauwerke der Stadt nur wenige Schritte voneinander entfernt. Dazu gehören die Basilika San Petronio, der Palazzo del Podestà und der Palazzo d’Accursio. Vom Uhrenturm des Palazzo d’Accursio bietet sich ein schöner Blick über die roten Dächer der Stadt. Vor dem nahen Neptunbrunnen, den die Bolognesi wegen seiner imposanten Figur auch «il Gigante» nennen, treffen sich Studierende, Familien und Geschäftsleute. Strassenmusiker:innen spielen zwischen den Palazzi, Fahrräder rollen über das Pflaster und auf den Caféterrassen scheint es, als hätte niemand einen Grund zur Eile. Von hier sind es nur wenige Minuten bis zum Quadrilatero, dem historischen Marktviertel. In den schmalen Gassen stapeln sich Parmesan, Mortadella, frische Pasta, Gemüse und Gebäck. Für ein genussvolles Antipasto lohnt sich ein Besuch bei der Salumeria Simoni, wo Spezialitäten aus Bologna und der Emilia Romagna im Mittelpunkt stehen.
Dritter Gang: Aperitivo zwischen Büchern und Kanälen
Bologna beherbergt die älteste Universität der westlichen Welt. Noch heute prägen Studierende das Leben im Zentrum und verleihen der Stadt ihre lebendige Atmosphäre. Fahrräder lehnen an alten Palazzi, in den Gassen wird gelacht und diskutiert und in den Bars bis spät in den Abend zusammengesessen. Eine stimmungsvolle Pause bietet Camera a Sud, ein gemütlicher Ort für Kaffee, Wein oder einen frühen Aperitivo. Letzteres ist die italienische Art, mit einem Getränk und kleinen Häppchen entspannt in den Abend zu starten. Von dort lohnt sich ein Abstecher in die Via Piella. Hinter einem kleinen Fenster öffnet sich der Blick auf den Canale delle Moline, einen der wenigen sichtbaren Teile des historischen Kanalnetzes. Für Bruschette und Wein ist Tannino, Bruschette e Vino eine passende Adresse. Zur Auswahl stehen 14 verschiedene Bruschette auf Sauerteigbrot. Das fachkundige Team empfiehlt dazu den passenden Wein.
Vierter Gang: Pasta, bitte
In Bologna ist Essen keine Unterbrechung des Sightseeings. Es ist eine Form des Sightseeings. Die Stadt gilt als eine der kulinarischen Hauptstädte Italiens. Zu ihren Klassikern gehören Tortellini in kräftiger Brühe, Mortadella und natürlich Ragù alla bolognese. Mit Spaghetti hat das Original allerdings wenig zu tun. In Bologna kommt das Ragù traditionell mit Tagliatelle auf den Tisch. Die breiten Eiernudeln nehmen die langsam geschmorte Sauce besonders gut auf. In vielen Geschäften lässt sich beobachten, wie Pasta von Hand ausgerollt, gefaltet und gefüllt wird. Zum Abendessen bieten sich die Osteria Futura und La Rimessa an. Beide Adressen laden dazu ein, bekannte Spezialitäten und neue Seiten der Bologneser Küche zu entdecken. Besonders am Wochenende lohnt sich eine Reservation.
Fünfter Gang: Ein süsser Abschied
Am nächsten Morgen darf Bologna noch einmal langsam beginnen, mit Cappuccino, etwas Süssem und dem Stimmengewirr an der Kaffeebar. Danach stellt sich nur noch die Frage, ob der letzte Gang gemütlich oder sportlich ausfallen soll. Wer die Stadt aus einer neuen Perspektive sehen möchte, macht sich auf den Weg zum Santuario della Madonna di San Luca. Von der Porta Saragozza führt ein rund vier Kilometer langer Arkadengang hinauf zur Wallfahrtskirche. Der Anstieg braucht etwas Zeit und Ausdauer, belohnt aber mit Ausblicken über die Stadt und die Hügel der Emilia Romagna. Wen es stattdessen noch einmal ins Zentrum zieht, der schlendert durch den Mercato delle Erbe, bestellt einen letzten Kaffee oder kauft frische Pasta und Mortadella für zu Hause. Zum Abschluss darf ein Gelato nicht fehlen. Eine schöne Adresse dafür ist die Cremeria Marconi, die klassische Sorten mit besonderen Geschmackskombinationen verbindet. Besonders empfehle ich die hauseigene Sorte Marconi mit Pistazie und weisser Schokolade. Nach zwei Tagen bleiben nicht nur die roten Fassaden, lebhaften Piazze und endlosen Arkaden in Erinnerung. Vor allem sind es die kleinen Genussmomente, die nachklingen: der Duft von frischem Gebäck, kräftiges Ragù, guter Wein und cremiges Gelato.
Ciao Bologna. Wir werden uns wiedersehen.
Beste Reisezeit: Besonders angenehm sind Frühling und Herbst. Dank der Arkaden eignet sich Bologna aber auch für heisse oder regnerische Tage.
Mit SWISS nach Bologna: SWISS fliegt mehrmals pro Woche von der Schweiz nach Bologna.
Text und Selektion: Sophie Müller
Titelbild: Petr Slováček
Veröffentlicht am 30. Juli 2026