777 Gins und eine Idee über den Wolken

Es sind diese stillen Momente im Cockpit der Boeing 777, in denen die Welt draussen auf einen ruhigen Horizont schrumpft. Die Systeme laufen stabil und irgendwo zwischen Los Angeles und Zürich entsteht Raum für Gespräche. Genau dort begann die Geschichte eines Gins, der viel über zwei Piloten erzählt und über das Flugzeug, das sie verbindet.

 

In ruhigeren Flugphasen wird geredet. Über Familie, über Hobbys, über das Leben ausserhalb der Uniform. So entstand auch die Brücke zum Gin. Captain Hans Fischer, seit 35 Jahren bei SWISS, und sein jüngerer Kollege, First Officer Lorenz Kamm, trafen sich auf zwei Einsätzen nach Kalifornien. Lorenz erzählte von der Schnapsbrennerei seiner Frau, einem traditionellen Familienbetrieb im Kanton Bern. Hans, passionierter Gin-Liebhaber, hörte aufmerksam zu, hakte nach, fachlich neugierig, so wie Piloten eben ticken, wenn sie ein System verstehen wollen.

Aus Neugier wurde während des zweiten Zwölfstundenflugs von Los Angeles nach Zürich ein konkreter Plan: ein Gin zum 10-Jahre-Jubiläum der Boeing 777.

777 Flaschen mit Tiefe, Charakter und einer Hommage an den Spirit der Boeing 777. Die Idee für den Triple Seven Gin entstand auf einem Flug von Los Angeles nach Zürich.
777 Flaschen mit Tiefe, Charakter und einer Hommage an den Spirit der Boeing 777. Die Idee für den Triple Seven Gin entstand auf einem Flug von Los Angeles nach Zürich.

Ein Gin, so voluminös und stark wie die Boeing 777

Der Langstreckenflugzeugtyp spielte dabei eine grössere Rolle, als man denken würde. Für Hans ist die Triple Seven ein «Pilotenflugzeug». «Wenn du willst, kannst du sie übersteuern», beschreibt er sinngemäss. Genau darin liege aber auch Verantwortung. Mehr Freiheit bedeutet nicht mehr Spielraum, sondern mehr Pflicht, sauber zu entscheiden.

Lorenz, der seit 2015 auf der Strecke ist und seit 2024 auf der Triple Seven fliegt, sieht das genauso. Er mag, dass man das Flugzeug «unter dem Füdli spürt». Und er bringt eine zweite Dimension ein: die Vereinbarkeit. Langstrecke ist nicht automatisch familienfreundlich. Bestimmte Destinationen mit der Boeing 777 bedeuten durch die langen Flüge auch mehr Erholungstage. Das passt für ihn besser als andere Muster, gerade mit junger Familie und dem Nebenjob im Familienbetrieb seiner Frau.

«777 Flaschen, 47,77 Prozent und ein bisschen Wald»

Dieses Gefühl des «echten Fliegens» wollten die beiden in ein Destillat übersetzen. In einen Gin mit Charakter. «Etwas Voluminöses und Starkes, genau wie unsere Boeing 777», sagt Hans.

Die Grundidee war schnell da. Wenn schon, dann richtig. Hans hatte ein klares Zielbild vor Augen, inspiriert von einem japanischen Lieblingsgin, «der nach Wald schmeckt». Gemeinsam mit Lorenz’ Frau suchten sie Botanicals, diskutierten Aromatik, Balance und Alkoholstärke.

Tannennadeln wurden zur Schlüsselzutat. Und weil alles zur Triple Seven passen sollte, floss auch die Zahlensprache ins Konzept ein. Die gewünschte Stärke stand früh fest: 47,77 Prozent – «etwas stärker als gewöhnlich», sagt Hans.

Handarbeit in Serie

Die Entwicklung verlief fast wie ein kleiner Flugplan. Degustationen im engen Kreis, diverse Feedbackrunden. Präzise wie Cockpitprozesse. Erst als alle überzeugt waren, folgte der nächste Schritt: das Brennen und das Abfüllen der Flaschen. Diesen Schritt haben die beiden Piloten massiv unterschätzt. Jede Flasche ging mehrfach durch ihre Hände, Etiketten wurden aufgeklebt, Korken gestöpselt und die Gins eigenhändig verpackt. 

Auch der Verkauf wurde bewusst gestaltet. Pro verkaufte Flasche gehen 7.77 CHF an das SOS Kinderdorf. Den Gesamtbetrag runden die beiden Piloten auf 7770 CHF auf. Auch hier schliesst sich der Kreis zur Zahl, die dieses Projekt von Anfang an begleitet hat. Geplant war der Launch im November 2025, geworden ist es Dezember. Rechtzeitig zu den Festtagen. Rechtzeitig zu einem Jubiläum, das nun würdig gefeiert werden konnte.

Ein eingespieltes Team

Dass das Projekt funktionierte, lag auch daran, dass die beiden arbeiteten wie eine Crew in der Luft. Die Rollen ergaben sich von selbst. Hans als Vernetzer mit jahrzehntelangem Firmennetzwerk. Lorenz als Organisator und Praktiker, nah am Produkt und am Familienbetrieb. «Gute Crews funktionieren so», sagt Lorenz. «Jeder macht, was er am besten kann.»

Vielleicht trägt genau dieser Teamgeist auch den Geschmack. Denn die Boeing 777 spielt im Leben der beiden weit mehr als eine technische Rolle. Die Maschine bringt sie zu Nordlichtern über dem Polarkreis, zu Wetterfenstern über Island, zu Momenten, die man nicht planen kann und die doch prägend sind.

«Viele Menschen sparen ihr Leben lang, um Nordlichter zu sehen. Wir erleben sie manchmal einfach an einem Arbeitstag», sagt Hans.

Zwischen Jetlag und Leidenschaft

Der Alltag der Langstrecke wird dabei nicht romantisiert. Gerade Rotationen in den Westen können aufgrund der Zeitverschiebung hart sein. Asien bringt oft den besseren Rhythmus. Singapur und Hong Kong zählen zu Lorenz’ Favoriten. Und zwischen den Flügen kommt der Familienbetrieb, den er immer mitdenkt.

Am Ende treffen zwei Lebenswege im Cockpit aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Hans, aufgewachsen in Kloten, wusste früh: Ich werde Pilot. Lorenz’ Geschichte ist international geprägt, mit Wurzeln in Südafrika. Fliegen war für ihn immer etwas Besonderes. «Als ich klein war, habe ich mich stets mehr auf das Fliegen gefreut als auf die Reise an sich», resümiert er.

Man hört heraus: Es geht nicht nur um Technik. Nicht nur um Systeme und Checklisten. Es geht um den Moment, wenn man «jeden Tag gern ins Cockpit geht». Denn selbst dann, wenn draussen Nebel und Grau dominieren, winkt über den Wolken stets die Sonne.

Hans bezeichnet seinen Weg auch als Glück. Man müsse verschiedene Eigenschaften mitbringen: Verantwortung tragen, im Team funktionieren sowie das technische Verständnis mitbringen. Vielleicht schmeckt man das im «Triple Seven Gin». Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Disziplin, Herzblut und stillem Staunen, die jede der 777 Flaschen besonders macht.

Und das nächste gemeinsame Projekt?

Ganz abgeschlossen ist die Geschichte nicht. Ideen gibt es genug. Lust sowieso. Was oft fehlt, ist die Zeit.

Klar ist: Diese Jubiläumsflasche wird es kein zweites Mal geben. Aber vielleicht etwas Neues. In einer anderen Form. Mit demselben Anspruch. Hans sagt: «Einen Gin für die SWISS First zu entwickeln, das wäre es.» Und wer weiss, vielleicht begegnet einem dieser Gin eines Tages tatsächlich über den Wolken.

Text: Tanja Fegble

Bilder: Hans Fischer und Lorenz Kamm

 

Veröffentlicht am 19.02.2026