Die zusätzlichen Augen und Ohren der Crew

05.15 Uhr, Flughafen Zürich. Während die meisten Passagiere noch schlafen, herrscht im Operation Center 1 bereits Hochbetrieb. Auf den Bildschirmen laufen Wetterkarten, Flugrouten und operative Meldungen aus aller Welt zusammen. Hier, im Herzen der Airline, beginnt die Schicht von Flight Dispatcher Tom Lüthi.

Als wir Tom im Operation Control Center (OCC), der Einsatzzentrale von SWISS, treffen, verfolgt er am Monitor bereits zwei Boeing 777 auf ihrem Weg nach Asien. Eine Maschine befindet sich noch rund zwei Stunden vor der Landung in Hongkong, die andere im Anflug auf Singapur. Auf einem seiner Monitore zeichnet sich eine mögliche Gewitterzelle entlang der Route ab. «Die Crew sieht das Wetter vor sich und auf ihren Systemen», erklärt Tom und zeigt auf die Wetterkarte. «Wir am Boden haben jedoch das grosse Bild. Wir sehen die Entwicklungen entlang der gesamten Route, können Wettermodelle vergleichen und Veränderungen frühzeitig erkennen.»

Sein Arbeitsplatz befindet sich nicht im Cockpit. Und doch ist Tom an diesem Morgen Teil zahlreicher Flüge rund um den Globus. Heute ist er im Mission Support eingeteilt, jener Einheit des Flight Dispatch, die Flugbesatzungen von rund zwei Stunden vor dem Abflug bis nach der Landung begleitet. Auf vier Monitoren beobachtet Tom Wetterentwicklungen, verfolgt Flugrouten und behält Veränderungen entlang des Weges im Blick.

Das grosse Ganze im Blick

«Ein Flug ist Teamarbeit», sagt Tom. «Während die Cockpit Crew die Verantwortung trägt und Entscheidungen trifft, sorgen wir am Boden dafür, dass sie jederzeit auf die aktuellsten Informationen zugreifen kann.»

Wetter spielt dabei eine zentrale Rolle: Gewitter, Winde und Wolken beeinflussen die Route ebenso wie Luftraumbeschränkungen, geopolitische Entwicklungen oder kurzfristige Streckensperrungen. Im Mission Support laufen alle relevanten Informationen zusammen. Sie werden laufend bewertet und bei Bedarf direkt an die Cockpitbesatzung im Flugzeug übermittelt. «Mich hat immer das grosse Bild fasziniert. Nicht nur ein einzelner Flug, sondern alles, was dahintersteckt.»

«Das grosse Ganze hat mich schon immer fasziniert.»

Tom Lüthi
Flight Dispatch

Wenn der Plan neu geschrieben wird

In der Einsatzzentrale am Flughafen Zürich gleicht kein Tag dem anderen. «Die nächste Krise ist oft nur einen Telefonanruf entfernt», sagt Tom. An ruhigen Tagen begleitet das Team die Flüge im Hintergrund. Ändert sich jedoch das Wetter an einem Ausweichflugplatz, wird eine Route gesperrt oder muss ein Flug umgeleitet werden, dann steigt der Puls im Operation Control Center (OCC) schlagartig an.

Verschiedene Fachbereiche arbeiten Hand in Hand, um die Crews schnell mit aktuellen Informationen zu versorgen und den Flugbetrieb auf Kurs zu halten. Mission Support ist rund um die Uhr besetzt. 24 Stunden am Tag begleiten die Teams Flüge auf allen Kontinenten und sichern die Informationskette zwischen Boden und Cockpit.

Die Leidenschaft für die Fliegerei

Dass Tom die Perspektive der Pilot:innen gut versteht, kommt nicht von ungefähr: Er besitzt eine Privatpilotenlizenz und sitzt auch in seiner Freizeit regelmässig selbst im Cockpit. Seine Begeisterung für die Aviatik begann bereits in der Kindheit. Aufgewachsen in Kanada mit einem Piloten als Vater, kam er früh mit der Fliegerei in Berührung. Später finanzierte er sich seine Pilotenausbildung selbst und vertiefte seine Leidenschaft für die Luftfahrt stetig.

Während der Ausbildung zum Piloten stellte Tom fest, dass ihn nicht nur das Fliegen selbst fasziniert, sondern vor allem die komplexen Zusammenhänge dahinter. «Ich wollte immer etwas mit Aviatik machen», erzählt er. «Und irgendwann habe ich gemerkt, dass mich genau diese Verbindung von Theorie, Planung und operativer Arbeit begeistert.»

Heute gibt er dieses Wissen auch weiter. Neben seiner Tätigkeit bei SWISS unterrichtet Tom als Instruktor beim Lufthansa Aviation Trainingscenter (LAT) in Zürich angehende Pilot:innen im Bereich Flight Planning & Monitoring und begleitet sie auf ihren ersten Schritten in die Fliegerei.

Unsichtbar, aber unverzichtbar

Als sich Toms Schicht dem Ende zuneigt, sind auch die beiden Flüge nach Singapur und Hongkong sicher gelandet. Die Gewitterzelle, die am frühen Morgen noch seine Aufmerksamkeit gefordert hatte, stellte letztlich kein Risiko dar. Doch genau darin liegt die Aufgabe des Mission Support: Entwicklungen früh erkennen, Risiken einschätzen und die Crew mit den bestmöglichen Informationen unterstützen.

Nach Feierabend tauscht Tom die Monitore im Operation Center gegen seine Kamera. Dann zieht es ihn als leidenschaftlichen Aviatik-Fotografen regelmässig an die Zuschauerterrasse oder zu einem Spotterpunkt am Flughafen Zürich. Dort beobachtet er Starts und Landungen. Manchmal genau jene Flugzeuge, deren Crews er wenige Stunden zuvor begleitet hat.

«Das ist vielleicht etwas nerdy», sagt er und lacht. «Aber es ist schon speziell, wenn du einen Flug betreut hast und ihn später auf dem Rollfeld siehst.»

Genau diese Leidenschaft und Perspektive bringt Tom jeden Tag in seine Arbeit im Flight Dispatch ein. Was für Passagiere unsichtbar bleibt, ist für jeden Flug entscheidend: die zusätzlichen Augen und Ohren am Boden, die dafür sorgen, dass im Hintergrund alles zusammenläuft.