SWISS Magazine: Heute bist du seit genau 100 Tagen im Dienst von SWISS. Wie fühlt sich das an?
HB-IFA: Es fühlt sich an wie der Moment nach der Landung eines langen Erstflugs. Wenn alles geklappt hat und man weiss: Jetzt bin ich wirklich angekommen. 100 Tage, das sind rund 300 Flüge, 11 unterschiedliche Destinationen, über 900 Flugstunden und unzählige Sonnenauf- und -untergänge über den Wolken. Ich bin stolz. Und auch ein bisschen gerührt.
> 720 000 km
oder 18 Erdumrundungen oder fast eine Hin- und Rückreise zum Mond
Erinnerst du dich an deinen allerersten kommerziellen Flug?
HB-IFA: Und wie! Ich war unglaublich nervös. Es war an einem Samstagmorgen in Zürich, dem 25.Oktober, und es ging nach Palma de Mallorca. Meine Systeme waren bereit, die Crew top vorbereitet – und trotzdem dieses Kribbeln. Kurz vor dem Pushback dachte ich: «Okay, jetzt zeige ich der Welt, wer ich bin.» Als ich dann abhob, fiel die Nervosität langsam ab. Ab diesem Moment wusste ich: Dafür wurde ich gebaut.
Du hast bei diesem Erstflug schon einiges erlebt: viele Testflüge in Toulouse bei Airbus, bei denen du auf Herz und Nieren geprüft wurdest, danach intensive Start- und Landetrainings mit den Pilot:innen in Süditalien. Wie hast du diese Zeit erlebt?
HB-IFA: Das war anstrengend und lehrreich zugleich. In Toulouse wurde jedes Detail hinterfragt, jedes System geprüft und die Triebwerke bis an die Grenzen getestet. Manchmal dachte ich: Noch ein Test? Wirklich? Aber genau das hat mir Sicherheit gegeben. Und die Trainings in Süditalien mit den Pilot:innen waren etwas Besonderes: Touch-and-Go, immer wieder abheben, wieder aufsetzen, Vertrauen aufbauen. Umso grösser war dann die Freude, als es endlich hiess: Jetzt kommen Gäste an Bord.
> 900 Flugstunden
oder die Dauer von 600 Fussballspielen
Du warst auch der Erste, der die neue SWISS Senses Kabine in die Welt getragen hat. Was bedeutet dir das?
HB-IFA: Sehr viel. Ich durfte etwas Neues zeigen. Ein neues Gefühl von SWISS. Materialien, Licht, Ruhe, dieses bewusste Design und all diese neuen tollen Sitze. Ich war nicht einfach nur ein Flugzeug. Ich war ein Botschafter. Zu wissen, dass ich der Erste war, der SWISS Senses hinaus in die Welt getragen hat, erfüllt mich mit grossem Stolz.
Wie hast du die Gäste erlebt?
HB-IFA: Ihre Gesichter werde ich nicht vergessen. Dieses Staunen beim Einsteigen, das vorfreudige Lächeln, wenn sie Platz nahmen, das neugierige Umsehen. Viele haben sich umgedreht, Fotos gemacht, Details entdeckt. Diese Freude übertrug sich direkt auf mich. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man merkt, dass man Menschen begeistert. Und das noch bevor man überhaupt gestartet ist.
Bald bekommst du Gesellschaft: Dein Bruder HB-IFB, der zweite Airbus A350, ist dieser Tage in Zürich gelandet. Das muss aufregend sein?
HB-IFA: Sehr! Ich erzähle ihm innerlich schon alles: wo die schönsten Sonnenaufgänge sind, wie sich der erste Applaus nach der Landung anfühlt und dass Nervosität völlig okay ist. Bald teilen wir uns die Routen, die Verantwortung und den Stolz, Teil von etwas Neuem zu sein. Alleine fliegen ist schön. Zusammen ist es noch besser.
Unterscheidet ihr euch als Geschwister?
HB-IFA: Charakterlich sind wir sicherlich sehr, sehr ähnlich. Doch das Aussehen unterscheidet uns. Ich sehe mit meinem Sondergewand, der Wanderlust, tatsächlich anders aus, verspielter, spezieller. Ich bin ja auch ein Geschenk an die Schweiz mit vielen spannenden Motiven aus unserem schönen Land. Mein Bruder kommt klassisch, elegant, ganz in Weiss daher. Aber genau diese Unterschiede machen uns als Duo so besonders.
Ich bin mir sicher, wir werden uns sehr gut verstehen. Am Ende teilen wir die gleiche Mission: Menschen sicher, komfortabel und mit einem guten Gefühl um die Welt zu bringen.
Ach ja, wenn alles planmässig läuft, kriege ich in diesem Jahr noch mehr Geschwister. So viel Aufregung!
Je 300 Starts und Landungen
Was hat dich in deinen ersten 100 Tagen am meisten überrascht?
HB-IFA: Überrascht nicht, sondern eher bestätigt. Ich bin hochmodern, besonders treibstoffeffizient und unglaublich leise. Das fühlt sich jedes Mal richtig gut an.
Überrascht war ich hingegen von diesen vielen Bilder von mir in den sozialen Medien. Meine Livery, festgehalten aus allen Winkeln und so viele stolze Mitarbeitende davor oder daneben. Das hat mich ehrlich gesagt ein wenig verlegen gemacht. Denn mir wurde klar: So viele Menschen haben über Jahre hinweg daran gearbeitet, dass ich jetzt für SWISS fliegen darf. Rückblickend ist dieses Bewusstsein vielleicht das schönste Gefühl von allen.
11 verschiedene Flughäfen angeflogen
*für Flugtrainings
Gab es einen ganz besonderen Magic Moment?
HB-IFA: Nicht nur einen. Es waren viele kleine, die zusammen etwas Grosses ergeben haben. Die spürbare Freude der Pilot:innen im Cockpit, wenn sie mich zum ersten Mal geflogen sind. Die hochmotivierten Cabin Crew Member, die jede neue Kabine mit Leben füllen. Die Begrüssungs-Wasserfontänen auf der Kurzstrecke in Europa. Das ist jedes Mal ein Gänsehautmoment. Und natürlich die entspannten, freudigen Gesichter der Passagiere beim Aussteigen. Wenn sich Menschen lächelnd verabschieden, weiss ich: Genau dafür bin ich da.
1. Boston 2. Prag 3. Düsseldorf
Bis jetzt warst du nach den Einführungsflügen auf der Kurzstrecke in Europa vor allem nach Boston im Einsatz. Ab 29. März geht es dann für dich oder deinen Bruder zusätzlich nach Seoul. Freust du dich?
HB-IFA: Und wie! Boston war ein wunderbarer Anfang. Eine Langstrecke mit Geschichte und einem wunderbaren Empfang. Aber Seoul… das fühlt sich wie ein nächstes grosses Kapitel an. Eine neue Kultur, eine neue Strecke, ein ganz anderes Licht über dem Horizont. Egal, ob ich als Erstes die Destination in Asien anfliegen darf oder mein Bruder. Die Vorfreude ist riesig.
Vielen Dank, HB-IFA, für dieses aufschlussreiche Gespräch.