Ein Flug ist immer auch ein kleines Abenteuer. Noch bevor die Reise richtig beginnt, tauchen viele Fragen auf: Mit welchem Flugzeugtyp reise ich? Was macht die Crew nach dem Flug? Und wie kommt sie eigentlich mit den Zeitunterschieden klar? Unsere beiden Maîtres de Cabine, Jella und Peter, haben in den vergangenen Jahren unzählige dieser Fragen gehört. Elf davon haben wir für dich gesammelt. Was uns zuvor aber noch wichtig ist: Wenn du auf einem SWISS Flug unterwegs bist und dir eine Frage auf der Zunge liegt, dann zögere bitte nicht, die Crew anzusprechen. Sie helfen dir immer gerne.
Fliegt ihr mit dem Flugzeug gleich wieder zurück?
Jella: Auf einem Kurzstreckenflug ist das so. Da beträgt der Aufenthalt am Boden genau 40 Minuten, bevor es dann wieder in die Luft geht. Bei Interkontinentalflüge ist die Pause länger, mindestens 24 Stunden.
Peter: Bei der Berechnung des Layovers, also unseres Aufenthalts, wird auf die Flugzeit und die Anzahl Zeitzonen, die durchflogen werden, geachtet. 24 Stunden bei einem Interkontinentalflug mag zwar nach wenig klingen, aber oft unterschätzt man, wie viel man in einem Tag an einem Ort erleben kann. Vor allem am Anfang probiert man jede Stunde gut zu füllen und vergisst oft, dass es noch einen Rückflug gibt. Mit der Zeit wird alles etwas entspannter.
Könnt ihr während des Fluges eine Pause machen?
Jella: Ja, natürlich! Es ist immer davon abhängig auf welcher Strecke wir fliegen und zu welcher Destination. Wo im Flugzeug wir unsere Pause machen können, ist ausserdem vom Flugzeugtyp und der Länge des Fluges abhängig. Im Airbus A340 und in der Boeing 777 können wir für die Pause in die Crew Rest Area, also der Schlafkabine für Crews, die von den Passagieren räumlich abgetrennt ist. Wenn die Crew jeweils durch die Türen verschwindet, kann das schonmal verwunderte Blicke bei unseren Passagier:innen geben.
Peter: Pausen sind für die Crew sehr wichtig. Nehmen wir als Beispiel einen Flug nach Tokyo. Der dauert derzeit zwischen 13 und 14 Stunden. Wenn Menschen so lange auf engem Raum zusammen sind, kann es zu Zwischenfällen kommen. Dann ist es hilfreich, wenn die Crew erholt ist und auch deeskalierend auf solche Situationen einwirken kann.
Warum müssen die Fensterläden während Start und Landung geöffnet bleiben?
Jella: Es ist wichtig, dass die Cabin Crew während Start und Landung auch sieht, was aussen am Flugzeug passiert. Dafür nutzen wir alle Möglichkeiten, die wir haben.
Peter: Sollte es zu einer Evakuierung kommen, sind die Augen der Gäste zudem bereits an die äußeren Lichtverhältnisse gewöhnt. Das reduziert das Unfallrisiko beim Verlassen des Flugzeugs.
Wird die Crew während des Fluges auch verpflegt?
Jella: Ja, auf Kurzstreckenflügen haben wir eine Crew-Schublade, mit warmen und kalten Speisen, aus der wir uns bedienen können. Zudem dürfen wir immer auf Tee, Kaffee und kalte Getränke zurückgreifen.
Peter: Bei einem Langstreckenflug werden für die Crew Extramahlzeiten aus der Business Klasse geladen. Das wird schon sehr geschätzt und dem Portemonnaie schadet es auch nicht.
Angenommen, ich reise das erste Mal. Was mache ich, wenn ich auf einem Flug überfordert bin?
Jella: Am besten meldet man sich bei uns, also bei jemandem aus der Crew, so früh wie möglich. Als Kabinenchefs kümmern wir uns um die Anliegen der Passagiere, aber auch der Crew und helfen gerne. Oft sehen wir das zwar bereits an der Körpersprache der reisenden Person an, aber nicht immer. Daher ist die Kommunikation mit den Passagier:innen aber auch innerhalb der Crew sehr wichtig.
Peter: Genau! Es gibt keine Information, die zu klein ist, um sie uns zu melden. Auch wenn sich das vielleicht komisch anfühlt. So können wir die Situation einschätzen, im Auge behalten und schnell reagieren, wenn die Person Hilfe benötigen sollte.
Ich habe Flugangst, soll ich es der Crew melden?
Jella: Ja, bitte. Wir hatten beispielsweise Mal eine Passagierin, die uns bereits beim Einsteigen gesagt hatte, dass sie Flugangst hat. Der Kapitän hat sich vor dem Start Zeit genommen, um ihr alles zu erklären. Sie bedankte sich dafür herzlich und konnte besser mit der Angst umgehen. Das war eine Win-Win-Situation für alle Seiten.
Peter: Man muss immer bedenken, dass es einem Drittel der Menschen so geht. Bei einer ausgebuchten Boeing 777 wären das also rund 100 Passagiere. Wenn wir wissen, dass jemand Angst hat, können wir die Person je nach Möglichkeit auch näher an die Küche setzen. Hier haben wir sie besser im Blick und können schneller helfen. Wir versuchen stets, eine Lösung zu finden.
Was passiert bei einem medizinischen Problem an Bord?
Peter: Wir sind von der Geburt bis zum Ende eines Lebens für jegliche Situation gerüstet. Das beginnt beim Pflaster und geht bis zum medizinischen Notfall.
Jella: Wir verfügen an Bord über ein First Aid Kit für «kleinere» Notfälle wie Kopfschmerzen oder leichte Verbrennungen sowie ein Medical Kit für eher schwerwiegendere Fälle. Letzteres stellen wir medizinisch ausgebildetem Personal bei Bedarf zur Verfügung. Damit sind nicht nur Ärzt:innen gemeint, sondern auch Hebammen, Pflegekräfte oder sogar Tierärzt:innen. Wir von der Cabin Crew sind zudem ausgebildet, um bei Behandlungen als Assistenz zu unterstützen.
Peter: Aus diesem Grund sind wir auch froh, wenn sich medizinisches Fachpersonal beim Einsteigen bei uns meldet. So können wir sie im Falle eines Notfalls direkt um Hilfe bitten.
Gibt es eine besondere Situation an Bord, die euch noch heute im Gedächtnis geblieben ist?
Jella: Auf einem meiner Flüge haben mir Grosseltern in Spe einen Umschlag für den Kapitän gegeben. Darin stand das Geschlecht ihres Enkelkinds, welches sie bis dann noch nicht kannten. Ihr Wunsch war es, dass der Kapitän ihnen die wichtige Information übergibt, das hat er beim Ausstieg getan.
Peter: Viele besondere Erlebnisse ergeben sich daraus, dass wir Partner der Kinderhilfe Sternschnuppe, eine gemeinnützigen Schweizer Non‑Profit‑Organisation sind, die Kinder mit Beeinträchtigungen oder Krankheiten ein wenig Freude oder Abwechslung schenken möchte. Solche Einsätze sind sehr erdend. Wir sehen so viel Freude in den Augen der Kinder, wenn sie früher einsteigen dürfen, oder mit der Crew das Cockpit besichtigen dürfen.»
Jella: Es sind auch kleine Sachen, die uns im Gedächtnis bleiben. Wie Passagier:innen die man auf dem Flug unterstützt hat und die dann fragen, ob sie einen zum Dank umarmen dürfen.»
Peter: Mich hat auf einem Flug ein Passagier in der Küche aufgesucht und mir gesagt, dass es ihm nicht so gut geht. Ich habe ihm dann verschiedene Vorschläge gemacht. Am Ende sassen wir uns auf den Jump Seats (Sitze der Crew) gegenüber und ich habe einen Grossteil des Fluges seine Hand gehalten. Als Dank hat er mir eine Münze geschenkt, die ich zu einem Ring umarbeiten liess. Jedes Mal, wenn ich diesen Ring anziehe, denke ich dran, was ich alles verändern kann und werde.»
Wie gehen Crew-Mitglieder mit Jetlag um?
Jella: Das ist sehr individuell. Ich persönlich habe zum Glück weniger Probleme. Wer einen guten Schlaf hat, hat es natürlich einfacher. Was ich aber empfehlen kann, sind Schlafsocken, die man auch zuhause im Bett anzieht. Solche Routinen können helfen.
Peter: Dieses Prinzip funktioniert beispielsweise auch mit einem Duftöl, das man aufs Kissen gibt. Man muss ein wenig ausprobieren.
Wie führt ihr Beziehungen, wenn ihr immer unterwegs seid?
Peter: Es braucht sicherlich eine gewisse Flexibilität von Partner:innen und Vertrauen! Eifersucht verträgt sich mit unserem Beruf nicht. Man ist oft in Hotels mit Pools und einer schönen Umgebung und in Gesellschaft unterwegs. Es braucht eine Person, die das mitträgt.
Jella: Es gibt aber auch gute Seiten. Klar, wir sind öfters zwei bis drei Tage weg, dafür haben wir dann auch einige Tage frei, in denen wir uns voll auf unsere Freund:innen und Familie konzentrieren können. Eine Kollegin, die Mami ist, findet, dass der Job super ist und die Arbeit auch ihre «Me-Time» sei. Wenn sie dann aber nach Hause kommt, konzentriert sie sich voll und ganz auf ihre Kinder. Das ist ihr Ausgleich.
Peter: Es gibt auch unter den temporär arbeitenden Kolleginnen viele Mamis. Die mir das ähnlich beschrieben haben.
Macht ihr eigentlich «nur» Service?
Peter: Der Service ist nur ein Teil von vielen Funktionen in unserem Job. Wir sind alle umfassend im Thema Sicherheit ausgebildet und besuchen zu diesem Thema auch jährliche Trainings. Das umfasst auch Feuerlösch- und Evakuierungsübungen, Training mit der Cockpit-Crew, Kommunikationsschulungen, Rollenspiele zum Thema Medical, Erste-Hilfe-Training und einen Test am Ende. Glücklicherweise sehe unsere Passagier:innen so etwas eigentlich nie in Aktion.
Text und Interview: Anja Suter
Fachgespräch: Jella Esch und Peter Krass
Bilder: Swiss und Peter Krass
Publiziert: 16.09.2025