Von der Werkbank in den Hangar: Wie SWISS die Flugzeugtechniker:innen von morgen ausbildet

Hoch hinaus will gut vorbereitet sein. Am Flughafen Zürich bietet SWISS zwei besondere Ausbildungswege im Bereich Flugzeugunterhalt: eine vierjährige Berufslehre als Polymechaniker:in oder Automatiker:in – kombiniert mit der modularen EASA-Ausbildung zur Category-A-Lizenz. In dieser Form ist das schweizweit einzigartig. Doch was begeistert junge Talente wie Marc und Madeleine an der hochpräzisen Welt der Flugzeugtechnik? Ein Besuch in der Lernendenwerkstatt gibt Einblicke.

Es ist ein sonniger Morgen, als wir am Zürich Flughafen den Eingang zur Technik betreten. Im oberen Stock des Gebäudes liegt die Lernendenwerkstatt – das Herzstück der technischen Grundausbildung bei SWISS. Es riecht nach Metall und Maschinenöl, das Surren der Geräte füllt die Luft. Gleich nebenan: der Hangar, wo die Flugzeuge gewartet werden. Ausbildner Stefan Hilber empfängt uns gemeinsam mit Marc Boltshauser und Madeleine Wijnberg – zwei seiner Schützlinge. Noch ist die Werkstatt ihr zweites Zuhause – doch schon bald werden beide in den grossen Flugzeughallen unterwegs sein.

Polymechaniker im 1. Lehrjahr Marc Boltshauser und Automatikerin im 2. Lehrjahr Madeleine Wijnberg im Pausenraum der Lernendenwerkstatt.
Polymechaniker im 1. Lehrjahr Marc Boltshauser und Automatikerin im 2. Lehrjahr Madeleine Wijnberg im Pausenraum der Lernendenwerkstatt.

Technik mit Verantwortung

Aktuell bildet SWISS rund 90 Jugendliche in den Berufen Polymechaniker:in und Automatiker:in in vier Lehrjahren aus. Marc ist im ersten Jahr seiner Ausbildung zum Polymechaniker – und begeistert: «Was wir hier lernen, hat später direkten Einfluss auf die Sicherheit der Flugzeuge.» Gemeinsam mit Automatikerin Madeleine, die im zweiten Lehrjahr ist, und ihren Mitlernenden sammelt er in den ersten beiden Jahren praktische Erfahrung in der Werkstatt. Ergänzend dazu wird an zwei Tagen pro Woche in der Berufsschule das theoretische Wissen vertieft. Ab dem zweiten Lehrjahr startet zusätzlich die Vorbereitung auf die Category-A-Lizenz, mit der sie später einfache Wartungsarbeiten an Flugzeugen übernehmen dürfen.

Die Grundlagen müssen sitzen

Die Ausbildung ist fordernd – aber vor allem faszinierend. Von Anfang an wird viel Wert auf Selbstverantwortung gelegt. Die Lernenden trainieren nicht nur intensiv für die Arbeit an der Maschine, sondern erwerben auch ein tiefes Verständnis für die Flugzeugtechnik. Ähnlich wie Pilot:innen müssen sie wissen, wie und warum ein Flugzeug abhebt – und wie alle Komponenten zusammenarbeiten.

Marc, im ersten Lehrjahr, sagt schmunzelnd: «Theoretisch könnten wir schon ein Flugzeug starten.» Natürlich gehört da noch etwas mehr dazu – aber klar ist: Flugzeugtechniker:innen haben aufgrund ihrer Ausbildung vertiefte Systemkenntnisse. Sie müssen zum Beispiel in der Lage sein, für bestimmte Checks die Triebwerke laufen zu lassen oder einen Flugplan zu programmieren.

Auch Ausbildner Stefan Hilber betont den hohen Anspruch. SWISS investiert viel in die Ausbildung und ins Üben – und öffnet den Lernenden damit viele Türen für die Zukunft. Denn wer hier arbeitet, trägt grosse Verantwortung: «Unsere Techniker:innen geben die Flugzeuge wieder für den sicheren Betrieb frei.»

Ein Tag in der Werkstatt

Diese Verantwortung motiviert. «Etwas selbst zu bauen und zu sehen, dass es funktioniert – das macht richtig stolz», sagt Marc und nimmt uns mit auf einen Rundgang durch die verschiedenen Ausbildungsstationen der Polymechaniklernenden. Hier wird geschraubt, gefräst, gedreht – alles in Millimeterarbeit. «Wir lernen, Pläne zu zeichnen, Drehzahlen zu berechnen und Maschinen präzise zu bedienen.»

Die Arbeit ist vielseitig: In den ersten beiden Lehrjahren fertigen die Lernenden an vier Stationen Schritt für Schritt ihren eigenen Schraubstock – jeder Arbeitsschritt in Eigenregie. Auch kreative Projekte finden Raum, etwa Pfeffermühlen in Turbinen- oder Schlüsselanhänger in Flugzeugform.

Marc hat ursprünglich eine andere Ausbildung begonnen, aber schnell gemerkt: Das ist es nicht. Heute hat er seinen Platz gefunden – zwischen Maschinen, Metallteilen und den vorbeiziehenden Flugzeugen vor dem Fenster.

Vom Tüfteln und Träumen

Auch Madeleine fühlt sich am richtigen Ort. Während bei den Polymechaniker:innen höchste Genauigkeit gefragt ist – ein Fehler bedeutet oft: zurück auf Start-, bietet die Automatik mehr Spielraum zum Tüfteln. «Wenn etwas nicht funktioniert, suche ich nach der Ursache des Problems – und finde Alternativen.» Dieses Ausprobieren und die Vielfalt ihres Berufs begeistert sie: Mechanik, Pneumatik, Programmierung, Verdrahtung – alles in einem. «Neulich haben wir eine Steuerung programmiert und verdrahtet – das war richtig spannend.»

Madeleines Leidenschaft für Technik und Fliegerei endet nicht nach Feierabend – im Gegenteil: Zuhause hat sie eine eigene Radaranlage gebaut, mit der sie wie bei «Flight Radar» Flugzeuge am Bildschirm verfolgen kann - und von ihren nächsten Ferien träumen darf.

Expert:innen von morgen

Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte arbeiten die Polymechaniker:innen und Automatiker:innen eng zusammen. Vereinfacht gesagt: «Die eine Person kümmert sich um die Reparatur und Wartung der mechanischen Komponenten wie Triebwerke und Fahrwerke, während die andere für die Verdrahtung und Inbetriebnahme der elektronischen Systeme verantwortlich ist, etwa für die Steuerung der Flugzeugbeleuchtung oder der Kommunikationssysteme», erklärt Stefan Hilber. Beide müssen sich verstehen – und ein Stück weit in die Welt des anderen eintauchen können.

Was auffällt: Marc und Madeleine sind schon jetzt echte Profis auf ihrem Gebiet. Selbstbewusst erklären sie Abläufe, nutzen Fachbegriffe intuitiv – auch die zahlreichen Abkürzungen der Aviatik sind für sie längst Alltag. Doch es geht um mehr als nur technisches Know-how: «Ein grosser Teil des Unterrichts ist auf Englisch», erzählt Marc. «So lernen wir, uns in einem internationalen Umfeld zu bewegen.»

Mit SWISS abheben

Die Begeisterung für die Luftfahrt ist überall spürbar – auch in der Werkstatt, wenn wieder ein Flieger am Fenster vorbeirollt. «Hier fühlt man sich zuhause», sagt Madeleine. Besonders schätzt sie die offene Kultur bei SWISS: «Alle sind per Du – sogar mit dem CEO.» Das schafft Nähe und Teamgeist.

Für Marc und Madeleine ist klar: Ihre Ausbildung bei SWISS ist mehr als ein Berufseinstieg – es ist der Start in eine Zukunft mit Perspektive. «Jeder Tag bringt etwas Neues», sagt Madeleine. «Und ich freue mich auf alles, was noch kommt.»

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Text and Fotos: Tanja Fegble

 

Veröffentlicht am 09.05.2025