Risiken im Blick, Rhythmus im Blut – Roman zwischen Aviation Security und Stepptanz

Die Schritte sind präzise, Metall trifft im Takt auf den Boden. Das rhythmische Klacken der Stepptanzschuhe füllt den Raum. Ein kurzer Blick in den Spiegel, Konzentration, dann setzt die Musik wieder ein. Nur wenige Stunden zuvor sass Roman Bieri noch im Büro und sprach über Sicherheitsrisiken im internationalen Flugbetrieb. Zwei Welten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben – und doch bestimmen sie seinen Alltag.

Roman arbeitet in der Aviation Security für SWISS. Einen klassischen Arbeitstag gibt es in seinem Beruf kaum.
«Unser Job ist sehr vielseitig», sagt er. Mal sitzt er im Büro des SWISS Headquarters und stimmt sich mit verschiedenen Bereichen der Airline ab, mal ist er unterwegs auf internationalen Stationen. Flughäfen, Sicherheitsbereiche und Besprechungsräume wechseln sich ab. Vor Ort führt er Audits, Inspektionen und Qualitätskontrollen durch, überprüft Prozesse oder analysiert Sicherheitsstrukturen direkt im Betrieb.

Aviation Security beschäftigt sich mit Gefahren, die bewusst entstehen könnten. «Wir sprechen von Intention», erklärt er. «Also von Menschen oder Organisationen, die der Zivilluftfahrt absichtlich schaden wollen.» Aufgabe seines Teams ist es, Risiken früh zu erkennen, Verwundbarkeiten sichtbar zu machen und sicherzustellen, dass Schutzmassnahmen greifen. Das bedeutet vor allem eines: aufmerksam bleiben. Immer. «Man möchte nichts verpassen», sagt Roman. Sein persönlicher Anspruch ist klar formuliert: Am Ende des Tages will er sagen können, dass er nicht nur das Notwendige erledigt hat, sondern alles, was möglich war.

«Das Wichtigste ist, immer aufmerksam zu bleiben. Man möchte nichts verpassen.»

Roman Bieri
Aviation Security bei SWISS & Stepptänzer

Besonders greifbar wird die Bedeutung seiner Arbeit während Audits. Dann, wenn aus entdeckten Schwachstellen konkrete Verbesserungen entstehen. «Dann weiss man, dass man etwas für die Sicherheit getan hat. Nicht nur für unsere Airline, sondern für alle.» Was von aussen oft unterschätzt wird, sind weniger die Regeln als die Perspektive dahinter. Gute Aviation Security bedeutet auch, sich in mögliche Angreifer hineinzudenken und gleichzeitig ein starkes Netzwerk mit Behörden und Partnern zu pflegen.

Wenn Regeln Pause haben
In der Aviation Security geht es darum, Regeln einzuhalten und genau hinzusehen. Beim Stepptanz erlebt Roman das Gegenteil – zumindest auf den ersten Blick. «Beim Tanzen gibt es keine Compliance», sagt er schmunzelnd. «Alles ist erlaubt, was Spass macht, und dem Publikum gefällt.» Genau dieser Kontrast macht für ihn den Ausgleich aus. Dass er einmal selbst auf einer Bühne stehen würde, war lange nicht geplant. «Tanzen war etwas, das andere machen. Ich tanzte maximal auf Hochzeiten, wenn überhaupt.»

Der Wendepunkt kam bei einem Besuch an der Schweizermeisterschaft in der Westschweiz. Roman sass damals im Publikum, um seine Tochter zu sehen, die mit ihrer Stepptanzgruppe auftrat. Während auf der Bühne Schuhe im Rhythmus über das Parkett klackten, passierte etwas Unerwartetes. «Da hat es klick gemacht», erinnert er sich. «Ich wollte – nein, ich musste auf diese Bühne.»

«Ich wollte – nein, ich musste auf diese Bühne.»

Roman Bieri

Ein Jahr später stand er dann selbst dort. Nach Monaten des Übens, zuerst im Keller des eigenen Hauses, Schritt für Schritt vor dem Spiegel, später gemeinsam mit der Tanzgruppe des Studios, das auch seine beiden Töchter besuchen.

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Roman Bieri beim Training, voll fokussiert und im Rhythmus.

Eine Leidenschaft für die ganze Familie
Heute ist Stepptanz zu einer gemeinsamen Familienleidenschaft geworden. Trainings, Auftritte und Meisterschaften verbinden. «Es hat unseren Zusammenhalt enorm gestärkt», sagt Roman. Alle verstehen einander, weil sie dieselbe Begeisterung teilen.

Dabei lernt er genauso viel wie seine Kinder. Von ihnen nimmt er die Leichtigkeit mit, Dinge einfach auszuprobieren. Sie profitieren wiederum von seiner strukturierten Art, besonders dann, wenn Organisation gefragt ist. Was Roman bis heute fasziniert, ist die besondere Verbindung von Musik und Bewegung. «Man hört die Musik nicht nur, man erzeugt sie selbst.»

«Man hört die Musik nicht nur, man erzeugt sie selbst.»

Roman Bieri
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Roman Bieri mit seiner Tap-Gruppe vor einem Auftritt.

Viele reagieren überrascht, wenn sie erfahren, dass Roman Stepptanzt. Für viele passt ein kreatives Bühnenhobby nicht sofort zu jemandem aus der Sicherheitswelt. Doch genau diese Gegensätze geben ihm Balance: Die Präzision aus der Arbeit hilft bei Meisterschaften, der Tanz bringt Leichtigkeit in den Alltag. Wenn der Rhythmus einsetzt, zählt für einen Moment nur noch der nächste Schritt, begleitet vom gleichmäßigen Klacken der Schuhe auf der Bühne.

Für Roman ist das mehr als ein Hobby. Es ist eine Botschaft: Es ist nie zu spät, eine Leidenschaft zu entdecken und zu verfolgen. Aus einem kleinen Funken wurde ein Feuer, das ihn 2024 mit dem Gewinn der Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft in Prag im Swiss National Team krönte. Diese Geschichte hat er in seinem Buch Plötzlich Stepptänzer festgehalten, das im Sommer 2025 erschien. «Mein Buch soll zeigen, dass jeder seinen Traum leben kann», sagt er. «Mut zu haben, etwas zu wagen und dem eigenen Funken, egal in welchem Bereich, die Chance zu geben, zum Feuer zu werden, kann alles verändern.»