Wenn die Schweizer Nati fliegt, kommt sie ins Spiel

Wann immer das Schweizer Fussball-Nationalteam im Ausland spielt, sind die Spieler kurz davor mit grosser Wahrscheinlichkeit zusammen mit Silvia De Vito Biason im Flugzeug gesessen. Als Schnittstelle des SWISS Sponsoring Teams zum Schweizer Fussballverband sorgt sie dafür, dass die Flüge an Auswärtsspiele reibungslos klappen und das Team pünktlich an ihren Spielorten ankommt – und dabei kein Wunsch offen bleibt.

Sobald der Schweizer Fussballverband (SFV) den Nati-Spielplan publiziert, greift Silvia vom SWISS Sponsoring-Team zum Telefon. So früh wie möglich informiert sie ihre Ansprechpartner, dass neue Flüge für das Nationalteam anstehen. Damit startet sie eine Kettenreaktion über viele verschiedene Teams – von SWISS bis zur Luftfahrtbehörde des Bundes. Die Kolleg:innen der Netzwerkplanung suchen einen geeigneten «Slot», ein Zeitfenster im bereits bestehenden Flugplan und stellen ein passendes Flugzeug bereit. Die Crew-Planung kontaktiert ihre erfahrenen Cabin Crew Member und Pilot:innen, die speziell für solche Promi-Einsätze geschult sind. Die Kolleg:innen von der Ground Operations in Zürich und von der entsprechenden Zieldestination stellen sicher, dass die Fussballstars so privat und sicher wie möglich durch die Sicherheitskontrollen und Wege am Flughafen kommen. Das Catering-Team stellt eine Auswahl an Menüs zusammen und berücksichtigt die Wünsche der Spieler:innen. Und nicht zuletzt genehmigt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) die Durchführung des Spezialprozesses am Flughafen Zürich.

«Im Büro unter meinen Kolleg:innen bin ich die Fussball-Frau, und bei den Spielern die SWISS Frau.»

Silvia De Vito Biason
SWISS Sponsoring Team

Ein Linienflug mit Spezialgästen
Die Vorbereitung für den Flug nach Los Angeles an die Fussball-WM in Nordamerika begann bereits im Januar, und verlief etwas anders als gewohnt. Anstatt ein Flugzeug zu chartern, flogen die Spieler in einem regulären Linienflug, auf dem Silvia die ganze SWISS Business Kabine für sie reserviert hatte. Doch auch die anderen Gäste im «Nati-Flugzeug» kamen nicht zu kurz: Im Voraus hat sie von Gate Gourmet alle Sitze mit einem Schweizer Fussball-Trikot beziehen lassen, das die Gäste behalten durften. Auch sonst lassen sich Silvia und ihr Team einiges einfallen, um den Spielern und ihrer Entourage ein rundum schönes Flugerlebnis zu bieten.

Was nie fehlen darf: individualisierte Kopfstützenbezüge, auf denen auf dem Hinflug ein «Hopp Schwiiz» und dem Heimflug ein «Welcome Home» aufgedruckt ist. Das Menü auf den Flügen kann das Team selbst auswählen und ist speziell auf die Bedürfnisse der Sportler zugeschnitten. Während der letzten Europa- und Weltmeisterschaften erhielten zudem alle Gäste auf SWISS Flügen speziell bedruckte SWISS Schöggeli, um auch in der Luft Fussballstimmung zu verbreiten.

Mit Herz an Bord
Nebst all den Goodies ist es aber vor allem die persönliche Betreuung, die ein Flugerlebnis ausmacht. Dass Silvia seit so vielen Jahren dabei ist, hat sie zur Vertrauensperson der Spieler gemacht, wann immer sie mit der Mannschaft in die Ferne fliegt. Sie nennen sie liebevoll die «SWISS Frau». Silvia lächelt: «Im Büro unter meinen Kolleg:innen bin ich die Fussball-Frau, und bei den Spielern die SWISS Frau». Es gebe aber auch Spieler, die nicht sonderlich gerne fliegen. Es habe einmal einen Spieler gegeben, der ziemlich Flugangst hatte. Die Crew ist darauf geschult. In einem so persönlichen Rahmen, wie es die Fussballer mit der Flugzeugbesatzung erleben, können solche Anliegen sogar noch besser angegangen werden. Der Kapitän auf besagtem Flug hat den Spieler sofort an die Hand genommen, um ihm die Angst zu nehmen. Er erklärte ihm das Fliegen und die Rolle der Crew in den Worten, die er am besten versteht: «Eine Flugcrew ist wie eine Fussballmannschaft: auch wir haben Sicherheitsschleusen, bevor der Ball ins Goal fällt. Jeder im Team spielt dabei eine Rolle.» Mit anderen Worten: So wie die Trainer ihre Spieler auf jede Situation vorbereiten, brieft sich auch die Crew für diverse Eventualitäten vor jedem Flug.

Wenn der Plan B zum Plan A wird
Nicht immer läuft alles wie am Schnürchen, doch dies gehört in der Luftfahrt ein bisschen dazu. In solchen Fällen ist es umso wertvoller, dass Silvia nach zehn Jahren ein verlässliches Netzwerk hat. Sie ist sich sicher: «Alles lässt sich lösen, wenn du die richtigen Kontakte hast.» Doch sie überlässt auch nichts dem Zufall. Am Tag des Abfluges gilt volle Konzentration, und Silvia hat ihre Rituale: Etwa eine Stunde vor dem Crew-Briefing betritt sie das Büro von Network Operations Control, um sicherzustellen, dass das bestellte Flugzeug zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht. Und in der Tat ist es schon vorgekommen, dass in der Planung eine falsche Zeit eingetragen war – was sich erst am Tag des Abfluges herausstellte. Zum Glück blieb es bei einer kleinen Verspätung.

Spontan zum zwölften Mann
Die EM 2020, die wegen Covid-19 auf 2021 verschoben wurde, beschreibt Silvia als verrückteste Zeit in ihrer Karriere mit dem SFV. Zur Komplexität beigetragen hat, dass die Austragungsorte dieser EM in ganz Europa verteilt waren. Dies bedeutete, dass sie das Team von Stadt zu Stadt fliegen musste. Silvia erzählt: «Wir hatten im Vorfeld einen grossen Charterplan aufgestellt, doch nach der dritten Etappe haben wir alles auf den Kopf gestellt.» Das Team und Silvia waren in Baku (Aserbaidschan) und der Plan war eigentlich, das Flugzeug und die Crew nach Zürich zurückzuschicken und die Spieler zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzuholen. Doch der Verband entschloss sich, bereits früher als geplant von Baku an den nächsten Spielort abzureisen. Nach Absprachen mit der Network- und Crew-Planung in Zürich, blieb das Flugzeug und mit ihm auch die Flug-Crew direkt in Baku. Ein Problem: Für Baku braucht man jedoch ein Visum. Glücklicherweise galt während der EM ein Turnier-Ticket als Einreisedokument. Die Lösung war naheliegend: Die ganze Crew brauchte Tickets – und natürlich die passenden Schweiz-Trikots dazu. Silvia organisierte alles. So kam es, dass die Crew am nächsten Tag nicht wie geplant den Rückflug nach Zürich antrat, sondern spontan selbst die Schweizer Nati am Match Schweiz-Türkei anfeuerte.


Wenn Fussballstars einfach Menschen sind
Was war der schönste Moment in zehn Jahren? Silvia hat mehr als eine Antwort. Wenn sie wählen müsste, dann wäre es der Moment, als das ganze Team an Bord für sie «Happy Birthday» gesungen hat. Silvias Geburtstag liegt nämlich im sogenannten «FIFA-Fenster», also genau in dem Zeitraum, in welchem die Nati jeweils ihre Spiele hat. Doch sie ist nicht die Einzige, die schon an Bord gefeiert wurde: Im Oktober 2021, auf dem Flug nach Vilnius zur WM-Qualifikation gegen Litauen, feierte Xherdan Shaqiri seinen 30. Geburtstag. So ein wichtiger Tag musste auch an Bord gebührend gefeiert werden. Nicht nur der Fussballverband selbst, auch die SWISS Crew hatte eine Überraschung für ihn vorbereitet. «Dies sind dann immer diese ganz persönlichen Momente, in denen die Spieler einfach ganz normale Menschen sind», schwärmt Silvia.

Auch sonst ist der Umgang herzlich. Wenn die Spieler über die Treppe das Flugzeug betreten und Silvia an der Tür steht, beginnt ein ausgedehntes Begrüssungsritual. «Ich möchte sie natürlich möglichst schnell an Bord lassen», sagt sie lachend, aber die persönlichen Begegnungen mit den Spielern und dem Verband, die sie seit zehn Jahren kennt und schätzt, sind es, die diesen Job besonders machen. Zu der Stelle kam sie übrigens über eine interne Stellenausschreibung, als sie bereits bei SWISS gearbeitet hatte. «Du musst nicht Fussballfan sein», sagt sie. «Aber es macht den Job sicherlich einfacher, wenn du dich dafür interessierst.»

Fan und Profi in einem
Wenn die Nati an der WM spielt, schaut Silvia mit zwei Augen auf das Spiel – und eines davon ist nie ganz entspannt. Das Ergebnis bestimmt nämlich, ob für sie Arbeit ansteht. Sie erinnert sich noch gut an die EM 2021, als Yann Sommer den entscheidenden Penalty gegen Frankreich gehalten hat: «Ich sass mit einem Auge als Fan vor dem Fernseher und mit dem anderen bereits am geöffneten Laptop.»

Was sie sich für die Fussball-WM in Nordamerika wünscht: Dass die Schweizer Nati möglichst weit kommt – aus sportlichen, aber auch aus logistischen – und natürlich persönlichen Gründen. Ein bisschen Raum zum Träumen lässt sie sich offen: «Und dass wir das Team als Sieger nach Hause holen dürfen.»