Neben den Jets fliegen am Flughafen Zürich auch zahlreiche Greif- und Schwarmvögel. Dazu gehören beispielsweise der Turmfalke, Mäusebussard, Rotmilan und die Rabenkrähe, seltener auch der Graureiher sowie verschiedene Eulen- und Taubenarten oder der Mauersegler. Die Flughafen Zürich AG (FZAG) bewirtschaftet ihre Grünflächen aktiv. Dies tut sie nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch, um Flugsicherheit und Naturschutz im Gleichgewicht zu halten und Vogelschläge zu minimieren. Dazu arbeiten SWISS und der Flughafen Zürich AG eng zusammen. So melden beispielsweise SWISS Pilot:innen (vermutete) Vogelschläge umgehend der FZAG, damit die Piste überprüft werden kann und um zu eruieren, wann Ereignisse mit welchen Vogelarten aufgetreten sind. Gleichzeitig rapportiert die Besatzung den Fall intern, so dass daraus wertvolle Daten extrahiert und Trends erkannt werden können. Schliesslich ist es das gemeinsame Ziel, einen sicheren Flugbetrieb zu gewährleisten.
Die Arbeitsgruppe «Vogelschlag» trifft sich regelmässig und bündelt Experten-Knowhow von SWISS, der FZAG, Skyguide, dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) sowie der Vogelwarte Sempach. Heute begleiten wir Urs Kempf, Leiter Grünflächen FZAG, auf einen Streifzug durch die Grünflächen am Flughafen und treffen da auch auf Wildhüter Oliver Beck.
Schutz von gefiederten und metallenen Vögeln
Ein Teil des Flughafenareals steht unter Naturschutz. «Für mich ist das Flughafenareal das schönste Naturschutzgebiet der Schweiz», schwärmt Urs, während er die Grünflächen am Flughafen mit ihren Bewohnern beobachtet. Er hat zwei Herzen in der Brust: Genauso wie seine Leidenschaft den Wildtieren und ihren Lebensräumen am Flughafen gilt, begeistert er sich auch für die Aviatik. Und selbst in diesem Spannungsfeld gilt: Safety First. «Dies bedeutet jedoch nicht, einfach alle Vögel vom Flughafengelände zu vergrämen, denn das wäre nicht nachhaltig», erklärt Urs anhand von Beispielen. Die Grünflächen auf dem Flughafengelände sind mit ihren Rückzugsmöglichkeiten und dem Nahrungsangebot für Vögel schlichtweg zu attraktiv. Daher ist es das Ziel von Urs und seinem Team, den Lebensraum Flughafen so zu gestalten, dass sich möglichst wenige Vögel dauerhaft dort ansiedeln.
«Für mich ist das Flughafenareal das schönste Naturschutzgebiet der Schweiz»
Leiter Grünflächen FZAG
Wenig Mäuse bedeutet wenig Greifvögel
So wird beispielsweise das Gras nicht gleichzeitig beidseits der Piste gemäht, um Suchflüge von Greifvögeln quer über die Piste möglichst zu vermeiden. Denn auf frisch gemähter Fläche findet sich die Beute einfacher als im hohen Gras. Ein weiteres Beispiel, wie Urs sich die Natur zu Nutze macht, ist der so genannte Mäusezaun. Dieser rund vier Kilometer lange und 40 Zentimeter hohe Mini-Zaun mit Mäusefallen entlang dem Mähstreifen am Pistenrand hält Mäuse und somit auch Greifvögel von den Flugzeugen fern. Die Selbstbedienungsfallen bieten Mäusen, welche entlang des Zauns gehen, vorerst Unterschlupf. Sie können hinein, jedoch nicht mehr hinaus. Die schlauen Füchse können diese Lebendfallen mit ihren Läufen selbständig öffnen und riechen jeweils schon von Weitem, ob in der entsprechenden Falle eine Maus festsitzt. Auch Wiesel sind hervorragende Mäusejäger und daher willkommene Gäste am Flughafen. Aus diesem Grund hat die FZAG in einem speziellen Wieselprojekt eine grosse Anzahl Asthaufen angelegt, die den Vierbeinern einen idealen Lebensraum und Unterschlupf bieten.
In einem Fall wurden in einem bestimmten Gebiet des Flughafens häufig Ringeltauben beobachtet. Diese haben sich wegen eines Kiesparkplatzes besonders gerne dort aufgehalten, weil diese Taubenart Kieselsteine schluckt, um damit ihre harte Nahrung zu zermahlen. Schliesslich wurde der Rundkies durch gebrochene Gesteinskörnung ersetzt. Dadurch suchen sich die Ringeltauben ihre Magensteine nun nicht mehr in Pistennähe und stellen auch keine Gefahr mehr für die Flugzeuge dar.
Die Vögel sollen sich nicht in die Quere kommen
Trotz aller präventiver Massnahmen kommt manchmal das Vergrämen (Vertreiben) zum Einsatz. Dabei ist oberstes Ziel, nicht einen Vogelschlag auf einer anderen Piste zu verursachen. Deshalb wird die Vergrämung, beispielsweise mit Knallpetarden, ausschliesslich von ausgebildeten Wildhüter:innen und von der Airport Authority vorgenommen. Schliesslich kennen die Expert:innen die Vogelarten, ihr Verhalten und ihre Fluchtwege haargenau. Wildhüter Oliver demonstriert, wie er mit Warnschüssen Grossvögel vertreibt, denn bei diesen gibt es in puncto Sicherheit eine Nulltoleranz. Doch allzu oft darf er dies nicht tun, denn beispielsweise die Rabenkrähe ist so intelligent, dass sie Knallpetarden oder Laser nach kurzer Zeit nicht mehr ernst nimmt. Sie erkennt Fahrzeuge, Personen und somit auch Wildhüter:innen auf ihrer Kontrollfahrt.
So steht bei jeder Massnahme das Zusammenspiel der verschiedenen Tierarten in der Natur im Zentrum. Klar ist: Die Arbeit geht den Wildhüter:innen und der Arbeitsgruppe Vogelschlag nie aus. Vögel können nicht mittels Zaun vom Flughafen ferngehalten werden. Ihren Lebensraum im einem solch attraktiven Naturparadies möglichst ungemütlich zu gestalten, ist eine in sich widersprüchliche Aufgabe. Doch im Namen der Flugsicherheit eine äusserst sinnvolle, für die kleinen und die grossen Vögel. Für die Natur und Technik.
Interessierst du dich für mehr Informationen? Dann hör dir den FZAG Podcast an:
«Dominique Conrad, welche Tiere tummeln sich auf dem Flughafenareal?»
🎧 Spotify
🎧 Apple Podcasts
Text & Fotos: Nicole Jansen & Balthazar Schwager
Veröffentlicht am 04. Juni 2025