Zwischen Cockpit, Hörsaal und Branchenpolitik

Was als Kindheitstraum begann, hat sich zu einer Laufbahn entwickelt, die weit über das Fliegen hinausgeht. Peter Wild verbindet Cockpit, Ausbildung und Branchenpolitik und gestaltet die Luftfahrt dabei an mehreren Schnittstellen gleichzeitig mit.

«Als kleiner Bub wollte ich immer fliegen, aber ich habe gedacht, das schaffe ich nicht.»

Peter Wild
Pilot und Senior Type Rating Examiner bei SWISS, Lehrbeauftragter an der ETH Zürich & Vorstandsmitglied bei AeroSuisse

Ein Leben für die Luftfahrt
«Als kleiner Bub wollte ich immer fliegen, aber ich habe gedacht, das schaffe ich nicht.» Ein Satz, der heute fast beiläufig wirkt, gemessen an der Laufbahn von Peter Wild. Was als scheinbar unerreichbarer Traum begann, entwickelte sich zu einer Karriere in der Luftfahrt. Der Einstieg kam, wie Peter selbst sagt, «wie die Jungfrau zum Kind». Während seines Studiums flog er bereits nebenbei, erwarb die Privatpilotenenlizenz und arbeitete als Fluglehrer. Ein zufälliges Gespräch am Flugplatz führte schliesslich zur Rega und damit zum professionellen Einstieg in die Fliegerei.

Vier Jahre flog er dort auf dem Jet, bevor es ihn weiterzog. «Irgendetwas Grösseres fliegen wäre schon noch gut», habe er sich damals gedacht, sagt mir Peter. Er bewarb sich bei der Swissair, startete auf der MD80 und wechselte aufgrund des hohen Pilotenbedarfs rasch auf grössere Flugzeugtypen (B747, MD11, A330 & A340). Später wurde er Kapitän auf dem Airbus A320 und gehörte schliesslich zu jener kleinen Gruppe, die den A220 bei SWISS einführte.

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Als Senior Type Rating Examiner bildet Peter Wild im Flugsimulator Pilot:innen auf dem Airbus A220.

Vom Linienpiloten zum Ausbildner
Heute ist Peter immer noch auf dem A220 tätig, nicht nur als Pilot, sondern vor allem als Ausbilder. Als Senior Type Rating Examiner gehört er zu einer kleinen Gruppe von Spezialisten, die Copilot:innen, Kapitän:innen und sogar Instruktor:innen ausbilden und prüfen. Im Simulator werden Notverfahren, Systemausfälle oder komplexe Wettersituationen trainiert, im Cockpit selbst rücken operative Fragen in den Vordergrund: Wie wird ein Flug organisiert? Wie funktioniert die Zusammenarbeit in der Crew und am Boden?

Im Zentrum steht für Peter jedoch der Mensch. «Am ersten Tag frage ich mich: Wer sind meine Trainees?» Entscheidend sei, Stärken und Schwächen früh zu erkennen und die Ausbildung darauf auszurichten. Denn, obwohl das Profil der Trainees durch die Selektion ein ähnliches ist, können sie sich in den Lernweisen unterscheiden. Genau hier setzt seine Arbeit an: Inhalte so zu vermitteln, dass sie wirklich ankommen.

Mit den Jahren ist diese Fähigkeit zunehmend intuitiv geworden. Neben dem fliegerischen Know-how gehe es vor allem um Feingefühl im Umgang mit Menschen. «Der Erfolg der Trainees ist auch mein Erfolg», sagt er und beschreibt damit auch seinen Anspruch an die eigene Arbeit.

Heute verbringt er den Grossteil seiner Zeit in der Ausbildung. Flüge ohne Instruktionsfunktion sind selten geworden, sind aber gleichzeitig etwas Besonderes: «Ein bis zwei Tage im Monat fliege ich einfach von A nach B – das ist fast wie Ferien», meint Peter. Das Schöne ist, man müsse niemandem «auf die Finger luege», man mache es am Schluss aber trotzdem, fügt er mit verschmitztem Lächeln hinzu.

Vom Cockpit an die ETH
Parallel zu seiner Tätigkeit bei SWISS hat sich Peter über die letzten zwölf Jahre an der ETH Zürich eine zweite Karriere aufgebaut. Was mit der Anfrage begann, ob er den Bereich Luftfahrt aufbauen wolle, entwickelte sich zu einem der prägendsten Lehrangebote in diesem Feld: Rund 650 Studierende besuchen inzwischen die Kurse «Aviation I» und «Aviation II». 

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Peter Wild unterrichtet im Rahmen der ETH-Vorlesung „Aviation I & II“ Studierende mit praxisnahen Einblicken in die Luftfahrt.

«Ich habe immer gesagt, dass ich keine Theorie vermitteln will, sondern das, was an der Front passiert.»

Peter Wild

Peters Ansatz ist dabei bewusst praxisnah. Inspiriert vom Credo «Real World Learning» setzt er auf reale Einblicke statt auf abstrakte Theorie: «Ich habe immer gesagt, dass ich keine Theorie vermitteln will, sondern das, was an der Front passiert», so Peter. Exkursionen zum Flughafen Zürich, Einblicke in operative Prozesse und Gastreferate aus der Industrie gehören in seinen Vorlesungen ebenso dazu wie aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit. Die Inhalte werden dabei jährlich basierend auf Feedback der Studierenden überarbeitet.

Die hohe Qualität der Lehre spiegelt sich auch in der Auszeichnung mit der «Goldenen Eule» wider, die vom Studierendenverein der ETH an besonders herausragende Lehrveranstaltungen vergeben wird. Für Peter ist diese Anerkennung vor allem eines: «eine grosse Genugtuung» - und ein Beweis dafür, «dass wir das Richtige machen».

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Die "Goldene Eule“ der ETH würdigt herausragende Lehrveranstaltungen.

Brücke zwischen Forschung und Industrie
Zusätzlich zu seinen Tätigkeiten im Cockpit und im Hörsaal engagiert sich Peter auch auf Branchenebene. Als Vorstandsmitglied der Kommission für Bildung, Forschung und Innovation bei AeroSuisse – dem Dachverband der Schweizer Luft- und Raumfahrt – bewegt er sich dort, wo Industrie, Forschung und Politik zusammenkommen. In seiner Rolle verantwortet er unter anderem die Weiterentwicklung der Pilotenausbildung auf Stufe Höhere Fachschule (HF), die neuerdings auch um die Grundlagen in VWL und BWL erweitert wurde. 

Zur AeroSuisse kam Peter, wie so oft in seiner Laufbahn, eher beiläufig: «Ich wurde mal gefragt, dann habe ich einfach mitgemacht.» Später übernahm er das Präsidium der Kommission. Heute vertritt er ein Netzwerk von rund 130 Unternehmen und ist damit nah an den zentralen Fragen der Branche wie etwa dem Pilotennachwuchs oder den neuen Berufsbildern in der Luftfahrt. Initiativen wie ein Youth Congress oder der Academic Aviation Day sollen gezielt junge Talente für die Branche gewinnen.

Gleichzeitig sieht Peter vor allem im Zusammenspiel von Forschung, Staat und Industrie noch Potenzial. Gerade im Bereich der Nachhaltigkeit sei man auf eine engere Zusammenarbeit angewiesen: Die Forschung brauche klare Impulse aus der Industrie und die entsprechenden Mittel vom Staat, denn nur so könne langfristig Fortschritt entstehen, meint der Luftfahrt-Allrounder mit klarem Blick auf die Zukunft der Branche.

Ein Pilot bleibt Pilot
Trotz seiner zahlreichen Tätigkeiten ist Peter eines geblieben: Pilot. Auch wenn der Anteil am reinen Fliegen kleiner geworden ist, bildet es weiterhin den Kern seiner Arbeit und seiner Motivation.

Seine Laufbahn zeigt, wie vielfältig eine Karriere in der Luftfahrt sein kann: vom Cockpit über die Ausbildung bis in die akademische Lehre und Branchenpolitik. Dabei bleibt der Eindruck eines bodenständigen, reflektierten Kenners, dessen Weg weniger das Resultat eines festen Plans als einer konsequent gelebten Begeisterung fürs Fliegen ist. Eine Begeisterung, die ihn angetrieben hat und die er heute in der Ausbildung weitergibt.