#1 The Standard Brussels, Brüssel
Kaum eine andere Stadt in Europa ist so kosmopolitisch wie Brüssel: Über 40 Prozent der Einwohner sind ausländische Staatsbürger. Zudem hat die belgische Metropole den höchsten Anteil junger Menschen in der EU – noch vor Paris und Dublin. Beste Voraussetzungen für ein lebendiges Stadterlebnis. Sehenswürdigkeiten, Museen, Galerien und Restaurants sind bequem zu Fuss erreichbar. Vom Büro- und Hochhausviertel «Quartier Nord» sind es zwanzig Gehminuten zum historischen Grand-Place. Im Mai 2025 eröffnete hier das 200-Zimmer-Hotel der angesagten «Standard»-Kette – das dreizehnte weltweit (DZ ab ca. 180 EUR). Highlight ist das Rooftop-Restaurant «Lila29» im 29. Stock mit Cinemascope-Panorama und iberischen Sharing-Plates. Im Erdgeschoss schliesst sich an das Hauptrestaurant «Double Standard» das «Greenhouse» an – ein spektakuläres Gewächshaus, das auch für Veranstaltungen genutzt wird. Für 2026 und 2027 sind weitere «Standard»-Ableger in Lissabon und Dublin angekündigt.
#2 The Welbeck, London
Hinter seiner edwardianischen Fassade war das Hotel schon ein Flüstertipp, als es noch als «Holiday Inn» firmierte. Nach kompletter Renovierung erstrahlt es seit Anfang 2025 als «The Welbeck». Die 164 stilvoll-kompakten Zimmer (ab ca. 260 GBP) bieten alles, was man braucht, aber nichts Unsinniges darüber hinaus. Die meisten haben jedoch keine nennenswerte Aussicht. Für London-Blicke empfiehlt sich ein Frontzimmer in den oberen Etagen – idealerweise mit einer Nummer, die auf 73 bis 77 endet. Die zentrale Lage im eleganten Marylebone-Viertel ist privilegiert und bietet Ruhe trotz Grossstadt. Zur Oxford Street, Londons renommierter Einkaufsmeile, sind es nur wenige Schritte. Wer nach einem intensiven Shopping- oder Sightseeing-Tag nicht mehr ausgehen möchte, findet in der entspannten Hotelbar kleine Gerichte bis spätabends. Eine frei nutzbare Fotokabine mit historischen Requisiten wie Zylindern und Schnurrbärten am Stiel sorgt dabei für originelle Erinnerungsbilder. Das «Welbeck» hat nur einen Nachteil: Es ist oft früh ausgebucht.
#3 Cristine Bedfor Guest House, Málaga
Nach Mahón (Menorca) und Sevilla hat die ehemalige Journalistin Cristina Lozano nun ihr drittes Guest House aufgemacht, diesmal im verwinkelten, von maurischen Einflüssen geprägten Gassengewirr Málagas. Wie bei den Schwesterbetrieben steht die Philosophie der Gastgeberin im Mittelpunkt, ihren Gästen einen Schlüssel zum authentischen Erleben der quirligen Altstadt zu bieten – sei es in den wohnlichen Gemeinschaftsbereichen mit kleinem Bistro oder bei Besuchen befreundeter Kunsthandwerker, Künstler und Modemacher. Auch in ausgesuchten Lokalen der andalusischen Stadt öffnet das liebenswerte Hotelteam Türen und sorgt dafür, dass die «Bedfor»-Gäste überall besonders aufmerksam empfangen werden. Es gibt drei Dutzend Zimmer (ab ca. 200 EUR), hier jedoch mit einer lebhafteren Gestaltung als bei den beiden anderen Häusern – nicht zuletzt dank der Handschrift der jungen spanischen Designerin Marta de la Rica. Sie kombiniert mutig Farben und Ornamente, schöpft aus der vielfältigen Palette und den kulturellen Einflüssen Andalusiens und ergänzt das Ganze feinsinnig mit Kunst, Textilien und Vintage-Mobiliar.
#4 The Hoxton Vienna, Wien
Am nördlichen Ende des Stadtparks, in den früheren Räumlichkeiten der Österreichischen Wirtschaftskammer, liegt heute das «Hoxton Vienna». Der schlichte Nachkriegs-Bürobau bildet einen markanten Kontrast zum Wiener Klassizismus und Jugendstil und interpretiert die Midcentury-Ästhetik stilsicher neu: Terrazzo-Böden, Vintage-Mobiliar aus den 1940er-Jahren sowie Textilien und Keramik in den Farben und geometrischen Mustern der Wiener Werkstätte. Im Parterre lockt das Restaurant «Bouvier» mit französischer Bistroküche, eine Etage tiefer erwartet die Underground-Bar «Salon Paradise» Gäste mit Live-Jazz. Auf dem Dach sorgen eine stylische Cocktailbar und ein kleiner Rooftop-Pool für Entspannung – mit Blick auf den Stephansdom. Von den 196 Zimmern (ab ca. 180 EUR) messen die meisten nur 15 bis 19 Quadratmeter (die kleinsten, als «Shoebox» bezeichnet, sind noch kompakter). Wer sich etwas mehr Platz gönnen möchte, bucht die Kategorie «Roomy».
#5 Park Lane, Kopenhagen
20 Taxi- oder Bahnminuten ausserhalb des Stadtzentrums, im friedlichen Nobelvorort Hellerup und direkt am grünen Øregård-Park gelegen, spricht das unaufgeregt stilvolle, Anfang 2025 eröffnete «Park Lane» Reisende an, die einen gewissen Abstand zum innerstädtischen Trubel als eigentlichen Vorteil betrachten. Das elegante weisse Gebäude diente einst als privater Memberclub, später als Kino, und beherbergt heute 69 Gästezimmer (ab ca. 2400 DKK), Restaurant und Weinbar – alles im zurückhaltenden skandinavischen Chic in sanften Creme- und Erdtönen. Die Suiten auf der ersten Etage beeindrucken mit hohen Stuckdecken und grosszügigen Bädern, während die Zimmer im dritten und vierten Stock den Blick über Hellerups Villen schweifen lassen. Das Frühstück ist sublim, das Team liebenswürdig, und natürlich stehen jederzeit Fahrräder für die Gäste bereit.
#6 Stockholm Stadshotell, Stockholm
Das «Stadshotell» ist mehr als ein Hotel. Eine Gruppe kreativer Köpfe um den schwedischen Unternehmer Fredrik Carlström hat aus dem 150-jährigen Gebäude im Stadtteil Södermalm einen kleinen Planeten erschaffen – in einem Universum aus skandinavischem Handwerk und (Retro-)Design. Keines der 32 Zimmer (ab ca. 3800 SEK) ist wie das andere, doch alle lassen die einflussreiche Arts & Crafts-Bewegung aus der Gründerzeit des Hauses wieder aufleben. Das erklärte Ziel: nicht nur Übernachtungsgäste willkommen zu heissen, sondern auch die lokale Community ins Haus zu holen – zum Kaffee, zum Geschäftsessen oder zum Dinner mit Freunden. Und das spürt man: in der Lounge, in der Bar, in den beiden Restaurants – eines in der ehemaligen Hauskapelle, das andere mit Terrasse im Innenhof – trifft Stockholm auf die Welt. Ein Austausch, lebendig und belebend. Und eine Atmosphäre, wie es sie nur hier gibt. Die englische «Financial Times» brachte es auf den Punkt: «A Living Room for the City.»
#7 Kimpton Bem, Budapest
Bei den Kimpton Hotels weiss man, was einen erwartet: ein farbenfroher, verspielter Look mit lokalem Bezug. Diese Marken-DNA prägt auch den ersten osteuropäischen Standort, das «Kimpton Bem Budapest» am Bem-József-Platz. Hinter der neoklassizistischen Fassade einer ehemaligen Kaserne auf der Budaer Seite durfte der niederländische Innenarchitekt Marcel Wander aus dem Vollen schöpfen. Sein flamboyantes Innendesign ist reich an folkloristischen Symbolen und geschichtlichen Anspielungen – und fängt so Kultur und Lebensgefühl der Donaustadt ein. Blickfang der Lobby ist eine grosse Hirschskulptur, die auf den Csodaszarvas verweist, eine Schlüsselfigur der ungarischen Mythologie. Das «Kimpton Bem» verfügt über 127 Zimmer (ab ca. 210 EUR), das mediterrane Restaurant «Agos» und die Dachbar «Fennen» sowie ein kleines Spa mit Sauna und Fitnessraum. Das wahre Highlight aber ist der Service um General Manager Attila AE Domby: Ein Team, das für dieses Hotel brennt – und diese Leidenschaft begleitet die Gäste vom Empfang bis zum Frühstück.
#8 The Social Hub Rome, Rom
Im Frühjahr 2025 eröffnet, hat sich der neue Hotspot im Viertel San Lorenzo nahe dem Bahnhof Roma Termini rasch als «cool kid» in der Hotelszene der Ewigen Stadt herumgesprochen. Der Bau vereint 392 funktional-moderne Zimmer (ab ca. 220 EUR) mit weitläufigen Coworking-Spaces, Fitnessbereich, Rooftop-Pool und einem öffentlich zugänglichen Parkgelände. Regelmässig stehen hier Community-Events auf dem Programm – von Yoga und Zumba bis hin zu Töpfer- und Keramikkursen. Das «Social Hub», mit Hauptsitz in Amsterdam und bereits zwanzig Niederlassungen in ganz Europa, verfolgt das Ziel, kreative Locals und entspannte Weltenbummler miteinander zu vernetzen. Zum Ensemble gehört auch das historische Eisenbahn-Zollhaus, das heute die Accademia Italiana für Design, Mode und Fotografie beherbergt.
#9 Hôtel Grand Coeur Latin, Paris
Paris kennt viele Hotels, die mit grossem Aufwand versuchen, jene lässige Eleganz herzustellen, die ihre Gäste sofort in ein Gefühl von Erhabenheit hüllt. Dem «Grand Coeur Latin» im Herzen des 5. Arrondissement gelingt dies scheinbar mühelos – vielleicht, weil man hier den Aufwand nicht zu Schau stellt, sondern das Normale einfach aussergewöhnlich gut macht. Beim Umbau der letzten Jahre stiess man unerwartet auf Überreste aus der Zeit des Römischen Reichs – was dann ins Innendesign einfloss: Warme Terrakotta-Töne und Bogenmotive, inspiriert von römischen Aquädukten, durchziehen das ganze Haus. Die 75 Zimmer (ab ca. 330 EUR), einige mit Blick auf den ruhigen Innenhof, verteilen sich auf sieben Etagen. Im Untergeschoss wartet jedoch der eigentliche Coup: ein stilvolles Spa mit 15 Meter langem, wohltemperiertem Pool – perfekt für eine Pause nach ausgedehnten Stadtspaziergängen. Und nur wenige Schritte entfernt: der Jardin du Luxembourg.
#10 NOT Hotel, Athen
Das Konzept «No Ordinary Things», das auch dem Hotel den Namen gibt, setzt den Ton für ein Hotelerlebnis der besonderen Art. Hier verschmelzen die Kunst griechischer Gastlichkeit und die facettenreiche, über 200-jährige Geschichte des Gebäude-Ensembles zu einer Reise durch die Zeit. Einst Bordell, Pferdegestüt, Kaserne für englische Soldaten im Zweiten Weltkrieg und in den 1970er-Jahren Filmstudio, war die Anlage später dem Verfall nahe – bis sie wie ein Phönix aus der Asche zu neuem Leben erwachte. Heute präsentiert sie sich als einzigartiger Rückzugsort im lebhaften Kerameikos-Viertel, nahe dem bestens erhaltenen Tempel des Hephaistos und rund 25 Gehminuten von der Akropolis entfernt. Die 21 Zimmer (ab ca. 320 EUR) mit freiliegenden Steinwänden, Vintage-Mobiliar und feinsinnigen Design-Details gruppieren sich um einen lauschigen Innenhof mit Olivenbäumen und Aussenpool.
#11 The Hoxton Florence, Florenz
Die Hoxton-Gruppe, 2006 im Londoner East End gegründet, zählt heute zu den dynamischsten Playern der internationalen Hotellerie. Sie verwandelt Parkplätze in urbane Hideaways, verleiht Altbauten ein neues Gesicht und haucht neuen Gebäuden frisches Leben ein. Ihre Häuser sind geprägt von der Vielfalt und Eigenart ihrer jeweiligen Umgebung – und preislich so attraktiv, dass sie ein junges, lebendiges Publikum anziehen. Im Frühjahr 2025 kam mit dem «Hoxton Florence» der siebzehnte Standort hinzu – unweit der Piazza della Libertà am nordöstlichen Rand der Altstadt. In einer reizvollen Mischung aus Renaissance-Pracht, postmoderner Architektur und zeitgenössischem Esprit erstreckt sich das Hotel über einen Palazzo aus dem 16. Jahrhundert und einen angrenzenden, in den 1980er-Jahren vom Florentiner Andrea Branzi entworfenen Flügel. Erhaltene Deckenfresken, Travertin-Mosaikböden und gekalkte Wände verschmelzen mit Memphis-inspirierten Kleiderschränken und grafisch gestreiften Lampen. Herzstück der Anlage mit 158 Zimmern (ab ca. 255 EUR), Restaurant und Weinbar ist ein begrünter Innenhof zum Essen, Trinken und Verweilen – auch bei Einheimischen beliebt.
Selektion & Text: Claus Schweitzer
Veröffentlicht am 28. Oktober 2025