Bordeaux - das kleine Paris

Bordeaux lag lange im Dornröschenschlaf, wird aber gerade neu entdeckt. Nicht nur wegen der Weinreben, die im wohl weltweit berühmtesten Anbaugebiet rund um die Stadt herum wachsen, sondern auch wegen der hochkarätigen Küche, die die Stadt zu einem Geheimtipp für Foodies macht.

Seit wann zieht es die Pariser:innen in Scharen nach Bordeaux? Schon vor der Pandemie oder erst danach und deswegen? Sie kamen wegen der Sonne, des entspannten Lebensstils und des besseren Preis-Leistungs-Verhältnisses, aber auch wegen der hervorragenden Gastronomie, die hier schon immer zum Alltag gehörte. Die neuen Stadtbewohner bescherten dem ehemals grauen Schifffahrtszentrum an der Garonne einen erfreulichen Schub im Hinblick auf Kunst, Kultur und kulinarischer Exzellenz. Das neue Leben, das der Stadt eingehaucht wurde, ist berauschend – und das liegt nicht nur am Wein, der hier besser schmeckt als fast überall auf der Welt.

Dank eines ehrgeizigen Sanierungsprojekts unter dem langjährigen Bürgermeister und Ex-Premierminister Alain Juppé hat sich die Altstadt mit ihren weiten Plätzen zur Garonne hin geöffnet. Die Fassaden rund um den Place de la Bourse in der historischen Altstadt leuchten dank einer Sandstrahlbehandlung wieder in ihren ursprünglichen Farben, das historische Hafenviertel Les Chatrons mit seinen endlosen Weinlagerhallen gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Stadt – die Franzosen nennen sie „Klein Paris“ – punktet mit lebendigem Charme und einer jungen Szene, die es hier früher so nicht gab.

ODTB22_Vincent_Bengold_024.jpeg
Vor dem beeindruckenden Monument aux Girondins versammeln sich Besucher, während lebhafte Springbrunnen und die pulsierende Atmosphäre des Platzes die historische Szenerie von Bordeaux zum Leben erwecken. © Vincent Bengold

Vor allem aber punktet sie mit ihrem kulinarischen Angebot. Die Vielzahl an guten Restaurants, Brasserien, Weinbars, aber auch Patisserien, Fromagerien und Vinotheken ist beeindruckend. Man könnte den ganzen Tag mit Essen und Trinken verbringen, hätte Bordeaux nicht auch noch andere Attraktionen zu bieten: Wunderbare Museen wie das CAPC Musée de l’Art Contemporain, das Musée des Beaux-Arts oder das Musée des Arts Décoratifs et du Design, überraschend gute Antiquitätengeschäfte, viele davon an der kopfsteingepflasterten Rue Notre Dame, und coole Lokale wie die Cocktailbar Frida, die Rooftopbar im Hotel Mama Shelter oder La Dame, zu finden in einem ehemaligen Tankerkahn, der zum Hotspot des Nachtlebens geworden ist. Bordeaux mag für seine berühmten Weine bekannt sein, aber die „joie de vivre“ lässt sich nicht in Flaschen abfüllen – man muss vor Ort sein, um sie zu erleben.

Wohnen

Villas Foch
20 Zimmer und Suiten in einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert mitten im Stadtzentrum. Auffallend ist die mutige Integration innovativer, zeitgenössischer Designelemente in ein denkmalgeschütztes Gebäude mit klassischer Atmosphäre. Die Annehmlichkeiten in den hellen Zimmern lassen keine Wünsche offen und werden durch die schicke Bar Le Ferdinand, einen beheizten Pool, eine Sauna und ein Fitnesscenter ergänzt. Doppelzimmer ab 236€

InterContinental Bordeaux
130 von Jacques Garcia gestaltete Zimmer und Suiten – allein das macht das zur IHG-Gruppe gehörende Luxushotel zu einer sicheren Adresse. Wobei die Adresse an sich schon unschlagbar ist: Das elegante Gebäude aus dem 19. Jahrhundert steht an dem Place de la Comédie, direkt gegenüber dem Grand Théâtre. Zum Hotel gehören ein Gordon Ramsey Restaurant, ein Guerlain Spa und eine Dachterrasse mit Bar. Doppelzimmer ab 288€

Marty
Mehr als ein Hotel ist das Marty ein neuer Treffpunkt in Bordeaux’ ikonischem Mériadeck-Quartier. Es bietet 61 unkonventionell gestylte Zimmer, eine trendige Bar und jeder Menge Kunst. Die Lobby des Vier-Sterne-Hauses ist in mehrere Räume unterteilt, sie bietet gemütliche Oasen und Ecken sowie viel Platz für künstlerische und kreative Veranstaltungen wie Stand-up-Comedy, Konzerte oder Vernissagen. Einheimische kommen gerne ins Restaurant und noch lieber in die Bar. Doppelzimmer ab 106€

Essen

Le 1544
Beste Bistroküche und schickes Ambiente mit Vintage-Mobiliar, Kassettendecke und Parkettboden im zentralen Pavillon des berühmten Place de la Bourse. Der Blick auf den berühmten „miroir d'eau“ des Platzes lenkt manchmal von den köstlichen Oeufs Mimosa, den Austern und gebratenen Côte de Boeuf ab. Das Bistro gehört zum Kultweingut Angelus, entsprechend gut bestückt ist die Weinkarte.

French House
Ein entspanntes Lokal mitten im sogenannten Goldenen Dreieck, gleich bei dem berühmten Place de la Comédie. Die Speisekarte bietet eine bunte Mischung aus kulinarischen Eigenkreationen, Gerichten aus aller Welt und französischen Klassikern – vorausgesetzt, die Zutaten sind überwiegend saisonal und von lokalen Erzeugern. Das French House versteht sich auch als Cocktailbar, hat eine gute Weinauswahl und eine Terrasse vor der Tür.

Cent 33
Seit 2019 verwöhnt der aus Grenoble stammende Küchenchef Fabien Beaufour seine Gäste mit innovativer, kosmopolitischer und umweltbewusster Küche, die er auf seinen Reisen entwickelt und mit der er sich einen festen Platz in der Hierarchie der französischen Gastronomie gesichert hat. Zu seinen Bestsellern gehören der gegrillte, mit Miso glasierte schwarze Kabeljau, ein warmer Oktopussalat und ein Dessert aus piemontesischen Haselnüssen und gesalzenem Butterkaramell.

Noisette.JPG
Ein süsses Meisterwerk im Cent 33 – piemontesische Haselnüsse treffen auf gesalzene Butterkaramell – ein perfektes Finale für die innovative Küche von Chef Fabien Beaufour.

Vivants
Hinter einer Fassade aus Glas und alten Holzrahmen bietet Tanguy Laviale eine entspannte, schnörkellose Version seines Fine-Dining-Restaurants Ressources an. Man kann das Überraschungsmenü des Küchenchefs wählen oder à la carte bestellen. Besonders lecker sind der Wolfsbarsch mit Birne und Buchweizenbrühe und die Gnocchi mit Tokioter Rüben und Bärlauch. Die 1 000 Weine umfassende Weinkarte zeigt eine Vorliebe für Naturweine.

Soif
Grosse Fenster, eine Formica-Theke, wenige schöne Holztische – zum Glück gibt es in diesem gemütlichen Restaurant auch etwas zu essen, sodass man etwas länger bleiben und ein paar Gläser mehr der meist natürlichen und schonend verarbeiteten Weine kosten kann. An der Theke und an den wenigen Tischen tummelt sich ein junges, einheimisches Publikum, das zu den vielen auch glasweise ausgeschenkten Weine gerne eine Pastete mit karamellisierten Zwiebeln oder Muscheln von Le Croisic geniesst.

_DSC5961 copie.JPG
Bei Soif wird Wein mit lokalen Delikatessen wie Pastete mit karamellisierten Zwiebeln oder Muscheln aus Le Croisic serviert – ein wahrer Genuss für Liebhaber regionaler Köstlichkeiten.

Trinken

 

Bar à vin
Das Lokal mit dem schlichten Namen ist alles andere als gewöhnlich. Sie befindet sich im Erdgeschoss der Maison du Vin de Bordeaux, das in einem eleganten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert gegenüber dem Grand Théâtre residiert und wird vom Conseil Interprofessionnel des Vins de Bordeaux betrieben. Es versteht sich also von selbst, dass hier die ganze Palette der regionalen Weingüter vertreten ist – rund 30 ständig wechselnde offene Weine stehen zur Auswahl, serviert von Sommeliers, die gerne Fragen beantworten.

BAR A VN - CIVB-0047.jpg
Der Bar à Vin vereint den Charme eines 18. Jahrhunderts Gebäudes mit den besten Bordeaux-Weinen und schafft so eine raffinierte, aber dennoch einladende Atmosphäre.

Symbiose Cocktail Bar
Vordergründig ein nettes Restaurant am Flussufer – aber das Symbiose hat mehr zu bieten. Hinter den wenigen Holztischen des Lokals verbirgt sich der unscheinbare Eingang zu einer nicht mehr ganz so geheimen Speakeasy-Bar. Im kerzenbeleuchteten Kellergewölbe sitzen Insider und gut informierte Besucher bei einem Glas Wein oder einem ausgefallenen Cocktail.

DSC_6836.jpg
In der gemütlichen Atmosphäre des Symbiose Cocktail Bar genießen Gäste raffinierte Cocktails und edle Weine – eingebettet in eine versteckte Speakeasy-Atmosphäre, die pure Intimität verspricht.

Einkaufen

L’intendant
Der wohl spektakulärste Weinladen Frankreichs! Neben der Wendeltreppe, die über fünf Etagen reicht und mit Weinregalen verkleidet ist, finden sich hier 1600 Weine, die ausschliesslich von den Weinbergen der Region stammen: Grand Crus Classés, wenig bekannte kleine Produzenten, Exklusivitäten, besondere Cuvéss etc. Es gibt Weine in allen Preiskategorien und nette, fachkundige Beratung.

Cave l'intendant_Steve Le Clech Photos.jpg
Die beeindruckende Wendeltreppe im L’Intendant führt durch fünf Etagen, die mit den besten Weinen aus Bordeaux gesäumt sind – ein wahres Meisterwerk und eines der spektakulärsten Weingeschäfte des Landes. © Steve Le Clech Photos

Cassonade
Canellés sind eine Spezialität aus Bordeaux und nirgendwo sind sie feiner als in einer der drei Konditoreien von Cassonade. Die geriffelten Mini-Gugelhupfe werden täglich frisch zubereitet, und es gibt sie in verschiedenen Varianten – mit Vanille, vegan oder klassisch mit Rum – wer sie gleich vor Ort auf der kleinen Terrasse essen möchte, kann sich einen Kaffee dazu bestellen.

Cassonade 1.jpg
Frisch gebackene Cannelés im Cassonade, einer der besten Bäckereien von Bordeaux, die die berühmte lokale Spezialität in Varianten wie Rum, Vanille und vegan anbietet.

Marché des Capucins
Einheimische nennen ihn „Bauch von Bordeaux“ – ein Bummel über den historischen Markt ist ein Muss für jeden Bordeaux-Besucher und ein Fest für die Sinne. Der überdachte Markt ist täglich ausser montags geöffnet und erstreckt sich auf die umliegenden Strassen, wo Händler frische Kräuter, Austern, Obst und handwerklich hergestellten Käse verkaufen – die Crêpes Bretonnes von O'Billig mit Ziegenkäse und Honig sollte man sich nicht entgehen lassen.

Marche des Capucins_Vincent Bengold.jpg
Der Marché des Capucins, auch bekannt als der „Bauch von Bordeaux“, lockt mit frischen Produkten, lokalen Delikatessen und einer lebendigen Atmosphäre, die den authentischen Geschmack der Stadt widerspiegelt. © Vincent Bengold

Erleben

La Cité du Vin
81 Millionen Euro Baukosten, gut 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, fast eine halbe Million Besucher im Jahr – die Cité du Vin zählt zu den Top-Attraktionen der Weinmetropole. Dabei muss man kein Weinkenner sein, um die innovative Architektur des Gebäudes und die interaktiven Ausstellungen, die darin geboten werden, zu schätzen. Was man nicht weiss, kann man hier lernen: Das Spektrum reicht vom virtuellen Besuch von Weinbergen in aller Welt über die Einführung in Terroirs und Rebsorten bis hin zum nachvollziehbaren Prozedere der Weinherstellung.

Cite du Vin et Sicambre_alban gilbert.jpg
Die markante Architektur von La Cité du Vin, dem Wahrzeichen von Bordeaux, bietet nicht nur beeindruckende Ausstellungen, sondern auch ein faszinierendes Erlebnis rund um die Welt des Weins. © Alban Gilbert

Château Les Carmes Haut-Brion
Nur eine Straßenbahnfahrt vom Stadtzentrum entfernt steht ein Schloss aus dem 16. Jahrhundert in einzigartiger Lage: Es ist das einzige Weingut in Bordeaux selbst und es kann besichtigt werden. Im Rahmen der Führung wird die Geschichte des Anwesens erzählt und die Besonderheiten der Weinberge erklärt. Weiter geht es in der Kellerei, wo die Geheimnisse der Weinherstellung gelüftet und bei einer Verkostung erlebt werden können.

chateau-les-carmes-haut-brion-cuves2.jpg
Der moderne Keller von Château Les Carmes Haut-Brion, Bordeaux’s einzigem städtischen Weingut, vereint Tradition und Innovation in einem unvergesslichen Erlebnis von Weinverkostungen und Führungen.

Ausflug in die Weinwelt
Wer Bordeaux besucht, weiss vermutlich, dass rund um die Stadt die besten und teuersten Trauben der Grande Nation wachsen. Die als Weinhauptstadt Frankreichs bekannte Region verfügt über 57 Appellationen (AOC) und mehr als 6.000 Weinberge, auf denen hauptsächlich Rotweine angebaut werden. Bordeaux Tourism & Conventions bietet ganz- und halbtägige Ausflüge zu ausgesuchten Weingütern und Schlössern an, als Bestseller gelten jene nach Saint-Émilion und/oder zum berühmten Château Margaux.

Saint-EmilionVincent Bengold.jpg
Die Weinberge rund um Bordeaux laden dazu ein, im Rahmen von Wine World Excursions unvergessliche Ausflüge zu renommierten Weingütern zu unternehmen. © Vincent Bengold

Text: Patricia Engelhorn
Fotos: Bordeaux Tourismus


Veröffentlicht am: 02.05.2025