High Five - das Beste aus den fünf Stadtbezirken von New York City

New York ist eine Stadt für Wiederkehrer. Für Reisende, die mehr suchen als Postkartenmotive und Aussichtsterrassen. Denn die Stadt, die niemals schläft, erschöpft sich nicht in einer Skyline. Sie entfaltet sich in fünf Stadtbezirken mit jeweils eigener Atmosphäre, eigenen Communities und kulturellen Codes: Manhattan, Brooklyn, Queens, die Bronx und Staten Island.

#1 Manhattan

Die Inszenierung der Verdichtung
Manhattan ist die kondensierte Idee von New York: Tempo, Symbolik, Wiedererkennung. Doch hinter der Skyline liegt ein Netz aus Mikrowelten, das sich erst beim Gehen entfaltet.

Greenwich Village & Tribeca
Das Walker Hotel Greenwich Village im gleichnamigen Viertel liegt dort, wo New York noch nach Nachbarschaft klingt. Backsteinfassaden, schmale Strassen, Cafés mit kleinen Tischen auf dem Trottoir. Das Interieur greift die Eleganz der 1920er-Jahre auf.

Ein paar Blocks südlich, in Tribeca, setzt das Walker Hotel Tribeca einen anderen Akzent. Reduzierter, urbaner, mit klaren Linien und grosszügigen Fenstern. Das Viertel selbst wirkt weiter, luftiger als das Village. Galerien, Designstudios und umgebaute Industriegebäude prägen das Bild.

Von den beiden Hotels aus lassen sich ikonische Orte Manhattans zu Fuss erreichen. Ebenso schnell führen Subway-Linien nach Brooklyn, Queens oder in die Bronx. Und die Staten Island Ferry ist ebenfalls ganz nah.

SoHo und die Kunst des ziellosen Gehens
Vom Walker Hotel Greenwich Village sind es nur wenige Minuten bis nach SoHo. Das Viertel erzählt noch immer von seiner industriellen Vergangenheit, auch wenn heute internationale Labels und Concept Stores dominieren.

Doch interessanter wird es, wenn man abbiegt. Auf der Bleecker Street etwa liegt der Ranger Station Perfume Store, ein schmaler, fast zurückhaltender Laden, der eher an ein Atelier erinnert als an eine Parfümerie. Wenige Blocks weiter öffnet sich mit dem Elizabeth Street Garden ein unerwarteter Zwischenraum. Ein Hauch Europa mitten in Downtown.

Fifth Avenue
An der Fifth Avenue wird Luxus nicht versteckt, sondern zelebriert. Bergdorf Goodman ist seit 1901 eine Institution und mehr als nur ein Department Store. Die Schaufenster gleichen kunstvoll inszenierten Bühnenbildern, im Innern wechseln sich Marmorelemente, Teppiche und klar strukturierte Verkaufsflächen ab. Internationale Designer, exklusive Kollektionen, persönliche Beratung. Selbst ohne Kaufabsicht lohnt sich der Besuch: als Beobachtung darüber, wie New York Stil definiert.

West Village
Nur wenige Blocks vom touristischen Strom entfernt, im West Village, liegt das Travelers, Poets & Friends. Tagsüber ist es Café, Feinkostmarkt und Pasta-Manufaktur in einem. Abends verwandelt sich das das Ganze in eine Wine Bar mit mediterraner Handschrift.

 

#2 Brooklyn

Wo die Stadt neu gedacht wird
Brooklyn war einst das Versprechen auf das Andere. Heute ist es das Labor.

Im Brooklyn Navy Yard wurden früher Kriegsschiffe gebaut. Heute haben sich in den riesigen Hallen Start-ups, Manufakturen, Designstudios und Restaurants angesiedelt. Zwischen Backstein, Stahl und industrieller Vergangenheit entsteht hier eine neue Form von Stadtproduktion.

Wer Street Art in ihrer unmittelbaren Umgebung erleben will, kommt am Bushwick Collective nicht vorbei. In ehemaligen Industriequartieren entstehen grossformatige Murals, die politisch, poetisch oder ironisch kommentieren.

DUMBO & Brooklyn Heights
Weiter westlich, zwischen Lagerhäusern und Kopfsteinpflaster, öffnet sich mit DUMBO – Down Under the Manhattan Bridge Overpass – einer der fotogensten Stadträume New Yorks. Galerien, Designshops und Cafés haben sich in die ehemaligen Industriegebäude eingeschrieben.

Nur wenige Gehminuten entfernt beginnt Brooklyn Heights. Baumgesäumte Strassen, historische Brownstones, ein fast europäischer Rhythmus. An der Brooklyn Heights Promenade richtet sich der Blick zurück auf Manhattan.

Williamsburg
Das Wythe Hotel in Williamsburg ist ein architektonisches und kulinarisches ein Statement zugleich. Im Restaurant treffen hohe Backsteinwände auf grosse Fensterflächen, durch die das Licht am Abend weich in den Raum fällt. Die Küche setzt auf saisonale Produkte und klare Aromen. Gemüse spielt eine ebenso selbstverständliche Rolle wie hochwertiges Fleisch oder Fisch. Besonders eindrücklich ist der Blick von der Dachterrasse über den East River auf die Skyline Manhattans. Hier wird spürbar, wie nah sich Brooklyn und Manhattan sind und wie unterschiedlich sie sich dennoch anfühlen.

 

#3 Queens

Die Welt auf wenigen Blocks
Queens ist kein Nebenschauplatz. Es ist Verdichtung. Wer an der Roosevelt Avenue aus der Subway steigt, hört sofort mehrere Sprachen gleichzeitig.

Jackson Heights gilt als eines der diversesten Viertel der Vereinigten Staaten. Hier teilen sich tibetische Restaurants die Strasse mit mexikanischen Taquerías, indischen Süsswarengeschäften und kolumbianischen Bäckereien.

Eine Food-Safari ist genau das Richtige, um Queens zu «erschmecken». Gedämpfte Momos, scharf gewürzte Birria, knusprige Chaats. Die Gerichte erzählen von Migration, Unternehmergeist und Identität.

Long Island City
In Long Island City steht mit dem MoMA PS1 eine Institution, die sich bewusst vom klassischen Museumskonzept entfernt. Das ehemalige Schulgebäude bietet Raum für experimentelle Installationen, gesellschaftliche Diskurse und junge Positionen der Gegenwartskunst.

Rockaway Beach
Nur rund eine Stunde von Manhattan entfernt bricht die Stadt plötzlich auf. Rockaway Beach wirkt wie ein urbaner Kurzurlaub. Surfer tragen ihre Boards über die Promenade, Cafés öffnen ihre Terrassen, Möwen kreisen über dem Atlantik. Der Horizont ist weit, das Tempo geringer. Queens besitzt Zugang zum Meer und damit eine Qualität, die man in einer Metropole dieser Dichte kaum erwartet.

After Dark
An Sommerabenden versammelt sich die Vielfalt von Queens auf engem Raum. Der Queens Night Market ist weniger Event als soziales Gefüge. Hier wird sichtbar, was Queens ausmacht: kulturelle Vielfalt ohne Hierarchie.

Jackson Height
An der Ecke 37th Avenue und 75th Street in Jackson Height scheint Ricky’s Café zunächst nicht recht in die exotisch anmutende Nachbarschaft zu passen. Ein Diner aus den 1950er-Jahren, irgendwo draussen im Mittleren Westen der USA. Aus der Jukebox erklingen die Everly Brothers, Danny and the Juniors oder Gerry and the Pacemakers. Amerikanische, mexikanische und kubanische Gerichte stehen nebeneinander. Tipp: das Cuban Sandwich mit Roast Pork, Ham, Swiss Cheese und Pickles. Raffiniert ist die Küche hier nicht, aber genau das macht ihren Reiz aus.

 

#4 The Bronx

Grün, Geschichte, Gemeinschaft
Wenn man «Bronx» hört, kommt einem so einiges in den Sinn, aber eines bestimmt nicht: Wave Hill. Dabei liegt hier, oberhalb des Hudson River, einer der ruhigsten Orte New Yorks. Terrassierte Gärten öffnen sich zum Wasser, alte Bäume rahmen den Blick, die Skyline erscheint nur noch als ferne Silhouette. Wave Hill begann 1843 als privates Landgut des Juristen William Lewis Morris, ein Rückzugsort vom damaligen Stadtzentrum. Später waren hier Persönlichkeiten wie Mark Twain und Theodore Roosevelt zu Gast, bevor das Anwesen 1960 in städtischen Besitz überging.

Heute verbindet Wave Hill historische Architektur mit kuratierter Gartenkunst und zeitgenössischen Interventionen. Zwischen Stauden und Skulpturen steht der Wish Tree von Yoko Ono. Besuchende schreiben ihre Wünsche auf kleine Zettel und hängen sie in die Zweige. Die Bronx zeigt an diesem Ort eine Seite, die mit gängigen Bildern wenig zu tun hat: gepflegt, reflektiert, bewusst gestaltet.

Wenige Kilometer weiter steht ein kleines Holzhaus, fast unscheinbar zwischen Bäumen. Im Edgar Allan Poe Cottage lebte der Schriftsteller in den letzten Jahren seines Lebens. Hier entstand unter anderem «Annabel Lee». Die Räume sind niedrig, schlicht, intim. Keine grosse Dramaturgie, kein Pathos – nur ein Ort, an dem Literatur geschrieben wurde. Die Bronx trägt also nicht nur Hip-Hop und Baseball in ihrer DNA, sondern auch ein Kapitel amerikanischer Literaturgeschichte.

Yankee Stadium - Ritual & Identität
Baseball ist in der Bronx kein Event, sondern Ritual. Vor dem Yankee Stadium versammeln sich Fans in Nadelstreifen-Trikots. Selbst ausserhalb der Spielzeiten strahlt das Stadion eine Form von kollektiver Identität aus. Hier wird deutlich, wie sehr Sport Teil des Selbstverständnisses eines Stadtteils sein kann.

Arthur Avenue - Little Italy of the Bronx
Arthur Avenue wirkt bodenständiger als ihr touristisch überformtes Pendant in Manhattan. Delikatessenläden, Pasta-Manufakturen, Espresso-Bars. Vieles ist familiengeführt und seit Jahrzehnten etabliert. Zwischen frischer Pasta und italienischen Wortfetzen entsteht hier ein anderes Bild der Bronx: nicht rau, sondern gemeinschaftlich.

Der Woodlawn Cemetery ist mehr Park als Friedhof. Monumentale Mausoleen, alte Bäume, weite Wege. Hier liegen Industrielle, Künstler:innen, Musiker:innen – eine stille Chronik New Yorks. Der Ort wirkt entschleunigend. Und erinnert daran, dass jede Metropole auch ein Archiv ist.

 

Italienische Bäckerei an einer Strasse
Die italienische Bäckerei Addeo & Sons in der Bronx steht für gelebte Nachbarschaftskultur – und traditionelle Backkunst.

#5 Staten Island

Der Wechsel beginnt auf dem Wasser. Die Staten Island Ferry ist kostenlos, und dennoch unbezahlbar. Während sich Manhattan langsam entfernt, ordnet sich die Skyline neu. Glas und Stahl verlieren an Dominanz, werden zur Silhouette. Pendler stehen neben Tourist:innen, Fahrräder lehnen an Geländern, der Wind trägt Salz und Diesel über das Deck.

Alice Austen House - A Queer Legacy
Direkt am Wasser mit weitem Blick über die Bucht liegt das ehemalige Zuhause der Fotografin Alice Austen. Ende des 19. Jahrhunderts dokumentierte sie das Leben von Frauen, von Arbeiterinnen, von New Yorker Alltagsmomenten. Austen lebte über Jahrzehnte mit ihrer Partnerin Gertrude Tate zusammen, in einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Beziehungen gesellschaftlich tabuisiert waren. Heute ist das Haus nicht nur Museum, sondern eine anerkannte LGBTQ+-Gedenkstätte.

Staten Island zeigt seine Identität auch kulinarisch. In Shaw-naé’s House verbindet sich karibisch inspirierte Küche mit familiärer Atmosphäre. Das Restaurant ist kein Szenelokal, sondern Nachbarschaftstreffpunkt. Wer hier einkehrt, erlebt Staten Island nicht als Randgebiet, sondern als eigenständigen Kulturraum mit eigenen Wurzeln und eigener Geschichte.

St. George Theatre - Curtain Up
Das 1929 eröffnete St. George Theatre empfängt Besuchende mit Art-Déco-Elementen, Kronleuchtern und grosser Bühne. Ursprünglich als Filmpalast konzipiert, ist es heute Spielort für Konzerte und Comedy. Kultur wirkt hier gross und gleichzeitig nahbar.

Summer Ritual – Staten Island FerryHawks
Baseball auf Staten Island fühlt sich anders an als im Yankee Stadium. Kleiner, näher, persönlicher. Im Stadion direkt am Wasser sitzen Familien mit Hotdogs auf den Tribünen, Kinder laufen zwischen den Reihen. Die Skyline Manhattans ist in der Ferne sichtbar. Ein Sonntagnachmittag bei den FerryHawks wird zum lokalen Ritual. Unspektakulär und gerade deshalb authentisch.

High Five
Fünf Boroughs. Fünf Perspektiven auf dieselbe Stadt. Manhattan inszeniert. Brooklyn experimentiert. Queens verbindet. Die Bronx verwurzelt. Staten Island schafft Abstand. New York ist defintiv mehr als eine Skyline. Auch wenn das nun das Letzte ist, dass ich aus dem SWISS Flug LX15 von JFK nach ZRH von Weitem noch einmal betrachte.

Fluginformation
SWISS fliegt ab Zürich und Genf mehrmals täglich an die Millionenmetropole an der US-Ostküste.

Text & Bilder: Dany Bucher

Titelbild: Swiss International Air Lines Ltd.

Publiziert am 5. Juni 2026