Der Rathausplatz – Wiens glitzerndes Herz
Wenn die Lichter am neugotischen Rathaus erstrahlen, verwandelt sich der Rathausplatz in ein winterliches Theater aus Duft, Klang und Farbe. Über 150 Stände, gefüllt mit süssen Mandeln, Punsch und kleinen Kostbarkeiten aus Handarbeit, reihen sich um den Park. Zwischen Karussells, Musik und Kinderlachen entfaltet sich das, was viele als das Herz des Wiener Advents bezeichnen.
Die grosse Tanne in der Mitte – jedes Jahr ein Geschenk eines österreichischen Bundeslandes – steht wie ein Symbol für Zusammenhalt. Daneben steht der alte Platanenbaum, geschmückt mit mehr als 200 roten Herzlaternen, die im Wind leise schwingen. Wenn am Abend das «fliegende Herz» 75 Meter weit über den Platz gleitet, begleitet von Musik, scheint Wien kurz stillzustehen. Drei Millionen Menschen kommen jedes Jahr hierher. Im Jahr 2025 kürte CNN den Christkindlmarkt am Rathausplatz zum schönsten der Welt – ein Titel, der sich bei jedem Blick über den Bussiplatz bestätigt.
Schönbrunn – kaiserlicher Glanz im Advent
Vor der goldenen Barockfassade des Schlosses entfaltet sich einer der elegantesten Weihnachtsmärkte Wiens. Rund eine Million Besucher kommen jedes Jahr wegen der festlichen Atmosphäre und des historischen Ambientes hierher. Mozart spielte hier für Maria Theresia, Napoleon residierte kurz im Schloss und beim Wiener Kongress tanzte der ganze Hofstaat.
An etwa 90 Ständen werden Kunsthandwerk, Schmuck und süsse Klassiker angeboten – in ruhiger, fast kaiserlicher Stimmung. Besonders beliebt sind die originalen Wiener Schneekugeln, die im 19. Jahrhundert erfunden wurden und bis heute in Handarbeit gefertigt werden. Die echten erkennt man am schwarzen Sockel und daran, dass sie aus Glas und nicht aus Plastik sind. Schönbrunn verbindet Geschichte und Handwerk zu einem der stimmungsvollsten Orte des Wiener Winters.
Altes AKH – Medizin, Geschichte und Adventszauber
Zwischen alten Arkaden und stillen Innenhöfen entfaltet sich einer der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte Wiens. Das Alte AKH, das einst von Kaiser Joseph II. als Krankenhaus gegründet wurde und Heimat grosser Mediziner wie Semmelweis und Billroth war, erzählt hier eine neue Geschichte.
Wo früher Studierende Anatomie lernten, duftet es heute nach Punsch, Mandeln und warmem Holz. Rund fünfzig Stände füllen die Höfe mit Licht, Musik und Handwerkskunst. Studierende trinken Glühwein neben Familien und Kinder drehen ihre Runden auf dem kleinen Karussell. Ein Ort, an dem Wissenschaft zur Vergangenheit wird – und der Winter für ein paar Wochen märchenhaft ist.
Am Hof – Geschichte, Glanz und der Duft von Weihnachten
Der Am-Hof-Platz ist einer der ältesten Wiens – ein Ort, an dem die Geschichte in Schichten übereinanderliegt. Schon die Römer errichteten hier ihr Lager, später hielten die Babenberger Turniere ab und Händler boten ihre Waren an. Heute glühen die barocken Fassaden im Licht der Adventszeit und zwischen den Ständen mischen sich Düfte von Zimt, Vanille und gerösteten Nüssen.
Hier schmeckt man Wiener Geschichte: Der Zirbenpunsch – warm, harzig, mit dem Duft von Kiefernholz – ist zum Symbol des Platzes geworden. Während die Besucher ihre Becher wärmen, erzählen die Bäume ringsum von alten Zeiten. Einst hingen dort goldene Äpfel und Nüsse, dann kleine Kerzen und später funkelnde Glaskugeln, die von den Früchten vergangener Winter inspiriert waren. Wenn der Abend kommt und das Licht über die alten Mauern fliesst, scheint der ganze Platz in einem einzigen Atemzug aus Geschichte und Zauber zu leuchten.
Wien im Advent ist kein Spektakel, sondern ein leises Versprechen. Zwischen Dampf und Licht, Musik und Geschichte entsteht ein Gefühl, das sich schwer beschreiben lässt – vertraut und doch neu, jedes Jahr aufs Neue. Vielleicht ist das das Geheimnis dieser Stadt: Sie feiert Weihnachten nicht laut, sondern mit Herz. Und wenn der letzte Punsch getrunken ist und die Lichter langsam verlöschen, bleibt etwas zurück – ein warmer Gedanke, der den Winter ein wenig heller macht.
Die meisten Wiener Weihnachtsmärkte öffnen zwischen dem 14. November und 26. Dezember – die perfekte Zeit, um den Winterzauber selbst zu erleben.
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Text: Jakub Matla | www.austriabyoeffis.at
Publiziert am 24. November 2025