Fünf Tipps für 48 Stunden in Bengaluru

Zwischen Meetings kurz in eine andere Welt eintauchen: In Bengaluru gehören internationale Tech-Unternehmen und gelebte religiöse Traditionen zum gleichen Stadtbild. Wer geschäftlich hier ist, sollte sich deshalb ein paar Zeitfenster zum Entdecken freihalten. Die Stadt macht neugierig auf eine Reise durch Südindien – und bietet erste Einblicke in Geschichte, Kultur, Religion und Alltag. SWISS Mediensprecherin Nicole Meier war vor Ort und teilt ihre besten Tipps.

#1 Im ISKCON-Tempel gelebte Spiritualität erleben
Der ISKCON-Tempel eröffnet Besucher:innen innert kürzester Zeit einen Zugang zur hinduistischen Glaubenswelt. Die 1997 eingeweihte Anlage ist insbesondere Krishna und seiner Gefährtin Radha gewidmet. Die Architektur verbindet Tradition und Moderne: Klassische Tempeltürme treffen auf Glas. Hier begegnet man Menschen, für die Gebete und religiöse Rituale ganz selbstverständlich zum Alltag gehören.

Auf Schildern am Eingang werden den gläubigen Besucher:innen – Einheimischen wie auch Gästen aus ganz Indien – die Regeln erklärt. «Make your life auspicious by chanting the Hare Krishna maha-mantra on the 108 steps», heisst es da etwa. Richtig gelesen: Auf allen 108 Stufen werden Mantras gesungen. Dieser selbstlose Dienst koste einen nur zehn Minuten, könne einem aber Glück bringen. Auf einem kleinen Plastikstuhl folgt eine weitere Vorgabe: «Please chant on each step audibly so that you can hear.» Auf jeder Stufe bitte lautstark singen!

Sind die Stufen erst einmal erklommen, gelangt man zu zahlreichen Schreinen für verschiedene Gottheiten. Goldfarbene Verzierungen rahmen die Bildnisse ein, die mit leuchtenden Gewändern, kunstvollem Schmuck, Räucherwerk und üppigen Blütengirlanden geschmückt sind. Gläubige beten und verneigen sich vor den Schreinen und legen Opfergaben wie Blumen nieder. Wer dieses Geschehen als nicht-hinduistische:r Besucher:in beobachtet, erlebt den Tempel als lebendigen Ort des Glaubens. Traditionen prägen in Indien nicht nur das religiöse Leben, sondern auch den gesellschaftlichen Alltag. Dazu gehören etwa arrangierte Ehen und die bis heute spürbaren Einflüsse des Kastensystems.

Mein Tipp:
Etwas Zeit zum Beobachten mitbringen und den Ort als Gast respektvoll auf sich wirken lassen. Angemessene Kleidung gehört dazu, Schuhe sind nicht erlaubt. Wer nicht gerne barfuss geht, bringt passende Socken mit. Bei meinem Besuch war der Boden allerdings sehr sauber.

Auf dem Weg zu Tipp Nummer zwei begegnet mir am Strassenrand vor einem modernen Bürogebäude ein riesiges Plakat. Es stammt von einer bekannten indischen Schmuckmarke und zeigt eine traditionell gekleidete indische Braut mit üppigem Schmuck aus Gold, Silber, Perlen und Steinen. Dazu der Slogan: «Inspired by a land where tradition is always on trend.» Inspiriert von einem Land, in dem Tradition stets im Trend liegt. Das könnte auch das Motto für Bengaluru sein. Die Stadt gilt zwar als «Silicon Valley» Indiens und als Tech-Metropole. Doch trotz allen technologischen Fortschritts spielt die indische Tradition an jeder Ecke eine Rolle.

#2 Im Lalbagh Botanical Garden zwischen zwei Terminen durchatmen
Viele Meetings im Terminkalender? Nachts in Bengaluru gelandet und noch nicht vollständig ausgeruht? Zwischen Sitzungen und dem oft zähen Vorwärtskommen im dichten und lauten Stadtverkehr (wer eine Hupe hat, benutzt sie grundsätzlich) tut ein Spaziergang im botanischen Garten Lalbagh gut. Der Garten wurde bereits 1760 vom damaligen Herrscher in Auftrag gegeben. Er fasziniert Besucher:innen mit über tausend verschiedenen Pflanzenarten, einem See und einem Aquarium. Einige der Bäume sind über hundert Jahre alt. Hier lässt es sich gut flanieren oder – für Ambitionierte – auch joggen.

Keine Angst: Anders als an anderen Orten springen einen die kleinen Äffchen auf den Ästen nicht an und rauben auch niemandem das Essen. Der botanische Garten zeigt eine der vielen grünen Seiten der Metropole Bengaluru und macht ihrem Ruf als Gartenstadt alle Ehre. Er lässt sich auch gut entdecken, wenn die Zeit nur für eine kleine Runde reicht.

Mein Tipp:
Wer doch etwas mehr Zeit mitbringt und am prächtigen Gewächshaus mit Fontäne in den hinteren Teil der Anlage geht, erklimmt auch gleich den Lalbagh Rock. Auf dem Gipfel dieses begehbaren Felsenhügels steht ein kleiner Wachturm. Dort wird man mit einem beeindruckenden Blick auf die Stadt mit ihren über 13 Millionen Einwohner:innen belohnt.

Der botanische Garten in Bengaluru von aussen.
Durchatmen zwischen Meetings: Der Lalbagh Botanical Garden macht Bengalurus Ruf als Gartenstadt alle Ehre. © Nicole Meier

#3 In Tipu Sultans Sommerpalast der Geschichte Südindiens näherkommen
Wer Bengaluru vor allem als Technologiestandort kennt, findet hier eine ganz andere Perspektive. Der 1791 fertiggestellte Sommerpalast von Tipu Sultan, dem damaligen Herrscher von Mysore, führt ins Südindien des 18. Jahrhunderts. Das zweigeschossige Gebäude ist ein Beispiel indo-islamischer Architektur: Kunstvoll gestaltete Holzsäulen, geschwungene Bögen und Balkone prägen die einstige Residenz.

Besonders schön ist das Zusammenspiel der Säulenreihen und Bögen, die den Blick durch das Gebäude lenken. Je nach Sonnenstand wird das Spiel aus Licht und Schatten besonders gut sichtbar. Ein kleines Museum gibt Einblicke in die Zeit von Tipu Sultan und seinem Vater Hyder Ali. Der Besuch macht neugierig auf das historische Karnataka und bietet Inspiration für eine spätere Reise durch Südindien.

Mein Tipp:
Gerade bei knappem Zeitbudget würde ich Tipu Sultans Sommerpalast den Vorzug vor dem Bangalore Palace geben. Letzterer vermittelt mit seinem aufwendig gestalteten Interieur vor allem einen Eindruck königlicher Wohnkultur. Für mich war Tipus Palast die spannendere Entdeckung auf einer kurzen Reise nach Südindien.

Säulen und Bögen im Tipu Sultans Sommerpalast.
Der Tipu Sultans Sommerpalast macht mit seinen Säulen und Bögen neugierig auf eine Reise durch das historische Karnataka. © Nicole Meier

#4 Im KR Market ins indische Leben eintauchen
So stellt man sich Indien vor, so kennen es auch Indien-Neulinge von Reportagen und aus Reiseführern: Am KR Market wechseln Farben, Gerüche und Eindrücke im Schritttempo. KR steht übrigens für Krishna Rajendra, einen früheren Maharadscha von Mysore. Wie vielfältig Bengaluru ist, zeigt sich auch schon auf dem Weg zum Markt. Neben hinduistischen Tempeln prägen auch Kirchen und Moscheen das Stadtbild, auf den Strassen sieht man Frauen in Saris ebenso wie Frauen mit Hijab.

Besonders eindrücklich im KR Market ist der Blumenhandel mit weissem Jasmin, Rosen, leuchtend gelben und orangefarbenen Tagetes und weiteren Sorten. Hier werden Blumen nicht nur als Dekoration verkauft, sondern auch für Tempelrituale und für Hochzeiten. In kleinen Nischen im unteren Teil des Gebäudes sitzen vorwiegend Männer im Schneidersitz und knüpfen im Akkord prächtige Girlanden.

Neben Blumen finden sich zahlreiche kleine Stände mit Früchten und Gewürzen. In der oberen Etage geht es nicht minder farbenfroh weiter. Hier finden sich Alltagsgegenstände wie Eimer oder Schlösser, aber auch Dinge, die sich hervorragend als Souvenirs für die Daheimgebliebenen eignen: Schmuck etwa, bunte Fächer, Tücher und Schatullen.

Apropos Souvenirs: Wer noch Zeit und Platz im Koffer hat, kann in der Commercial Street zwischen Kleidung, Schuhen, Schmuck und Accessoires weiter shoppen. Wer sich besonders für Stoffe und traditionelle Kleidung interessiert, findet im Handelsviertel Chickpet mit seinen engen Gassen zahlreiche Geschäfte für Seide und Saris.

Mein Tipp:
Wer den Blumenhandel im KR Market in voller Betriebsamkeit erleben möchte, kommt frühmorgens, möglichst vor 7 Uhr. Beim Beobachten und Fotografieren die Wege für die Händler:innen freihalten und vor Porträtaufnahmen um Erlaubnis fragen.

Der farbenfrohe KR Market mit Blumen für Tempelrituale und Hochzeiten.
Indien, wie man es sich vorstellt: Im KR Market wechseln Farben, Gerüche und Eindrücke im Sekundentakt. Blumen werden für Tempelrituale und Hochzeiten verkauft. © Nicole Meier

#5 Im Restaurant «Loya» im Taj West End den Tag genussvoll ausklingen lassen
Zum Abschluss wartet im «Loya» eine kulinarische Reise nach Nordindien. Das Restaurant im Hotel Taj West End widmet sich den Küchentraditionen des Nordens und erweitert damit den Blick auf Indiens kulinarische Vielfalt - von Sepu Wadi (Linsenbällchen in Tomaten-Joghurt-Sauce) über Attari Murg (cremiges Pouletcurry mit Bockshornklee und Kardamom) bis hin zu Dum Nalli (langsam geschmorten Lammhaxen in einer würzigen Joghurtsauce). Für mich ein schöner Rahmen, um nach einem vollen Tag die Eindrücke bei einem entspannten Dinner nachwirken zu lassen. Die Küchencrew ist äusserst aufmerksam und geht auf praktisch jeden Wunsch individuell ein.

Der Innenraum ist sehr warm gestaltet und mit vielen detailreichen Ornamenten ausgeschmückt. Die Messinglaternen, Wandbehänge, Sitzkissen und Vasen erinnern an alte Basare – oder bedienen jedenfalls unsere Vorstellung davon. Der Aussenbereich ist eine halboffene Erweiterung des Innenraums mit Blick auf die üppige Gartenlandschaft des Taj West End und ein Wasserbecken, das von Himalaya-Quellen inspiriert sein soll. Gäste können also je nach Anlass und Wetter drinnen in das atmosphärische Interieur eintauchen oder draussen an der Bar und beim Wasser einen Drink oder das ganze Nachtessen geniessen.

Mein Tipp:
Die Namen der Speisen auf der Karte sind unbekannt? In dem Fall am besten der Bedienung die eigenen Vorlieben und allfällige Unverträglichkeiten nennen und sich beraten lassen. Dann gemeinsam etwas bestellen und teilen, sofern man zu zweit oder in einer kleinen Gruppe unterwegs ist. Vielleicht ist genau das dann der Geschmack, der von Bengaluru in Erinnerung bleibt.

Das Restaurant "Loya" ist stilvoll eingerichtet und bietet eine Terrasse auf dem Wasser.
Draussen beim Wasser einen Drink geniessen oder drinnen ins atmosphärische Interieur eintauchen: Das Restaurant «Loya» bietet eine kulinarische Reise nach Nordindien. © Nicole Meier

Text und Bilder: Nicole Meier

 

Veröffentlicht am 20. Oktober 2026