Dänemarks süsseste Versuchungen: Eine Gebäcktour durch Kopenhagen

In Kopenhagen findet man sie beinahe an jeder Ecke: Bäckereien mit einer grossen Auswahl an Gebäckstücken – manche salzig mit Käse, andere süss, getoppt mit Mascarponecreme. Hinter den kulinarischen Köstlichkeiten steckt viel Geschichte, über die wir dir hier mehr erzählen möchten. 

Wer Kopenhagen besucht, freut sich vielleicht auf Nyhavn – die farbige Häuserzeile an der Hafenpromenade, das Schloss Amalienborg, die Residenz der dänischen Königsfamilie oder die kleine Meerjungfrau, die Figur aus der Geschichte des dänischen Autors und Dichters Hans Christian Andersen.

Doch Dänemark hat auch kulinarisch viel zu bieten: Vor allem ihr Gebäck nehmen die Dän:innen sehr ernst, so ernst, dass ein Gebäckstück 2025 gar für das UNESCO-Weltkulturerbe vorgeschlagen wurde. Wir haben auf einer Gebäcktour mit Brigitte von Delicious Denmark vier Bäckereien und ein Café besucht und viele Köstlichkeiten entdeckt. 

 

Reinh van Hauen Bakery
Store Kongensgade 45, 1264 København

Die Reinh van Hauen Bäckerei ist eine der traditionsreichsten in Kopenhagen. Sie besteht seit 1876 und ist auch heute noch in Familienhand. «Die Bäckerei ist berühmt für ihr traditionelles Backwerk samt Patisserie», erklärt unsere Guide Brigitte. 

Wer die Reinh van Hauen Bäckerei besucht, sollte unbedingt die Spandauer probieren. Das Gebäck besteht aus einem laminierten Teig, also vielen Schichten aus Teig und Butter und ist mit einer Vanillecreme getoppt. «Der Name kommt vom Berliner Ort Spandau. Der genaue Ursprung ist ungewiss, aber es wird vermutet, dass er von den Röcken des Spandauer Balletts stammt oder den Türmen vom Spandauer Gefängnis», erklärt Brigitte. 

Spandauer mit Vanillecreme in der Auslage von Reinh. van Hauen – ein Klassiker der dänischen Backkunst.
Spandauer mit Vanillecreme in der Auslage von Reinh van Hauen – ein Klassiker der dänischen Backkunst.

 

Lagkagehuset Bakery
Frederiksberggade 23, 1459 København 

Lagkagehuset wurde 1991 in Kopenhagen gegründet und ist heute eine von Dänemarks grössten Bäckereien. Mittlerweile gibt es die Lokale gar in England und den USA», so Brigitte. Im Gegensatz zu den anderen Bäckereien in diesem Artikel gilt Lagkagehuset als ein Massenproduzent. «Das tut der Qualität aber keinen Abbruch», fügt die Guide an. «Die Lagkagehuset Zimtschnecken gelten in London als die besten. Hier in Dänemark sind sie ein Standard, den kleinere Bäckereien übertreffen möchten.»

Hier probieren wir unter anderem die Hindbaersnitte, das Lieblingsgebäck des dänischen Dichters und Schriftstellers Hans Christian Andersen. «Als Andersen in Skagen lebte, ist er jeden Sonntag 20 Kilometer spaziert, um das Gebäck geniessen zu können», erzählt Brigitte. Die Schnitten bestehen aus Schichten von Mürbeteig und Himbeermarmelade und sind mit einem Zitronenzuckerguss überzogen.

Frisch gebackene Teilchen in der Auslage von Lagkagehuset, perfekt für die süsse Pause zwischendurch.
Frisch gebackene Teilchen in der Auslage von Lagkagehuset, perfekt für die süsse Pause zwischendurch.

 

Hart Bakery
Høkerboderne 17, 1712 København

Die Hart Bakery wurde von Richard Hart gegründet und wird vom mehrfach als bestes Restaurant ausgezeichneten Noma unterstützt. «Hier findet man vor allem Gebäck, das stark von der neuen nordischen Gastronomie beeinflusst wird», erklärt Brigitte. Die neue nordische Gastronomie baut auf mehreren Grundsätzen auf: Es wird lokal und saisonal produziert und auf Nachhaltigkeit geachtet. Köch:innen sammeln Zutaten oft selbst in der Natur und interpretieren alte Traditionen mit neuen Innovationen. In den Hart-Bäckereien gibt es ausserdem auch Produkte aus dem Noma zu kaufen.

Auch hier probieren wir nochmals den berühmten Spandauer, allerdings neu interpretiert im Stil eines Croissants. Zudem gibt es eine Interpretation der Zimtschnecken.

Goldbraun gebackene Spandauer in verschiedenen Varianten in der Vitrine der Hart Bakery.
Goldbraun gebackene Spandauer in verschiedenen Varianten in der Vitrine der Hart Bakery.

 

Juno the Bakery
Århusgade 48, 2100 København, Dänemark

Die letzte Bäckerei auf unserer Tour dürfte wohl auch die berühmteste sein. Der Hype um Juno the Bakery ist so gross, dass teilweise Wartezeiten von bis zu 30 Minuten eingerechnet werden müssen. Doch woher kommt die Begeisterung der Dän:innen? «Juno wurde 2017 von Emil Glaser gegründet. Glaser war jahrelang beim Noma, einem der renommiertesten Restaurants der Welt, und hat das Gebäckniveau auf Michelin-Standard gehoben», erklärt Brigitte.

Bei Juno probieren wir unter anderem eine Kardemommesnurrer (Kardamomschnecke), ein Gebäck, das sonst eher im schwedischen Backwerk zu finden ist, durch Glaser aber auch in Kopenhagen Bekanntheit erlangt hat. Sein Kardemommesnurre hat das Niveau der Kopenhagener Bäckereien deutlich mitgeprägt – das Michelin-Niveau ist im Gebäck klar spürbar.

Wer Juno besucht und insbesondere dieses Gebäck probieren möchte, sollte erst ab 10 Uhr kommen. Zuvor gibt es nur eine begrenzte Auswahl an Croissants und Pain au Chocolat.

Ob Vaniljesnurre, wie hier in der Theke, oder Kardemommesnurrer: Bei Juno the Bakery ist die Auswahl gross.
Ob Vaniljesnurre, wie hier in der Theke, oder doch Kardemommesnurrer: Bei Juno the Bakery ist die Auswahl gross.

 

Café Prolog
Høkerboderne 16, 1712 København

Im Café Prolog wird der Kaffee nicht nur produziert, sondern zelebriert. Hier findet man die sogenannte vierte Welle des Kaffees. «Bei der ersten Welle spricht man beispielsweise von Supermarktkaffee. Ein Massenprodukt, das zu einem geringen Preis erhältlich ist», erklärt unsere Guide. Die zweite Welle umfasst die Kaffeehäuser, die dritte Welle die unabhängigen Coffeeshops mit Fairtrade-Kaffee. «Bei der vierten Welle liegt der Fokus auf der Vorbereitung des Kaffees», so Brigitte. Es gibt neue Aufbereitungsarten, und vom Wasser bis zur Röstung herrscht viel Kontrolle. Ein Geheimtipp für alle Feinschmecker: Prolog verkauft Produkte von Juno the Bakery.

SWISS fliegt mehrmals täglich nach Kopenhagen.

Text: Anja Suter

Bilder: Aimee Baumgartner 

Publiziert: 23.01.2026