Könige, Kühe, Keramik – Jütland zum Anfassen

Das Jütland überrascht mit Geschichte zum Anfassen, Design zum Mitnehmen und Küche zum Verlieben. Wir reisen drei Tage lang mit dem Auto durch den südlichen Teil der Halbinsel – von Kolding über Jelling bis nach Billund – und entdecken ein Dänemark, das nachhaltig, kreativ und herzlich ist.

Tag 1: Ankunft in Kolding – Architektur, Geschichte und Natur

Unsere Reise in Jütland beginnt in Kolding. Hier, direkt am Wasser, sind mehrere Häuser zu finden, die vor allem durch ihre verschiedenen Formen und grossen Fensterfronten auffallen. Von innen sind die Kolding Appartements fast noch beeindruckender. Sie muten ein wenig an wie kleine Schatztruhen. In den bereitgelegten Broschüren findet sich beispielsweise eine Schnitzeljagd durch die Gegend – ausserdem sind die Wohnungen mit allem ausgestattet, was während Ferienreisen benötigt werden könnte. Wer in der Wohnung nicht fündig wird, fragt an der Rezeption. Vom Campinggrill bis zur Slackline ist praktisch alles verfügbar. Geleitet werden die Kolding Appartements seit 15 Jahren von Jeanette Therkildsen. «Kolding fühlt sich für mich auch ein wenig wie meine Stadt an», erklärt die ehemalige Tourismus-Leiterin. In Kolding finde man viel Geschichte, aber auch für die Kunst reisen Menschen von weit her an – sei es, um das Trapholt Museum zu besuchen oder die Kolding Design School. «Aber es ist immer noch keine grosse Stadt. Hier kann man in der Nacht das Fenster offenlassen und am Tag durch die Stadt schlendern.»

Die Kolding Apartements sind das ganze Jahr geöffnet.
Die Kolding Apartements sind das ganze Jahr geöffnet.

Die Kolding Appartements sind 365 Tage im Jahr geöffnet. «Das ist zum einen wegen der Tourist:innen, aber auch für unsere Businesskund:innen», erklärt Jeanette.

Unweit der Appartements entfernt befindet sich eine Burg, die das Herz aller royalen Fans höherschlagen lassen dürfte. «Das Schloss wurde vor 800 Jahren gebaut», erklärt uns Guide Jerone. Das Schloss, in dem auch heute immer noch ab und zu Teile der dänischen Königsfamilie residieren, ist teilweise im Umbau. «1880 wurde es von spanischen Soldaten zerstört. 50 Jahre lang standen hier nur Ruinen, seit fast 100 Jahren befinden wir uns im Wiederaufbau», erklärt Jerone. Teile der Zerstörung sieht man heute noch im Ruinensaal. Er wurde von einem Architektenpaar so wiederhergestellt, dass die neuen Konstruktionen jederzeit wieder entfernt werden könnten.

Eine grosse Ausstellung im Schloss ist den Kindern gewidmet – genauer gesagt den Königskindern. «Die Ausstellung befasst sich nicht nur mit dem schönen Teil unserer Geschichte. Königskinder waren früher oft nur ein Produkt», erklärt der Guide. Speziell an dieser Ausstellung: Vieles kann angefasst und ausprobiert werden. Kinder und Erwachsene können interaktiv mit der Geschichte agieren. So gibt es etwa einen riesigen Fundus mit Königinnen- und Königskleidern, die im hauseigenen Atelier von Freiwilligen selbst genäht werden.

Für alle, die sich nach einem ereignisreichen Tag nach Ruhe sehnen, eignet sich das Haraldskær Sinatur Hotel & Conference in Vejle. Hinter dem Namen verbirgt sich ein historisches Herrenhaus, das – umgeben von sanften Hügeln, Wiesen und Wäldern – einen ruhigen Kontrast zu den kulturellen Eindrücken des Tages bietet. Es ist ein Ort, um inmitten der Natur zur Ruhe zu kommen.

Das Haraldskær Sinatur Hotel & Konference Hotel lädt zom entspannen ein.
Das Haraldskær Sinatur Hotel & Konference Hotel lädt zom entspannen ein.

Das Herrenhaus stammt aus dem 15. Jahrhundert, beherbergt heute jedoch ein modernes, umweltbewusstes Hotel mit starkem Fokus auf Nachhaltigkeit und regionalen Lebensmitteln.

 

Tag 2: Wikinger, Smørrebrød und moderne dänische Küche

In Jelling trifft man auf ein bedeutendes Stück Wikingergeschichte: Die Runensteine von König Gorm und seinem Sohn Harald Blauzahn sowie zwei imposante Grabhügel markieren den Übergang von der nordischen Mythologie zum Christentum und gelten als Wiege des dänischen Königreichs. «Dieser Ort ist sehr wichtig für die Dän:innen, die meisten kommen mindestens einmal im Leben hierher», erklärt Christopher, der an diesem Tag unser Tourguide ist und seit vielen Jahren in Jelling arbeitet. Seit 1994 gehört die Stätte zum UNESCO-Weltkulturerbe und zieht Besucher:innen aus aller Welt an. Besonders bemerkenswert: König Gorm liess einen Stein für seine Gattin Thyra errichten. In der Inschrift bezeichnet er sie als «Dänemarks Zierde» – was neben einem letzten Kompliment an seine Gattin auch als erste offizielle Nennung des Landes gilt.

Das dazugehörige Museum Kongernes Jelling verzichtet bewusst auf grosse Artefakte und setzt stattdessen auf interaktive Wissensvermittlung. Man taucht ein in ein vielschichtiges Sinneserlebnis rund um das Leben und Vermächtnis der Wikinger:innen – von Geschichten am Kamin über den Weg nach Walhall bis zum Handwerk dieser faszinierenden Kultur. Besuchende können das Runenalphabet lernen, digitale Gräber erkunden und entdecken, was Harald Blauzahn mit der heutigen Bluetooth-Technologie zu tun hat.

Ein kleiner Bonus: Eine mehrere Meter lange Wand im Museum zeigt die gesamte dänische Monarchielinie – kunstvoll gehäkelt.

Auf einem Trip nach Dänemark darf man eines bestimmt nicht verpassen: das berühmte Smørrebrød, das traditionelle dänische Gericht aus kunstvoll belegtem Roggenbrot. Das Restaurant Remouladen in Vejle, knapp eine Stunde von Jelling entfernt, ist bekannt für seine moderne Interpretation der dänischen Küche und bietet verschiedene Variationen des klassischen Smørrebrød an.

Smørrebrød sind oft kunstvolle Werke.
Smørrebrød sind oft kunstvolle Werke.

Wer sein Souvenir lieber selbst gestaltet, anstatt es zu kaufen, kommt in Dänemark voll auf seine Kosten. Das Land ist bekannt für sein kunstvolles Keramikhandwerk, das Tradition und Kreativität miteinander verbindet. Am Nachmittag lädt das Café Kaffekop in Fredericia dazu ein, die eigene künstlerische Seite zu entdecken und ein Keramikobjekt ganz persönlich zu bemalen. So entsteht nicht nur ein einzigartiges Andenken, sondern auch eine greifbare Verbindung zur dänischen Kultur – ein kleines, selbstgemachtes Stück Dänemark zum Mitnehmen.

Ein kreativer Nachmittag im Kaffekop.
Ein kreativer Nachmittag im Kaffekop.

Um den letzten Abend stilvoll ausklingen zu lassen, führte der Weg ins Michelin-Restaurant Treetop, das sich direkt im Hotel Munkebjerg befindet. Schon beim Betreten fällt der Blick auf Regale voller Einmachgläser: Darin leuchten eingelegte Tannenzapfen, selbst angesetzter Pflaumenlikör oder sorgsam getrocknete Pilze. Fast alle Zutaten stammen aus eigener Hand – gesammelt im Wald, geerntet im Garten und liebevoll verarbeitet.

Der Ausblick aus dem Hotel Munkjeberg.
Der Ausblick aus dem Hotel Munkjeberg.

Die Philosophie des Hauses ist ebenso einfach wie konsequent: Warum einkaufen, wenn die Natur alles bereithält? Statt von weit her betrachtet die Küche die eigene Umgebung als Speisekammer. So werden das Sammeln, Einlegen und Konservieren selbst Teil der kulinarischen Erzählung – und jeder Teller erzählt von Wald, Wiese und der engen Verbindung zur Region und bekannten lokalen Produzenten.

Ein Dessertgang im Hotel Munkebjerg.
Ein Dessertgang im Hotel Munkebjerg.

 

Tag 3: Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und LEGO-Träume

Alle Restaurants, in denen wir auf unserer Reise gegessen haben, beziehen den Grossteil der Lebensmittel aus lokalen Quellen. Wie das in Jütland aussehen kann, zeigen uns Simon und Julie, die Besitzer von Ravnsminde, einem kleinen Bauernhof zwischen Vejle und Børkop. Julie und Simon kauften den Hof 2015 – sie ist ursprünglich Krankenschwester, er gelernter Farmer. Mittlerweile arbeiten mit dem Ehepaar weitere fünf Angestellte auf dem Hof. Sie beliefern mit ihren Produkten unter anderem das Michelin-Restaurant Treetop und bestücken den hauseigenen Hofladen. «Wir sehen einen Wechsel im Konsum – mehr Menschen legen mehr Wert auf Qualität, vor allem bei Fleisch», erklärt Julie. Dem Ehepaar geht es bei Ravnsminde aber nicht nur darum, ein Lieferant für hochwertige Produkte zu sein. Sie wollen den Menschen auch die Natur wieder näherbringen. So sind in der Umgebung häufig einzelne Kühe anzutreffen, die auf einem eingezäunten Wiesestück grasen. Ein mehrfacher Gewinn, wie Simon erklärt: «Momentan grasen Kühe in der Nähe eines Schulweges für Kinder. Die kommen so mehr mit Tieren in Kontakt. Ausserdem fördern die grasenden Kühe die Bodenfruchtbarkeit.»

Unser letzter Stopp führt uns an einen Ort, den viele mit Billund in Verbindung bringen dürften: das LEGO® House. Hier können sich auf mehreren Stockwerken kleine und grosse LEGO-Fans austoben. Es kann nach Vorlage gebaut werden, aber auch das kreative Gestalten eigener Legoskulpturen wird gefördert. Was auffällt: Das LEGO House ist auf mehreren Ebenen inklusiv. Es ist architektonisch barrierefrei gestaltet, für Menschen, die schnell reizüberflutet sind, stehen ruhige Räume mit Kopfhörern zur Verfügung, und der Eingangsbereich mit einigen Spielmöglichkeiten ist sogar ohne Ticket zugänglich. Wer das komplette LEGO House erkunden möchte, ist gut beraten, den Eintritt bereits bei der Reisebuchung online zu kaufen.