«Den Gedanken schnell nach Hause zu kommen, habe ich im Hangar nie»

Sinan und Engjell absolvieren ihre Ausbildung bei der SWISS. Während Sinan im dritten Lehrjahr als Automatiker ist, beendet Engjell in diesem Sommer seine Ausbildung als Polymechaniker. Das Arbeiten an den grossen Flugzeugen ist für die beiden die Erfüllung eines Bubentraums.

Der Ausblick von einer der Terrassen im SWISS Hangar am Flughafen Zürich ist für Neuankömmlinge oft überwältigend. Beim Blick über die verschiedenen Flugzeuge überlegt man sich, wie diese so exakt geparkt wurden. Zurück auf dem Boden staunt man über die schiere Grösse der Maschinen - besonders im Vergleich zu den Mechaniker:innen, die an den Flugzeugen arbeiten. Auch Sinan Kaufmann und Engjell Amidi standen mal als Besuchende in diesen Hallen und kamen aus dem Staunen nicht heraus, wie sie lachend bestätigen.

Heute ist das Arbeiten im Hangar für Sinan und Engjell Alltag. Sinan befindet sich im dritten Ausbildungsjahr als Automatiker, Engjell ist im vierten und letzten Lehrjahr als Polymechaniker. Auch wenn der Anblick der Flugzeuge in den Hallen heute Alltag für die Beiden ist, die Begeisterung ist noch genau so gross wie am ersten Tag. Die Beiden führen uns im Beisein von ihrem Ausbildner Stefan Hilber durch den Hangar und erklären, was sie unter Aufsicht bereits an den Flugzeugen machen durften.

Bick von oben auf ein SWISS Flugzeug.
Bick von oben auf ein SWISS Flugzeug.

 

«Ich mag die Verbindung zwischen Technik und Mechanik»

Sowohl Sinan als auch Engjell brennen für das, was sie hier tun – auch wenn sie auf unterschiedlichen Wegen zu ihren Ausbildungsberufen gekommen sind. «Mein Grossvater war Pilot. Wir haben in meiner Kindheit viel Zeit am Flughafen verbracht», erzählt Sinan. Das Interesse für Flugzeuge sei bei ihm schon immer da gewesen, «über die Jahre ist es etwas abgeflacht, aber es war nie ganz weg.» Als es um die Suche einer geeigneten Lehrstelle geht, sieht Sinan, dass SWISS Lehrberufe mit Fachrichtung Flugzeugunterhalt anbietet. «Ich wusste sofort, das ist es für mich. Ich wollte unbedingt in die Welt der Fliegerei.» Sinan bewirbt sich für einen Ausbildungsplatz als Automatiker. «Ich mag die Verbindung zwischen Technik und Mechanik.»

Engjells Berufswunsch war derweil eigentlich ein anderer. «Ich habe zuerst nach einer Lehrstelle als Zeichner gesucht», erzählt er. Genau wie Sinan stösst er aber auch auf die Ausbildungsangebote von SWISS. «Als ich sah, dass sie Polymechaniker: innen ausbilden und ich später an Flugzeugen arbeiten kann, wurde diese Lehrstelle zu meiner Priorität.»

 

Die Grundlagen müssen sitzen

Wie Madeleine und Marc aus unserem ersten Teil haben auch Sinan und Engjell die ersten beiden Jahre ihrer Ausbildung in der Lernendenwerkstatt verbracht und lernten dort, die Grundlagen ihrer Berufe. Der Drang nach dem Arbeiten in Hangar sei in dieser Zeit definitiv da gewesen, sagen die beiden. Doch diese Basis sei wichtig. «Die Grundlagen waren nötig, damit wir hier richtig mithelfen können», sind sie sich einig.

Wie die Lernenden im Hangar unterstützen, hängt  -wie an den meisten Orten - davon ab, wie weit sie in ihrer Ausbildung sind. So ist Sinan im dritten Lehrjahr häufig mit einem Auszubildenen und weiteren Lernenden am Flugzeug. Dort werden sie angeleitet und ihre Arbeitsschritte werden überwacht. «Häufig machen wir es so, dass wir uns zuerst gegenseitig kontrollieren, bevor der Ausbildner am Schluss über die Arbeit schaut. Wir lernen immer mehr und werden selbständiger, das macht wirklich Spass.»

Für Engjell im letzten Ausbildungsjahr sieht das bereits ein wenig anders aus. «Im vierten Lehrjahr arbeiten die Lernenden Hand in Hand mit den  lizenzierten Flugzeugmechaniker: innen im laufenden Schichtbetrieb. Bei meinem aktuellen Auftrag habe ich etwa gleich viel gearbeitet wie der Mechaniker. Er ist aber immer da, beantwortet Fragen und bringt uns Neues bei und  er trägt die Verantwortung für die ausgeführte Arbeit .»

 

Sicherheit ist das oberste Gebot

Die grosse Verantwortung, die sie in ihrem Beruf tragen, macht den beiden jungen Männern nichts aus – sie schätzen sie sogar. «Natürlich haben wir durch die Verantwortung teilweise mehr Druck. Aber das ist auch sehr erfüllend. Wenn ich am Abend nach Hause gehe, weiss ich, dass ich dazu beigetragen habe, dass Menschen sicher verreisen können», erklärt Sinan.

«Ich merke auch, dass sich meine Einstellung teilweise verändert hat», ergänzt Engjell. Wenn ich in der Lernendenwerkstatt ein Teil fertiggestellt habe, war ich teilweise froh, dass ich den Auftrag erfolgreich abgeschlossen habe. Hier im Hangar arbeite ich so genau wie möglich und so schnell wie möglich. Den Gedanken, dass ich fertig werden möchte und nach Hause will, habe ich nie.» Auch Ausbildner Stefan Hilber kann diesen Punkt nachvollziehen: «Sinnstiftende Arbeit motiviert und erfüllt natürlich. Das ist ein Unterschied zum reinen Ausbildungsbetrieb in der Lehrwerkstatt. Die Toleranz für Fehler wird mit fortschreitender Ausbildung jedoch auch kleiner», erklärt er.

Ein Einblick in den Hangar.
Ein Einblick in den Hangar.

Die Arbeit am Flugzeug kann stressig werden, aber unter Druck dürfen sich die Polymechaniker:innen und die Automatiker:innen nicht setzen lassen. Denn die Sicherheit ist das oberste Gebot. Um diese immer gewährleisten zu können, wird überall mit Checklisten gearbeitet. «Es gibt sogar eine Checkliste dafür, wie man eine Glühbirne auswechselt», erklärt Engjell und fügt noch ein weiteres Beispiel an.  «Auch wenn ich bereits 400-mal ein Rad gewechselt habe, verwende ich beim 401. mal trotzdem wieder die Checkliste. Dabei geht es um die Sicherheit.» Alle Arbeitsschritte werden zudem dokumentiert und es wird angegeben, nach welcher Checkliste oder Wartungsvorschrift gearbeitet wurde.

Ausbildner Stefan Hilber fügt an: «Am Ende erwarten wir von allen Flugzeugmechaniker:innen und -Elektriker:innen das gleiche. Gewissenhafte Arbeit, Zuverlässigkeit und vorbildliche Kommunikation. Da führen wir unsere Lernenden über vier Lehrjahre Schritt für Schritt hin.»

 

Sie bleiben der Fliegerei erhalten

Engjell schliesst seine Ausbildung im Sommer ab. Sinan im Jahr darauf. Blicken die beiden bereits in die Zukunft?

«Ich lasse es auf mich zukommen», sagt Sinan. Für ihn sei es aber klar, dass er in einem ersten Schritt alle Lizenzen machen möchte, um allein am Flugzeug arbeiten zu könne. «Damit ich auch weiss, wie das ist.» Für diese Lizenzen benötige er aber noch zwei bis drei Jahre.

Ähnlich hört es sich bei Engjell an. «Zuerst möchte ich einfach mal auf meinem Beruf arbeiten. Ich könnte mir aber später auch vorstellen, Pilot zu werden.»