Wo die Schweiz erblüht: 10 Gartenoasen zum Abtauchen und Aufatmen

Wenn alles schneller, lauter und unübersichtlicher wird, gewinnen stille Rückzugsorte an Bedeutung. Gärten entschleunigen, erden und tun der Seele gut. Die Schweiz bietet dafür beste Voraussetzungen – von südlicher Üppigkeit bis zu westlicher Eleganz. Hier warten zehn der schönsten Pflanzenparadiese darauf, entdeckt zu werden. 

#1  Château de Vullierens, Vullierens VD
Auf dem Hochplateau bei Morges am Genfersee breitet sich diese 30 Hektar grosse Gartenanlage um das Château de Vullierens aus und fügt sich organisch in die von Getreidefeldern und Reben geprägte Kulturlandschaft ein. Seit 700 Jahren ist sie im Besitz der Familie Bovet, die das zugehörige, nicht öffentlich zugängliche Barockschlösschen bewohnt. Im Mittelpunkt stehen die Iris-Felder, die im Mai und Juni in unzähligen Farben und Farbkombinationen blühen, weshalb der Garten von den Einheimischen «Jardin des Iris» genannt wird. Viele der insgesamt 400 Sorten wurden vor Ort gezüchtet und noch immer arbeiten die Gärtner am perfekten Rot.

Rund um die Iris-Felder, die im Sommer von robusten Taglilien abgelöst werden, welche für anhaltende Farbenpracht sorgen, laden acht weitere Gärten mit unterschiedlicher Bepflanzung zum Entdecken ein: mit Rosen und Pfingstrosen, Rhododendren, Azaleen, Clematis und spät blühenden Tulpen. Einen schönen Kontrast setzt die Kunst: Auf dem Areal verteilen sich mehr als 85 moderne, teils kolossale Skulpturen.

Gärten mit Blumenbeeten und Iris-Feldern
Rundum zauberhaft: Die Gärten von Schloss Vullierens nahe Lausanne. Zwischen Blumenbeeten und Iris-Feldern gibt es zeitgenössische Skulpturen zu bewundern. © Château de Vullierens/Regis Colombo

#2  Botanischer Garten St. Gallen SG
Dieses Juwel im St. Galler Stadtteil Neudorf bietet auf kompaktem Raum einen Überblick über die pflanzliche Vielfalt der Erde. Führungen, Vorträge und Kurse zu botanischen Themen ergänzen das Angebot, ebenso wie lauschige Ecken zum Ausruhen, Schauen und Staunen. Der Botanische Garten erfüllt seine Rolle als Ort der Bildung und der Erholung in jeder Hinsicht. Dabei ist das Gelände in 20 Bereiche gegliedert: geografische Abteilungen wie Alpinum, Europa, Amerika und Asien, Schulabteilungen zu Biologie, Genetik und Systematik sowie Nutzpflanzenbereiche mit Kultur-, Gift- und Heilpflanzen. Hinzu kommen verschiedene Sortimentsgärten, darunter ein Ahorngarten, Bereiche für Kletter- und Kübelpflanzen, ein Irisgärtchen und ein Farngarten.

Ein Highlight ist das grosse Tropenhaus mit angeschlossenem Orchideenhaus. Weitere Gewächshäuser widmen sich der alpinen Flora, fleischfressenden Pflanzen und den «lebenden Steinen» – Wüstenpflanzen, die Kieselsteinen ähneln, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Im artenreichen Magerrasen gedeihen über 100 einheimische Wiesenarten. Doch muss man von alldem gar nichts wissen, um in den Zauber dieses Gartens einzutauchen. Gleich nebenan: das Naturmuseum St. Gallen mit Museumscafé.

Gewächshaus mit tropischen Pflanzen
Der Botanische Garten St. Gallen zeigt auf kleinem Raum die pflanzliche Vielfalt der Erde. © Stadt St. Gallen

#3  Schlosspark Arenenberg, Salenstein am Untersee TG
Er gehört zu den Hauptattraktionen der Bodenseeregion: der Park des Schlossguts Arenenberg mit seinem weiten Blick über den Untersee bis zur Insel Reichenau. Ein Spaziergang durch diese geschichtsträchtige Anlage ist zugleich eine Reise durch mehrere Epochen der Gartenkultur. Aus den Lustgärten des Mittelalters und der Renaissance, die hier einst bestanden, formte Hortense de Beauharnais, Stieftochter von Napoleon Bonaparte, ab 1817 den spektakulärsten Landschaftspark der Ostschweiz. In ihrem erzwungenen Exil wollte sie einen repräsentativen Ort schaffen, an dem sie Hof halten und ihren Sohn Louis, den späteren Kaiser Napoleon III, standesgemäss erziehen konnte. Das Ergebnis begeisterte die zahlreichen Besucher aus den europäischen Adels- und Künstlerkreisen.

Louis selbst führte das Werk später zur Vollendung: Rund um das Schlösschen winden sich verschlungene Pfade durch Wiesen und Wälder, vorbei an Pavillons, über Brücken, zu versteckten Grotten und Wasserspielen. Im Napoleonmuseum im Schloss scheint die kaiserliche Familie noch immer ein- und auszugehen – ein Besuch fühlt sich an wie ein Rundgang durch ein Historiendrama à la «Bridgerton».

Aussichtspunkt mit Blick auf Bodensee
Schloss und Park Arenenberg liegen an einem der schönsten Aussichtspunkte der Bodenseeregion. © Helmuth Scham

#4  Merian Gärten, Basel BS
1711 wurde die Villa Merian als barockes Landschlösschen mit Englischem Garten und Parklandschaft erbaut. Unmittelbar angrenzend entwickelte sich über die Jahrhunderte der Brüglingerhof – ein heute denkmalgeschützter Gutsbetrieb mit traditioneller Landwirtschaft, vielfältigen botanischen Sammlungen und Nutzgärten voller seltener Gemüsesorten. Im Frühjahr 2012 wurden beide Anlagen zu einem eindrücklichen Ganzen vereint. Seither erstrecken sich hier 18 Hektar biologisch bewirtschaftete Natur, die Besucherinnen und Besucher auf Schritt und Tritt überrascht: hier eine Pfingstrosensammlung mit 100 Arten (Hauptblütezeit im Mai), dort eine Clematis-Kollektion mit 200 Sorten (März bis Oktober), dann ein Karpfenteich vor markanter Baumkulisse oder ein verwunschener Märchenwald mit Rhododendren und Azaleen (Blütezeit März bis Mai).

Zu den besonderen Schätzen der Merian Gärten zählen zudem die Bartiris-Sammlung mit 1500 Sorten (Blütezeit Mai und Juni) sowie der Obstgarten, der vom Aussterben bedrohte Apfel-, Birnen- und Pflaumensorten ein Zuhause bietet. Jeder der 400 Obstbäume trägt eine andere Sorte.

Garten mit Brunnen und Herrenhaus
Kontrapunkt zur urbanen Hektik: Merian Gärten am südlichen Basler Stadtrand. © CMS / Kathrin Schulthess

#5  Botanischer Garten der Universität Zürich ZH
Als der Alte Botanische Garten am Schanzengraben in den 1970er-Jahren zu klein wurde, errichtete die Universität Zürich den «neuen» Botanischen Garten in einem ehemaligen Villenpark am oberen Rand des Seefeld-Quartiers. Das abwechslungsreiche hügelige Gelände mit seinen verschlungenen Wegen, die geschickt inszenierte räumliche Gestaltung nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten sowie die angrenzenden Grünflächen lassen die Anlage deutlich grösser erscheinen, als sie tatsächlich ist.

Der Garten wirkt erstaunlich «natürlich», obschon er es nicht ist, und durch ständig wechselnde Sichtachsen und neue visuelle Bezüge bewegt man sich wie in einem Film von Szene zu Szene. Im Zentrum stehen die drei kuppelförmigen Schauhäuser, die aus keinem Zürich-Reiseführer mehr wegzudenken sind. Davor lädt eine weitläufige Wiese rund um einen naturnah gestalteten Weiher zum Verweilen ein. 

Gartenanlage mit futuristischen Schauhaus-Kuppeln
Stadtoase mit 7000 verschiedenen Pflanzenarten und drei futuristischen Schauhaus-Kuppeln: Botanischer Garten der Universität Zürich. © Claus Schweitzer

#6  Rieterpark, Zürich ZH
Im 19. Jahrhundert entstanden in den seeseitig gegenüberliegenden Zürcher Quartieren Enge und Riesbach prachtvolle Privatgärten. So liess sich 1857 auch der deutsche Seidenhändler Otto Wesendonck ein Herrschaftshaus in einem landschaftlich eindrucksvoll gestalteten Park mit zahlreichen exotischen Bäumen errichten

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Rieterpark der Öffentlichkeit zugänglich. Seitdem wird er von der Stadtbevölkerung rege als friedlicher Zufluchtsort mit Spiel- und Liegewiesen genutzt. Besonders reizvoll ist er im Frühling, wenn Magnolien und Blumenbeete ein wahres Feuerwerk von Farben und Düften entfalten. Die Villa Wesendonck und ein moderner unterirdischer Bau beherbergen heute das Museum Rietberg mit einer renommierten Sammlung aussereuropäischer Ethno-Kunst und vielbeachteten Sonderausstellungen.

Wiese mit Bäumen und Herrenhaus
Zürichs grosszügigster Landschaftspark: Rieterpark im Enge-Quartier. © Museum Rietberg

#7  Enea Baummuseum, Rapperswil-Jona SG
«Einen alten Baum verpflanzt man nicht.» Diese Redensart gilt im modernen Gartenbau längst nicht mehr – zumindest nicht im Kosmos von Enzo Enea. Der Landschaftsarchitekt und leidenschaftliche «Baumflüsterer» hat bereits Tausenden von Bäumen ein neues Leben geschenkt. 2010 eröffnete er neben seinem Firmensitz beim Zürcher Obersee ein Baummuseum mit ausgewählten Exemplaren, darunter einige über hundert Jahre alte Gehölze. Die meisten von ihnen standen Bauvorhaben im Weg.

Wo sonst die Motorsäge zum Einsatz gekommen wäre, rückte Eneas Verpflanzungsteam an und siedelte die vermeintlichen Störenfriede hierher um. Mit diesem Pionierprojekt gelang dem Patron ein stilles Manifest für Wiederverwertung, Respekt und Zeit. Oder, wie er es selbst formuliert: «Die Natur braucht uns nicht, wir sie aber schon.»

Garten mit Bäumen und futuristischen Betonwänden
Was andernorts gefällt worden wäre, wurzelt hier neu: Enea Baummuseum. © Enea Baummuseum

#8  Botanischer Garten Bern BE
Das «Kunstmuseum der Natur» (Eigenwerbung) ist seit 1859 eine Institution der Universität Bern und so etwas wie die grüne Lunge der Stadt: Rund 6000 verschiedene Pflanzenarten aus allen Gebieten der Erde sind hier zu entdecken. Zu den Besonderheiten des Botanischen Gartens (BOGA) zählen die tropischen Schauhäuser, der Heilpflanzengarten und das «Alpinum» mit Schätzen aus Gebirgsregionen.

Dank der sonnigen Lage am Aare-Hang gedeiht auch eine aussergewöhnliche Gehölzsammlung mit rund 1000 Arten, darunter empfindliche Bäume aus Australien, Südafrika und Asien, einige sind über 150 Jahre alt. Im April erblüht ein farbenprächtiges Tulpenmeer. Wer Hunger oder Durst mitbringt, kann auf der Terrasse des «Café Fleuri» beim Sukkulentenhaus ein Birchermüesli, einen Sommersalat oder ein erfrischendes Eis geniessen – mit Blick auf die Aare.

Schwimmendes Blatt
Ein Reich der Sinne für alle, die für einen Moment den Verkehrslärm gegen Vogelgezwitscher und Blätterrauschen eintauschen möchten: Botanischer Garten Bern. © Markus Rüfenacht

#9  Parco San Grato, Carona ob Lugano TI
Im Gegensatz zu vielen anderen Gartenanlagen ist der Parco San Grato weder von Mauern noch von Zäunen umgeben. Ohne klare Abgrenzung fügt er sich harmonisch in die mediterrane Landschaft auf dem Bergsattel zwischen San Salvatore und Monte Arbostora ein. Ab der zweiten Märzhälfte beginnen auf dem sechs Hektar grossen, sanft modellierten Gelände die Kamelien und Forsythien zu blühen. Mitte April folgen die Azaleen, Anfang Mai die Rhododendren. In der Folge handelt es sich um die grösste und artenreichste Sammlung dieser Art im Tessin.

Die duftende Blütenfülle, die den Park im Frühjahr in ein Kaleidoskop von Farben verwandelt, wird von rund siebzig mächtigen Nadelbäumen kontrastiert, darunter Kegel-Zypressen, japanische Sicheltannen und Himalaja-Zedern. Besonders stimmungsvoll ist ein Besuch in den frühen Morgenstunden, wenn die Sonne über dem Luganersee aufgeht und der Park langsam erwacht – ein wahrhaft magisches Erlebnis.

Ausblick auf den Luganersee mit Azaleen und Rhododendren
Aussichtsreiches Azaleen- und Rhododendren-Paradies: Parco San Grato hoch über dem Luganersee. © Parco San Grato

#10  Giardino Botanico delle Isole di Brissago, Brissago TI
Die Isola Grande, die grössere der beiden Brissago-Inseln, zieht Besucher vor allem wegen ihres Gartens mit 1700 Pflanzenarten an. Bereits 1885 verwandelte die damalige Besitzerin, die Baronin und Naturenthusiastin Antoinette de Saint-Léger, das karge Eiland mit grossem finanziellem Aufwand und Schiffsladungen fruchtbarer Erde in einen mediterranen Wunderpark. In den 1920er-Jahren verkaufte sie die Insel aufgrund erdrückender Schulden an den deutschen Kaufhaus-Magnaten und Exzentriker Max Emden, der zwar keine besondere Leidenschaft für Botanik hegte, das Leben jedoch in vollen Zügen genoss: Er unterhielt eine Flotte schneller Motorboote und liess einen neoklassizistischen Palazzo errichten, wie ihn die Gegend bis dahin noch nicht gesehen hatte.

Ausserdem entstand ein Lustgarten mit einem nachgebauten Römischen Bad, der heute den Heilpflanzen gewidmet ist. Über der Bootsanlegestelle prangt noch heute Emdens Leitspruch: «Auch Leben ist eine Kunst.» Nach seinem Tod gingen die Brissago-Inseln in öffentlichen Besitz über und sind seit 1950 der Botanische Garten des Kantons Tessins.

Die zwei Brissago-Inseln mitten im Lago Maggiore
Der Traum vom Süden: Der Botanische Garten des Kantons Tessin befindet sich auf der grösseren der beiden Brissago-Inseln. © Dipartimento del territorio Isole di Brissago

Publiziert am 19. März 2026

Text & Auswahl: Claus Schweitzer

Titelbild: Château de Vullierens / Regis Colombo