#1 Rheinbad Breite, Basel
Die hochbeinige historische Stahlgerüstkonstruktion verbindet Industriecharme mit sommerlicher Leichtigkeit – ein äusserst beliebter Ort, allerdings ohne Badeaufsicht. Geschwommen wird mitten im Fluss mit spürbarer Strömung, nicht in einem überwachten Becken. Daher eignet sich das Rheinbad Breite eher für geübte Schwimmer als für Kleinkinder. In den heissen Monaten dient das Bad vielen als Startpunkt für das Rheinschwimmen: Mit einem bunten «Wickelfisch» (Schwimmsack, der die Kleidung trocken hält) lässt man sich ohne grössere Anstrengung rheinabwärts treiben. Etwa 25 bis 35 Minuten dauert das Vergnügen bis zur Dreirosenbrücke, dem letzten «offiziellen» Ausstieg. Danach führt ein schmucker Uferweg auf der Kleinbasler Seite nahezu durchgehend direkt am Wasser entlang in ca. 45 Gehminuten zurück. Zur «Breite» gehören zudem das Restaurant Le Rhin Bleu sowie im Winter die Sauna am Rhy.
#2 Frauenbad Stadthausquai mit Barfussbar, Zürich
Mitten in der Stadt, zwischen Bürkliplatz und Paradeplatz, liegt dieses Flussbad wie eine eigene kleine Insel. Die in der Limmat schwimmende, denkmalgeschützte Holzkonstruktion aus dem Jahr 1888 schafft eine eigentümliche Distanz zur Umgebung, ohne sie auszublenden. Man ist von der Altstadt umgeben und erblickt dennoch Teile des Zürichsees. Dass die «Frauenbadi», wie sie von den Einheimischen genannt wird, tagsüber Frauen vorbehalten ist, wirkt dabei weniger wie ein Relikt als vielmehr wie ein bewusst geschützter Raum im urbanen Gefüge. Wenn die Sonne hinter dem Uetliberg versinkt, können sich auch die Zürcher Männer freuen – dann wird aus dem Frauenbad die stimmungsvolle «Barfussbar», in der bis Mitternacht geplaudert und geflirtet werden darf. Sonntags ab 20 Uhr kommt zusätzlich Bewegung ins Spiel – dann wird auf dem Wasser getanzt.
#3 Seebad Enge, Zürich
Wozu an die Côte d’Azur reisen, wenn die Tage in Zürich lang und warm sind? Auch im Seebad Enge glitzern die Wellen, und die Schiffe schaukeln leicht im Wind, während sich das Panorama bis weit in die Alpen öffnet. Die Badeanlage liegt als stabil verankerte Plattform im Wasser und ist über einen Steg mit dem Ufer verbunden. Tagsüber herrscht hier reger Badebetrieb mit einem angenehm gemischten, generationenübergreifenden Publikum. Gegen Abend ermöglichen Bar und Self-Service-Restaurant einen nahtlosen Übergang vom Feierabendschwumm in eine laue Nacht am mondbeschienenen Wasser.
Unter dem Titel «Seebad Unplugged» finden zudem alle paar Wochen Konzerte statt. Und sollte der Sommer einmal nicht heiss genug sein, kommt man in der Sauna ins Schwitzen.
#4 Seebad Luzern, Luzern
Schon beim Gedanken an das stimmungsvolle Seebad am Nationalquai im Herzen der Stadt wird es den Luzernerinnen und Luzernern warm ums Herz. Man kommt nicht nur zum Baden hierher, sondern auch, um all jene wiederzusehen, die man im vergangenen Jahr mit dem guten Vorsatz vertröstet hat, sich bald einmal zu melden. Die 1885 erstmals errichtete Pfahlbaute wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrfach umgestaltet. Ganz aus Holz gefertigt, gruppiert sie sich um zwei Innenhöfe mit Schwimmbecken, flankiert von Umkleidekabinen. Zum See hin öffnet sich die Anlage: Dort schwimmen die Badegäste im freien Wasser. Am Morgen gibt es manchmal Yoga- oder Pilates-Lektionen, am Abend laden Bar und Bistro zum Chillen unter freiem Himmel oder im wettergeschützten Erdgeschoss ein.
#5 Bains des Pâquis, Genf
Bei einem Sprung ins frische Wasser fühlen sich die Genfer wieder lebendig. Das Bains des Pâquis, das sich über eine Halbinsel gegenüber dem Jet d’eau erstreckt, ist keine gewöhnliche Badi, sondern eine Institution. «Für die Einheimischen ist dieses Seebad als Treffpunkt und Oase der Erholung von grosser emotionaler Bedeutung – auch weil es in der internationalen Stadt immer weniger Orte abseits der Geschäftigkeit gibt», sagt Philippe Constantin. Der charismatische Chef versteht sich als «Koordinator» des munteren Teams, zu dem neun Bademeister in roten Shorts und weissen T-Shirts zählen. Auch Massagen, Shiatsu-Behandlungen und Tai-Chi-Lektionen stehen im Angebot. Ausserdem ist das Bains des Pâquis ein Ort diverser kultureller Veranstaltungen – die «Apéros poétiques» sind eine davon.
#6 Plage de la Maladaire, La Tour-de-Peilz
Die Plage de la Maladaire zwischen Montreux und Vevey wirkt wie eine kleine Zeitreise und könnte direkt aus den Sechziger- oder Siebzigerjahren stammen. Der Naturbadestrand mit grandiosem Panorama versprüht entspannten Retro-Charme, geprägt von alten Bäumen, einem Mini-Campingplatz und einem gemütlichen Kiosk-Beizli. Hier lässt sich wunderbar ein Sommertag vertrödeln – beim Baden, Sonnen oder beim Grillieren eines Steaks über offenem Feuer. Etwas versteckt unterhalb der Seestrasse gelegen, wird dieser Ort vor allem von Ortskundigen genutzt und bleibt im Vergleich zu den grösseren Anlagen am Genfersee angenehm ruhig. Nichts stört die Idylle, und wenn am Abend die Sonne über dem Lac Léman untergeht, stellt sich fast automatisch dieses schwerelose Feriengefühl ein.
#7 Lido di Lugano, Lugano
Das Lido di Lugano liegt in einer Bucht zwischen dem Parco Ciani und dem Stadtteil Castagnola, als hätte die Landschaft selbst hier eine Bühne aus Wasser und Hügeln geschaffen. Die Anlage mit ihren Schwimmbecken, Liegewiesen, Beachvolleyfeldern, Badeplattformen, Stegen und dem grossen Sandstrand ist weniger von Ruhe als von permanenter Bewegung geprägt. Man wähnt sich hier unweigerlich weiter südlich, als es die Karte vermuten lässt – nicht allein wegen des Einflusses der italienischen Lebensart, der warmen Temperaturen und des weichen Lichts, das über allem liegt. Auch die mediterran anmutende Szenerie und Vegetation am Fuss des Monte Brè, mit Blick auf den Monte San Salvatore, verleihen dem Ganzen eine fast theatrale Tiefe.
#8 Bains de Géronde, Sierre
Pittoresker geht es kaum: Der inmitten von Hügeln und Weinbergen gelegene Lac de Géronde, der von einem Holzschnitzelweg umrundet wird, ist eine echte Walliser Sommeroase nahe dem Ortszentrum von Sierre. Ein paar Züge im sehr sauberen See retten den heissesten Tag. Der grösste Teil des Ufers ist frei zugänglich, und es gibt mehrere öffentliche Liegewiesen. Darüber hinaus bietet das eintrittspflichtige Bains de Géronde neben dem Strandbad (nicht beaufsichtigt) zwei beheizte Freibäder und eine 72 Meter lange Wasserrutschbahn. Ein paar Schritte entfernt lädt das kürzlich renovierte Restaurant La Grotte mit mediterranen Sommergerichten zum Einkehren ein.
#9 Freibad Marzili, Bern
Der sommerliche Treffpunkt von «tout Berne», direkt unterhalb der Altstadt und des Bundeshauses gelegen, bietet direkten Zugang zur Aare sowie ein frisch erneuertes Olympia-Schwimmbecken mit acht Bahnen. Auch ein Sprungturm, ein Kinderbereich und weitläufige Liegewiesen stehen zur Verfügung. Alles gratis – lediglich für die Nutzung von Umkleiden und Schliessfächern fällt eine kleine Gebühr an. Ein besonderes Highlight, das von den Locals genutzt wird: Man spaziert flussaufwärts, etwa bis zum Campingplatz Eichholz oder zu einer anderen Einstiegsstelle, steigt dort in die Aare und lässt sich zurück ins Freibad Marzili treiben – und beginnt das Ganze gerne wieder von vorn.
#10 Drei Weieren, St. Gallen
«Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein...» – einst von einem Schlagerstar besungen, passt diese Zeile bestens zu den Drei Weieren. Dank der idyllischen Weiherlandschaft im Quartier St. Georgen am oberen Stadtrand darf der Sommer hier ruhig richtig heiss werden. Die Naturschwimmbäder mit ihren charmanten Jugendstil-Holzbauten sind in das frei zugängliche Gemeinschaftsbad Dreilinden und das kostenpflichtige Familienbad Dreilinden unterteilt – letzteres mit einem separaten Badebereich für Frauen. Ursprünglich wurden die Weiher zur Wasserversorgung der Textil-Bleichen und Feuerwehren angelegt. Heute sind sie ein zauberhafter Rückzugsort für eine kleine Auszeit: zum Abkühlen, Abtauchen oder einfach, um die Füsse im Wasser baumeln zu lassen.
#11 Rhybadi, Schaffhausen
Seit 1870 beschert die Rhybadi im Rhein als hölzernes Flussbad – in wechselnden architektonischen Ausprägungen – Generationen von Badegästen und Sommerfrischlern unbeschwerte Stunden. Die Anlage mit ihren verschiedenen Becken und grosszügigen Holzplattformen grenzt den Badebereich klar vom offenen Fluss ab, während die Strömung stets sichtbar und hörbar bleibt. Nutzung und Bewegung richten sich nach dem Wasserstand und der Dynamik des Rheins. Hier kann man den Alltag vorbeifliessen lassen, und zu Füssen der Festung Munot stellt sich ein Hauch Ferienstimmung ein – getragen von der in der Schweiz verankerten Gewissheit sauberer Gewässer, die in vielen europäischen Städten längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Text & Auswahl: Claus Schweitzer
Publiziert am 25. Juni 2026