#1 AlpArosa, Arosa GR
Vor 70 Jahren verliess der letzte Käser die «Hinteren Hütten». In der Folge verfiel das alpwirtschaftliche Ensemble, das mitten im Skigebiet und am (Winter-)Wanderweg zwischen der Mittelstation der Weisshornbahn und der Carmennahütte liegt, in einen langen Dornröschenschlaf. Doch im Dezember 2019 erlebte es dank zweier privater Investoren und dem visionären Betreiberteam um Tim Disch und Vanessa Kistler eine Wiederauferstehung. Die drei ehemaligen Ställe blieben äusserlich nahezu unverändert, während die Architekten im Inneren ihr ganzes Können ausspielten und die historisch-landwirtschaftliche Bausubstanz mit modernen Akzenten sanft kontrastierten. Statt Selbstbedienungsrummel wird im «AlpArosa» rustikale Klasse geboten – atmosphärisch, servicemässig und kulinarisch – natürlich auch draussen an der Sonne. Die Küche setzt stark auf regionale Produkte von Bündner Lieferanten, sei es bei der Rösti mit Lostallo-Lachs und heimischem Sauerrahm, beim Rindstatar mit Eigelb-Creme und Brioche oder beim Burger mit Speck, eingelegten Zwiebeln und Maraner Bergkäse. Wer einen der begehrten Plätze auf der gepflegten, mit Schaffellen und warmen Decken ausgestatteten Holzterrasse ergattert, kann wunderbare Momente an der prickelnden Bergluft geniessen. Dabei bleibt es nicht aus, die neidischen Blicke jener zu spüren, die es versäumt haben zu reservieren und unverrichteter Dinge weiterziehen müssen. Fazit: «Saggstargg».
#2 Eggli Lounge, Saanen-Gstaad BE
Schicke Zehner-Gondeln im Porsche-Design bringen Gäste von Gstaad hinauf aufs Eggli. Oben wartet als Klassiker zum Einkehren das gleichnamige Bergrestaurant. Wer es lieber kleiner und entspannter mag – und keine riesige kulinarische Auswahl braucht –, ist in der gegenüberliegenden, vor vier Jahren eröffneten «Eggli Lounge» besser aufgehoben. Aus der Küche kommen Vitello Tonnato, Randen-Couscous oder Rösti mit Tomme und Trockenfleisch. Für eine schnelle Aufwärmpause zwischendurch gibt es Schümli-Pflümli, heisse Schoggi oder alkoholfreien Orangen-Apfel-Punsch. Man sitzt in der Sonne, lässt den Blick schweifen und lauscht dem Sprachengewirr – «Bonjour, wie geits?» oder «Let’s meet tonight dans la Fromagerie!» Das oft unterschätzte Skigebiet Eggli/La Videmanette überrascht mit abwechslungsreichen Abfahrten und idyllischen Naturszenerien. Vor allem auf den Pisten zu Füssen der markanten Kalksteinformation La Videmanette – mit dem «Le Rubli» als höchsten Gipfel – fühlt man sich teils in die Dolomiten, teils in den Nationalpark Torres del Paine versetzt. Gleichzeitig erlebt man einen wohltuenden Kontrast zur hektischen Pistenbolzerei in sportlicher ausgerichteten Skidestinationen.
#3 @Paradise, Zermatt VS
Was Zermatt so einzigartig macht, sind nicht nur die 37 Viertausender rund ums Matterhorn oder die 360 Kilometer makellos präparierten Skipisten zwischen 1620 und 3883 Metern, sondern auch die unvergleichliche Hüttenkultur. Jeder Zermatt-Kenner hat sein persönliches Lieblingslokal am Pistenrand – sei es «Zum See», «Blatten», «Fluhalp» oder «Findlerhof». Das derzeit coolste? Für trendbewusste Genussmenschen ist es das «@Paradise» im Weiler Findeln. Geführt wird es vom jungen Gastgeberpaar Loredana und Elia Zurbriggen, bekocht von Markus Pössenberger – und im Hintergrund wirken, mit klugem Kalkül, Vrony und Max Cotting vom legendären Nachbarbetrieb «Chez Vrony». Auf der Karte: Spicy Ingwer-Rübli-Suppe, Tapas (Gemüse-Tempura, Hummus, Tsatsiki), Hackfleisch auf Pitabrot, Bagel mit Räucherlachs und Meerrettich, Apfelstrudel. Auch gut: Wienerschnitzel mit Kartoffelsalat oder das Käsefondue. Dazu gibt es Spitzenweine aus dem Wallis. Das Publikum kommt aus allen Regionen der Welt, viele Sprachen schwirren durch die Luft. Die Stimmung steigt mit jeder Stunde – und wenn es bei den letzten Sonnenstrahlen aufzubrechen gilt, tut man dies nur ungern und mit dem festen Vorsatz, am nächsten Tag wiederzukommen. Nur reservieren sollte man zuvor, denn das «@Paradise» ist fast immer ausgebucht.
#4 Stalla Alp Nagens, Laax GR
Ist es unten grau und oben blau, zieht es viele Unterländer aus dem Raum Zürich, Aargau und St. Gallen ins Wintersportgebiet Flims Laax, weil’s nah ist, schneesicher und sonnig. Die Glücklichen auf Brettern oder in Winterstiefeln, die sich auskennen am Berg, landen früher oder später auf der Sonnenterrasse des «Stalla» auf der Alp Nagens (Achtung: nicht zu verwechseln mit dem Massenbetrieb «Berghaus Nagens» weiter oben am Hang). Zu behaupten, dass die bediente Bergbeiz bisher im Verborgenen blühte, wäre eine ziemliche Übertreibung. Dennoch gehört das «Stalla» zu den Stillen vor Ort. Wer es kennt, kennt es nicht etwa von lautem Marketing-Geklingel, sondern von der Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Gäste. Diese schwärmen von deftig-feinen Hütten-Evergreens wie Wurst-Käse-Salat, Älpler-Makkaroni oder den Grillspeisen an der Aussenbar – und vom Raclette, das hier originalgetreu am offenen Feuer geschmolzen wird. Die Kühe, die im Sommer auf der Alp Nagens weiden, liefern die Milch für den vor Ort produzierten Käse. Hat das Wetter schlechte Laune, ist es auch im Innern so gemütlich, dass man hier Wurzeln schlagen könnte.
#5 Paradiso, St. Moritz GR
Kurz vor 12 Uhr mittags geht es los, dann treffen sich im «Paradiso» die kommunikationsfreudigen, unternehmungslustigen oder heiter-verrückten Wintergäste von St. Moritz zum alpinen Stelldichein. Es kommen die Reichen und Erfolgreichen, kichernde Mailänderinnen im Lolita-Look und amerikanische Tech-Nerds, Stars und Sternchen, Krethi und Plethi. Der Duft der glitzernden Winterwunderwelt auf den beiden Restaurantterrassen wirkt wie ein Magnet, obwohl die Paradieshütte am äussersten Rand des Skigebiets Corviglia liegt (für Winterwanderer bequem erreichbar mit dem Sessellift Suvretta-Randolins oder auf dem Wanderweg ab St. Moritz via Salastrains und Bergstation Signalbahn). Seit vier Jahren wird die Hütte vom «Badrutt’s Palace» geführt und ist so erfolgreich wie kaum zuvor. Der Gast hat die Wahl zwischen dem einfacheren «Music Deck» auf der oberen Ebene und dem edleren «Paradiso Mountain Club» eine Etage tiefer (Tages-Mitgliedschaft für Nicht-Mitglieder: 40 Franken). Oben wie unten ist die Nachfrage gross – und das gastronomische Angebot so breit gefächert wie sorgfältig zubereitet: Vom Käsefondue aus gereiftem Engadiner Bergkäse über Trüffel-Tagliolini oder Steinbuttfilet mit Spinat bis zum Omaha-Beef-Rib-Eye mit grilliertem Hummer. Die Preise mögen gerade noch so als ortsüblich durchgehen, doch dürfte sich der eine oder andere Normalverdiener am Ende des exklusiven Mittagessens dann doch kurz in den Arm zwicken.
#6 Espace Weisshorn, Grimentz-Zinal VS
Hartgesottene Wintersportler mögen Grimentz-Zinal belächeln, doch die 115 Pistenkilometer zwischen 1500 und 2900 Metern Höhe überzeugen mit abwechslungsreichen Strecken in einer beeindruckend archaischen Bergwelt. Die beschwerliche Anfahrt ins Val d’Anniviers – über eine enge, steile Strasse ab Sierre – schreckt manche Tagesbesucher ab, sorgt jedoch für ein exklusiveres Erlebnis: Hier hat jeder Skifahrer spürbar mehr Platz als in den grossen Wintersportgebieten. Auch im 2023 eröffneten Bergrestaurant «Espace Weisshorn» auf 2700 Metern – auf dem Dach der gleichnamigen Gondel-Bergstation – herrscht kein Gedränge. Stattdessen lädt das zeitlos schlicht gestaltete Lokal zum entspannten Schlemmen ein. Das kulinarische Versprechen «kreativ, modern und dennoch erschwinglich» wird Tag für Tag eingelöst, dafür sorgt der Walliser Spitzenkoch Didier de Courten. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine grosse Rolle: 380 Quadratmeter Sonnenkollektoren decken 90 % des Energiebedarfs, und auf Flaschen wird – mit Ausnahme des Weins – komplett verzichtet.
#7 The Japanese at Gütsch, Andermatt UR
Die kulinarisch aussergewöhnlichste Berghütte der Schweiz liegt hoch über Andermatt und ist ein Aussenposten des Luxushotels «The Chedi» unten im Alpendorf. Ein paar Schritte neben der Bergstation der 8er-Gondelbahn Gütsch-Express werden in puristisch-behaglichem Ambiente japanische Köstlichkeiten mit Blick auf den Gotthard, den Oberalppass und das Urserental aufgetischt – an warmen Wintertagen auch auf der Terrasse. Aus der offenen Küche kommen wahlweise vier- bis fünfgängige Menüs oder einzelne Sushi- und Sashimi-Gerichte wie zum Beispiel die «Uramaki Dragon Rolls» (pikante Tempura-Shrimps mit Avocado, Gurke und Lachs). Es lohnt sich, die sportlichen Ambitionen auf einen anderen Tag zu verschieben und sich voll auf die subtile Küche der Zwillingsbrüder Dominik Sato & Fabio Toffolon einzulassen: «The Japanese at Gütsch» ist mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Nach dem Essen geht es mit den Ski oder den Gondeln wieder ins Tal hinunter (kein Winterwanderweg) – oder man dreht zuvor noch eine Runde zu Fuss auf dem praktisch flachen Panoramarundweg Gütsch.
#8 Rinderberg Lodge, Zweisimmen BE
Der Puls passt sich der gemächlichen Frequenz an, mit der die kleinen, roten Gondeln neben der Sonnenterrasse der «Rinderberg Lodge» im Skigebiet Gstaad-Schönried-Zweisimmen vorbeiziehen. Gefangen in einer Endlosschlaufe: hinunter, hinauf – und wieder hinunter. Das hat etwas Hypnotisches, genauso wie die Bewegungen der Fonduegabeln, die ihre Runden durch den Käse ziehen. Oder wie die Winterwanderer, die in der weiten Alpenkulisse des Saanenlands mehrere hundert Kilometer präparierter Pfade durchstreifen – etwa von der Eggweid, der Mittelstation der Rinderberg-Gondelbahn, wo auch die Lodge steht, hinunter nach Zweisimmen. Die holzgeprägte Lodge, die Berner Oberländer Hüttencharme mit kunstvoll modernen Elementen verbindet und seit Sommer 2025 von den Bergbahnen Gstaad betrieben wird, beherbergt auch zwei Dutzend angenehme Gästezimmer. Die Küche setzt auf Regionales: Das Echte und Schlichte, das liebevoll gemacht ist, soll künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken.
#9 Chäserugg Gipfelrestaurant, Unterwasser/Toggenburg SG
Im familiären Skigebiet am Chäserugg setzt die Bergstation auf dem 2262 Meter hohen Gipfel ein markantes architektonisches Zeichen. Vor zehn Jahren realisierten die Basler Architekten Herzog & de Meuron hier ihre Vision eines grosszügig dimensionierten Panoramarestaurants in exponierter Lage – und integrierten dabei kunstvoll den wuchtigen Stahl- und Betonbau der Luftseilbahn aus den Siebzigerjahren. Als Gast kann sowohl draussen als auch drinnen zwischen einem bedienten Restaurant und einem Selbstbedienungsbereich wählen – letzterer ideal für alle, die nicht lange verweilen wollen. Kulinarisch legt man grossen Wert auf regionale Produkte, was sich auch beim Sonntagsfrühstück mit Schlorzifladen, Bloderkäse und Joghurts aus dem Toggenburg zeigt. Ein leichter Panoramarundweg führt zu jeder Jahreszeit vom Gipfelgebäude einmal über die Hochebene Rosenboden und ermöglicht über die ganze Strecke hinweg Weitblicke auf 500 Berggipfel in sechs Ländern (so die Eigenwerbung), darunter die steil abfallenden Felswände der Churfirsten-Kette. Aus Sicherheitsgründen dürfen keine Schlitten auf den Chäserugg-Gipfel und auf die Rosenboden-Ebene mitgenommen werden.
#10 Kuhstall Schamuela, Valbella-Lenzerheide GR
Klick, klack! Raus aus der Bindung, rein in die Skihütte. Für viele Schneesportler spielt sich das wahre alpine Leben abseits der Pisten ab. Seit der Eröffnung des «Kuhstall Schamuela» im Dezember 2023 liefert auch Valbella-Lenzerheide einen guten Grund, das Skifahren mal etwas ruhiger angehen zu lassen und das Savoir-vivre in der gemütlichen Gaststube oder auf der sonnigen Terrasse zu geniessen. Das Bergrestaurant, das bei der Talstation der Sesselbahn Cumascheals zu Füssen des Stätzerhorns liegt, hat sich schnell zu einem winterlichen Hotspot entwickelt. Wo früher tatsächlich Kühe zuhause waren, sorgt heute das erfahrene Gastrounternehmen Hüttenzauber für einen netten Service und eine solide Küche aus vorwiegend regionalen, naturnahen Produkten. Auf der Karte: Salat- und Pastavariationen, hausgemachte Steinpilzravioli, Entrecôte «Café de Paris» mit Pommes Allumettes sowie weitere Fleischspezialitäten, die hier überwiegend auf dem Grill zubereitet werden. Für Nicht-Skifahrer ist das «Schamuela» bequem in einer halben Stunde über den Winterwanderweg von Valbella aus erreichbar.
#11 Chetzeron, Crans-Montana VS
Crans-Montana polarisiert unter Bergfreunden. Die einen loben die lebendige Angebotsvielfalt und das kolossale Panorama mit der Gipfelparade vom Dom über Weisshorn bis hin zum Mont-Blanc-Massiv. Die andern sehen vor allem viel Beton. Fest steht: Auf dem sonnenverwöhnten Hochplateau über dem Rhonetal lässt es sich wunderbar Skifahren und Winterwandern. Seit der Eröffnung des «Chetzeron» vor zwölf Jahren hat sich auch die bis dahin unterentwickelte Berggastronomie stark verbessert. Aus der einstigen Gondelstation im Skigebiet wurde ein stylischer Wohlfühlort mit 16 Zimmern und einladendem Restaurant – inklusive schöner Holzterrasse und Outdoor-Lounge mit Liegestühlen. Klassische Walliser Spezialitäten überlässt das «Chetzeron» weitgehend der Konkurrenz. Stattdessen gibt es etwa ein fein zubereitetes Randenrisotto mit frischem Ziegenkäse oder ein Filet vom Schweizer Weiderind mit sämigem Kartoffelgratin. Das Credo des Gastgebers Sami Lamaa: «Wir sprechen Gäste an, die nicht nur ihr Wochenabo ausschöpfen möchten, sondern auch Wert auf gutes Essen und einen Hauch Dolce Vita in 2112 Meter Höhe legen.»
Text & Auswahl: Claus Schweitzer
Veröffentlicht am 22. September 2025