Ein Flug, der weit mehr bedeutete als nur die Reise nach London

Für Menschen mit komplexen medizinischen Bedürfnissen erfordert eine Flugreise besondere Vorbereitung. Gemeinsam mit AMTRAS aeromed bietet SWISS deshalb medizinisch begleitete Reisen an. Wie wertvoll diese Unterstützung sein kann, zeigt die Geschichte der elfjährigen Mathilde. Flugarzt Stephan Klose begleitete sie und ihre Familie nach London. Ein Einsatz, bei dem es nicht um einen Notfall ging, sondern darum, einen lang gehegten Traum wahr werden zu lassen.

Dr. Stephan Klose: Meist ruft man uns, wenn etwas passiert ist. Ein Unfall, eine akute Erkrankung. Die Ferien enden abrupt, und was bleibt, ist der medizinisch begleitete Rücktransport nach Hause. Umso mehr freut es uns, wenn wir eine Reise nicht beenden, sondern überhaupt erst ermöglichen dürfen. So wie im Fall der elfjährigen Mathilde.

Der Wunsch nach einer gemeinsamen Reise
Mathilde hat mit ihren elf Jahren mehr durchgestanden als viele Erwachsene. Eine Hirnblutung infolge ihrer Frühgeburt führte zu einer Epilepsie mit schweren, anhaltenden Krampfanfällen, die in der Vergangenheit wiederholt notfallmedizinisch behandelt werden mussten. Hinzu kam eine schwere Nierenerkrankung. Jahrelang war sie auf die Dialyse angewiesen, bis ihr Vater Athos ihr eine Niere spendete.

Der Wunsch der Familie, endlich einmal gemeinsam zu fliegen, war gross. Gleichzeitig sorgten sich Mathildes Eltern, dass es während des Fluges zu einem schweren Krampfanfall kommen könnte. Sie suchten deshalb nach einer Möglichkeit, die Reise mit fachkundiger medizinischer Begleitung anzutreten.

So erreichte uns über das gemeinsame Angebot der Lufthansa Group und AMTRAS aeromed für medizinisch begleitete Flugreisen die Anfrage der Familie.

Familienselfie
Mathilde mit ihren Eltern (links und rechts) und Dr. Stephan Klose (Mitte).

London calling! Aber zuerst ins Cockpit
Gemeinsam sichteten wir die vorliegenden Befunde, holten fachärztliche Einschätzungen der behandelnden Ärzte ein und bewerteten die besonderen Anforderungen an die Reise. Nach sorgfältiger Vorbereitung stand der Plan fest: Ich würde Mathilde und ihre Familie als Flugarzt vom Check-in in Zürich bis zur Gepäckausgabe in London begleiten, mit medizinischem Equipment in Bereitschaft, für den Fall der Fälle. Dieser Idee stimmte auch der medizinische Dienst der SWISS zu, und damit stand der Reise nichts mehr im Wege.

Am Vorabend des Abflugs reiste ich von Frankfurt nach Zürich. In einem Flughafenhotel trafen wir uns zum ersten Mal. Statt einer verunsicherten kleinen Patientin begegnete mir eine fröhliche, offene und neugierige Elfjährige, deren grösster Wunsch es war, endlich einmal in einem Flugzeug zu sitzen.

Am nächsten Tag ging dieser Wunsch in Erfüllung. Die Crew von SWISS nahm sich viel Zeit für Mathilde und ermöglichte ihr sogar einen Besuch im Cockpit, Fotos inklusive. Kurz darauf hiess es: London calling!

Der Flug verlief genau so, wie wir es uns alle erhofft hatten. Ruhig, entspannt und ohne medizinische Zwischenfälle. Die Familie konnte gemeinsam reisen, ich blieb in der Nähe, aber diskret im Hintergrund. Das mitgeführte medizinische Equipment und die Notfallmedikamente blieben während des gesamten Fluges verstaut. Sie waren dabei und einsatzbereit. Gebraucht wurden sie nicht.

«Ganz London weiss jetzt, dass Mathilde geflogen ist»
Mathilde und ihre Eltern verbrachten eine wunderbare Woche im sommerlichen London. Am Flughafen Heathrow traf ich die Familie wenige Tage später wieder und durfte auch den Rückflug begleiten. Erkundet hatte die Familie in diesen Tagen nicht nur die Sehenswürdigkeiten der Stadt. «Ganz London weiss jetzt, dass Mathilde geflogen ist», berichtete ihre Mutter Kathrin schmunzelnd.

Nach dem gemeinsamen Abschlussfoto in Zürich standen schon am nächsten Tag wieder die routinemässigen Kontrolluntersuchungen an. Und parallel dazu eine ganz neue Frage. Wohin könnte die nächste Reise gehen?

Sicherheit ist die eigentliche Leistung
Medizinische Flugbegleitung bedeutet nicht immer, während eines Fluges medizinisch eingreifen zu müssen. Häufig liegt die wichtigste Aufgabe schon lange vor dem Abflug. Sie besteht darin, Risiken sorgfältig einzuschätzen, die Reise medizinisch und organisatorisch vorzubereiten und Patienten wie Angehörigen die Gewissheit zu geben, im Notfall nicht allein zu sein.

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Worte von Kathrin und Athos:

„Allein zu wissen, dass im Hintergrund jemand da ist, hat uns eine riesige Last genommen.“

Kathrin and Athos
Mathildes Eltern

Für Mathilde wurde ein lang gehegter Traum wahr. Für uns war es ein Einsatz, der eindrücklich zeigt, was medizinische Flugbegleitung leisten kann. Sie bringt Menschen nicht nur sicher ans Ziel, sondern ermöglicht ihnen Reisen, die ohne Unterstützung vielleicht nie stattgefunden hätten. Und schenkt ihnen damit neue Erinnerungen und ein Stück Lebensqualität.

Über die medizinische Reisebegleitung
Gemeinsam mit der Lufthansa Group und AMTRAS aeromed unterstützt SWISS Reisende dabei, auch mit besonderen medizinischen Anforderungen sicher und gut vorbereitet an ihr Ziel zu gelangen. Die medizinische Reisebegleitung umfasst eine individuelle Beratung und, falls erforderlich, eine professionelle Betreuung während der gesamten Reise. Weitere Informationen: Medizinische Reisebegleitung für alle Bedürfnisse

Text: Dr. Stefan Klose, Flugarzt und Medical Director bei AMTRAS (Air Medical Transport Solutions)

Publiziert am 20. August 2026